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Tatort: Blackout

Filmhandlung und Hintergrund

Ein würdiger Film zum 25-jährigen Jubiläum von Lena Odenthal: Der neue Fall führt die Kommissarin an ihre Grenzen.

Mario Kopper fährt in Urlaub, und Lena Odenthal muss sich mit einer Vertretung arrangieren. Die junge Kollegin ist Fallanalytikerin und hat ihre eigenen Methoden. Lena, ohnehin gestresst, reagiert erst irritiert und dann gereizt. Der Fall setzt ihr mehr zu, als sie zugibt: Ein Architekt ist vergewaltigt und ermordet worden. Mögliche Verdächtige gibt es zuhauf, aber keinerlei Hinweise. Schließlich bricht die völlig erschöpfte Kommissarin zusammen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Blackout: Ein würdiger Film zum 25-jährigen Jubiläum von Lena Odenthal: Der neue Fall führt die Kommissarin an ihre Grenzen.

    Es ist eine sehr spezielle und ganz besondere Stimmung, die diesen reizvollen „Tatort“ aus Ludwigshafen prägt. Vor allem aber ist es ein würdiger Jubiläumsfilm.

    Mit „Blackout“ ehrt der SWR Lena Odenthal (und selbstredend auch Ulrike Folkerts), die ihren Dienst im Oktober 1989 angetreten hat und somit dienstälteste „Tatort“-Kommissarin ist. Ihr sechzigster Fall ist einer der schwersten, und das keineswegs bloß, weil es nach der Vergewaltigung und Ermordung eines Unternehmers nur Vermutungen, aber keinerlei Hinweise auf mögliche Täter gibt. Seinen Reiz bezieht der Film jedoch aus der Hauptfigur: Seit geraumer Zeit leidet die Hauptkommissarin unter Schlaflosigkeit. Nicht nur der Beruf zehrt an ihrer Substanz, auch die Furcht vor der Einsamkeit. Von einer forschen jungen Kollegin muss sie sich gar darauf hinweisen lassen, sie sei schließlich nicht mehr die Jüngste.

    In der harmonischen Verknüpfung dieser beiden Ebenen liegt die große Qualität des Drehbuchs von Eva und Volker A. Zahn, denn auch bei den Ermittlungen spielt die Einsamkeit des modernen Menschen immer wieder eine Rolle. Schon der Einstieg, ein Flug übers nächtlich illuminierte Ludwigshafen (Bildgestaltung: Andreas Schäfauer), zeigt die pfälzische Stadt als anonyme Metropole, in der schließlich eine junge Frau mutterseelenallein und offensichtlich orientierungslos über die Rheinbrücke irrt. Am Ende wird sich der Kreis schließen; nun steht die Kommissarin allein auf der Brücke.

    Allein dieses dramaturgische Detail zeigt, wie sorgfältig Buch und Regie (Patrick Winczewski) den Film gerade auch bildsprachlich konzipiert haben. Der Fall tut ein Übriges, denn er konfrontiert die Polizistin mit fast allen nur denkbaren menschlichen Abgründen: Das Opfer, ein Architekt, hat leerstehende Wohnungen als Liebesnester benützt. Später stellt sich raus, dass er womöglich ein gesuchter Vergewaltiger ist, der Frauen mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht hat. Seine Witwe (Marion Mitterhammer) bestreitet die sexuellen Eskapaden ihres Mannes, aber natürlich gehört auch sie zum Kreis der Verdächtigen. Für die Kommissarin bleibt die fortwährende Konfrontation mit dem Grauen nicht ohne Folgen. In einem Schlüsselgespräch rät ausgerechnet die junge Urlaubsvertretung der älteren und ungleich erfahreneren Kollegin, die Ermittlungen nicht so persönlich zu nehmen.

    Die personelle Auffrischung tut dem Ludwigshafener Ensemble sehr gut, und das nicht nur, weil die attraktive Lisa Bitter schon aus optischen Gründen eine reizvolle Ergänzung ist: Fallanalytikerin Johanna Stern, die den zunächst im Urlaub weilenden Kopper (Andres Hoppe) vertritt, sorgt für Belebung, weil sie einen ganz anderen Ermittlungstypus verkörpert; sie repräsentiert die moderne Kriminalistik, für die ein Ausdruck auf Papier Anlass zur Heiterkeit ist („old school“).

    „Blackout“ wirkt ohnehin recht jugendlich, und das nicht nur, weil auch weitere wichtige Rollen mit jungen Frauen besetzt sind; auch die Bildsprache ist modern. Dank Schnitt und Musik ist der Film immer in Bewegung. Umso stärker betont die Inszenierung die Phasen der Ruhe, die sich die Hauptfigur gezwungenermaßen immer wieder gönnen muss. In diesen Momenten wirkt die vor 25 Jahren als burschikose Kriminaloberkommissarin angetretene Lena Odenthal angeschlagen und verletzlich; die melancholische Seite steht der Rolle ausgesprochen gut. Die Konfrontation mit Johanna Stern, der die Zukunft gehört, verstärkt diesen Effekt natürlich. Mitunter erscheint die kopfgesteuerte junge Kollegin der erfahrenen Hauptkommissarin, die stets ihren Instinkten vertraut, wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Um so besser, dass die Mitwirkung Johanna Sterns kein einmaliges Gastspiel ist, zumal die fragile Analytikerin auch ein großartiger Gegenentwurf zum robusten Kopper ist: Sie wird auch in den nächsten Krimis aus Ludwigshafen mit von der Partie sein. tpg.

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