Tatort: Borowski und eine Frage von reinem Geschmack

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   2010
Tatort: Borowski und eine Frage von reinem Geschmack Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Tatort: Borowski und eine Frage von reinem Geschmack: Ein Kieler "Tatort", der vor allem durch seine starken Darsteller überzeugt.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Milch, das weiß man längst, ist bei weitem nicht so gesund wie lange angenommen; vor allem nicht im Übermaß. In diesem neuen „Tatort“ aus Kiel aber genügen nur wenige Schlucke, und schon sinkt ein Junge tot zu Boden.

    Damit hat der Krimi zwar seine obligate Leiche, doch um einen Mord im herkömmlichen Sinn handelt es sich eher nicht, denn der junge Florian ist bloß ein Zufallsopfer: Er war Allergiker, und da der überwiegend aus Milch bestehende „Energy-Drink“ Vitanale eine Überdosis des Zusatzstoffes E 102 enthielt, kam es zum Schock. Rasch stellen die Kriminaltechniker fest, dass der Farbstoff in der Molkerei zugesetzt wurde. Während der Kripochef sofort überzeugt ist, dass jemand das Unternehmen erpressen will, glaubt Klaus Borowski (Axel Milberg) eher an persönliche Motive.

    „Borowski und eine Frage von reinem Geschmack“ ist eigens für die ARD-Themenwoche „Essen ist Leben“ geschrieben worden (das Drehbuch stammt von Kai Hafemeister sowie Christoph Silber und Thorsten Wettcke, die für den NDR auch die Figur des Hamburger Kommissars Cenk Batu entwickelt haben). Dass die Handlung trotzdem passt, ist einem so genannten Food-Detective zu verdanken, einem Verbraucherschützer, der die Menschen aufrütteln und ihnen klar machen will, wie vergiftet ihr Essen ist. Ähnlichkeiten mit Thilo Bode und „Foodwatch“ mögen kein Zufall sein, aber die Methoden des jungen Mannes erinnern doch eher an Greenpeace-Aktivisten. Weil er die Manipulation in der Molkerei umgehend als Plattform nutzt und außerdem ein Verhältnis mit der Tochter von Firmenchefin Liane Kallberg (Esther Schweins) hat, notiert ihn Borowski prompt auf der Liste der Verdächtigen. Zuvor findet sich aber noch genug Zeit für einen Vortrag über den Etikettenschwindel, den die Lebensmittelindustrie auf ihren Verpackungen betreibt.

    Spannender als die Tätersuche und erst recht die Nahrungsfragen ist ohnehin ein Familiendrama, das sich zunächst nur im Hintergrund entwickelt. Liane Kallberg hat das Unternehmen von ihrem Vater übernommen, steht mit ihrer strikten Profitorientierung in der Familie allerdings alleine da: Ihr Bruder ist ausgestiegen und betreibt einen Öko-Bauernhof, die 17-jährige Tochter Melinda ist von Natur aus rebellisch, und der Vater fühlt sich abgeschoben. Alle drei spielen eine zunehmend wichtige Rolle, aber im Gedächtnis bleibt vor allem die junge Sonja Gerhardt („Die wilden Hühner und die Liebe“), die sich schon in der Neuverfilmung „Im Spessart sind die Geister los“ wunderbare Dialogduelle mit Annette Frier lieferte. Hier hält sie sich auch gegen Esther Schweins wacker, die allerdings eine ungleich komplexere Rolle hat: Liane Kallberg zieht skrupellos alle Register, wenn es um ihr Bild in der Öffentlichkeit geht.

    Und dann gibt es noch einen Grund, sich den Film anzuschauen, und auch der ist weiblich: Sibel Kekilli sorgt mit ihren wenigen Auftritten als Nachbarin der Kallbergs für derart viel frischen Wind, dass man gut verstehen kann, warum sich der NDR entschlossen hat, ihr eine durchgehende Rolle zu geben. Regisseur Florian Froschmayer setzt bei seiner Inszenierung nur wenig Akzente, so dass von handelsüblicher Spannung kaum die Rede sein kann; aber die Darsteller führt er vorzüglich. tpg.

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