Filmhandlung und Hintergrund

Der rote Schatten – Dominik Grafs erster SWR-„Tatort“ erinnert an den „Deutschen Herbst“ 1977, platzt aber vor lauter Handlung aus allen Nähten. Die Geschichte ist eine Nummer zu groß, nicht für einen „Tatort“, aber für neunzig Minuten: „Der rote Schatten“ bietet genug Material für einen Zweiteiler. Der Film verknüpft einen zunächst nicht weiter ungewöhnlichen Kriminalfall mit dem Deutschen Herbst 1977, der...

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Kritikerrezensionen

  • Der rote Schatten – Dominik Grafs erster SWR-„Tatort“ erinnert an den „Deutschen Herbst“ 1977, platzt aber vor lauter Handlung aus allen Nähten.

    Die Geschichte ist eine Nummer zu groß, nicht für einen „Tatort“, aber für neunzig Minuten: „Der rote Schatten“ bietet genug Material für einen Zweiteiler. Der Film verknüpft einen zunächst nicht weiter ungewöhnlichen Kriminalfall mit dem Deutschen Herbst 1977, der mit dem Tod von drei Terroristen in Stuttgart-Stammheim endete. Vor diesem Hintergrund hat Rolf Basedow eine Handlung entworfen, in der sich Gegenwart und Vergangenheit auf raffinierte Weise gegenseitig durchdringen; und selbstredend ist das ein Stoff wie geschaffen für Dominik Graf.

    Das Ergebnis ist ein fesselnder Thriller, der bloß ein Manko hat: Er ist entschieden zu kurz, denn natürlich müssen die Ereignisse aus dem Oktober 1977 rekapituliert werden. Vermutlich nicht zuletzt aus Zeitgründen greifen Graf und Basedow, der seinen Namen als Autor zurückgezogen hat, zu Notlösungen: Hauptkommissar Lannert (Richy Müller) erklärt den jüngeren Kollegen, wie das damals war, als sich die Kinder gegen ihre Väter stellten, weil in den Führungspositionen immer noch die alten Nazis hockten; und beim Besuch eines pensionierten Kollegen (Michael Hanemann), der die Todesfälle in Stammheim untersucht hat, gibt es einen Crashkurs über die bundesdeutsche Historie vom Schah-Besuch 1967 bis zum Herbst 1977. Jüngere Zuschauer, die nicht viel über diese Zeit wissen, werden dennoch kaum nachvollziehen können, warum eine gewaltbereite radikale Minderheit damals so viele Sympathien genossen hat.

    Mit der Gegenwart beschäftigt sich Graf ungleich intensiver. Das ist einerseits verständlich, schließlich haben Lannert und sein Kollege Bootz (Felix Klare) einen Mord zu klären, aber andererseits wirkt der Fall mutwillig verworren, weil das Drehbuch den Fall komplizierter erzählt als nötig wäre. Letztlich hat es ohnehin den Anschein, als sei er bloß ein Vorwand, um die Vergangenheit aufzurollen: Sozialhilfeempfänger Jordan (Hannes Jaenicke) gerät in Verdacht, seine Freundin ermordet zu haben, aber der Mann erweist sich als unantastbar, denn er hat einst als RAF-Kronzeuge gegen seine Genossen ausgesagt. Das allein wäre im Grunde Geschichte genug, aber Graf bringt auch noch jene untergetauchten Ex-Terroristen ins Spiel, die ihren Lebensabend durch gelegentliche Raubüberfälle finanzieren. Auch diese Gruppe böte Stoff für einen eigenen Krimi; kein Wunder, dass „Der rote Schatten“ vor lauter Handlung aus allen Nähten platzt. Dabei sind andere Details viel interessanter, zum Beispiel die Frage, wie gut der Staat damals über die geplanten Suizide in Stammheim informiert war, und natürlich greift der Film auch die Mordtheorie auf; beide Varianten werden in bestürzend echt wirkenden Szenen bebildert. Der Rest ist Graf: Einstellungen wie aus dem Italo-Western, laute Funksprüche, viel nackte Haut. Allen Einwänden zum Trotz ein faszinierender Film; und obendrein ein sehr ungewöhnlicher und daher mutiger „Tatort“. tpg.

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