Tatort: Baum der Erlösung

Filmhandlung und Hintergrund

Kommissar Eisner untersucht den vermeintlichen Selbstmord einer jungen Türkin.

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Baum der Erlösung: Kommissar Eisner untersucht den vermeintlichen Selbstmord einer jungen Türkin.

    Geht’s in deutschen „Tatort“-Krimis um Minderheiten, gibt’s regelmäßig Proteste. Die müsste eigentlich auch diese ORF-Produktion auslösen, denn Autor Felix Mitterer verarbeitet fröhlich sämtliche Vorurteile, die gegenüber türkischen Mitbürgern gehegt und gepflegt werden. Dass es sich dabei um Türken aus Tirol handelt, dürfte kaum eine Rolle spielen.

    Das Drehbuch behandelt ohnehin gleich mehrere brisante Aspekte. Das Thema Zwangshochzeit ist bereits in einem „Tatort“ aus Ludwigshafen behandelt worden („Schatten der Angst“), aber Mitterer bringt auch noch die Einheimischen ins Spiel: In seiner Geschichte ist das kleine Telfs neben Wien der einzige Ort in Österreich, in dem es eine Moschee mit Minarett gibt. Der Turm ist zwar allenfalls ein Türmchen, wird aber selbstredend trotzdem als Symbol für die empfundene Unterwanderung interpretiert. „Bald sind wir die Gastarbeiter“, mahnt der schlimmste Ausländerfeind im Ort.

    Auslöser der Handlung aber ist ein vermeintlicher Freitod: Am so genannten Baum der Erlösung wird die Leiche einer jungen Türkin gefunden. Allerdings schied sie nicht freiwillig aus dem Leben, genauso wenig wie ihr Tiroler Freund, der kurz drauf erschlagen aus einem nahen See gefischt wird. Der Fall ist brisant, weshalb eiligst Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) aus der Hauptstadt herbeigerufen wird. Verdächtige gibt’s zuhauf, wobei die männlichen Familienmitglieder des toten Mädchens die größten Motive hätten, schließlich sollte sie gefälligst einen Türken heiraten. Gleiches gilt für ihre schöne Schwester Yasemin (Pegah Ferydoni aus „Türkisch für Anfänger“), die ausgerechnet den Sohn des Türkenhassers liebt. Deshalb entführt ihr finsterer Bruder Serkan (Sinan Al Kuri) sie kurzerhand: Vater Kazim (Tayfun Bademsoy) will sie so rasch wie möglich in die Türkei schicken, wo ihr zukünftiger Ehemann sie schon erwartet.

    Natürlich trägt Mitterers Geschichte Züge von „Romeo und Julia“, zumal das Drehbuch an beiden Parteien kaum einen sympathischen Zug lässt; um so bewegender ist eine Szene am Schluss, als die beiden einander in herzlicher Abneigung verbundenen Väter in der Moschee gemeinsam um ihre verstorbenen Kinder trauern. Bis dahin aber bedient Mitterer noch so manches Klischee; gerade der sinistre Serkan ist ein ganz übler Bursche, der den örtlichen türkischen Polizisten (Tim Seyfi) verprügelt und sich auch mit Eisner anlegt. Ausgerechnet diesem Trotzkopf, der die ganze Integrationsunwilligkeit mancher junger Türken verkörpert, muss Eisner am Schluss beistehen, denn es stellt sich raus: Dieser Serkan geht bloß sprichwörtlich, keineswegs aber buchstäblich über Leichen; und nun ist er auf dem besten Weg, in eine tödliche Falle zu tappen.

    Kurz drauf ist die Geschichte eigentlich auserzählt, aber Harald Sicheritz (Buch und Regie) mochte den Film offenbar nicht beenden, ohne nicht noch einige Bilder von beinahe aufdringlicher Symbolträchtigkeit anzuhängen. In metaphorischer Überfrachtung fällt hier ein Baum und dort ein Kopftuch. Dabei ist die Botschaft längst angekommen, weshalb die versöhnlichen Aufnahmen der beiden trauernden Väter fast zuviel des Guten sind. An der Gesamtqualität dieses mutigen „Tatort“-Krimis ändert das jedoch nichts, selbst wenn Sicheritz mitunter allzu verliebt in seine Bilder ist. Kameramann Thomas Kienast muss unter anderem gegen das Bildgestaltungsgebot verstoßen, nur dort ein Licht aufgehen zu lassen, wo es auch hingehört. Der Einstieg mit der Frauenleiche am Baum zum Beispiel ist dank des Gegenlichts zwar ein optisches Meisterwerk, aber mitten im Wald gibt es nun mal in der Regel keine Lichtquellen. Entscheidender aber ist naturgemäß die Handlung, und die ist mutig; deutsche „Tatort“-Filme haben schon mit deutlich schwächerer Brisanz für enormes Echo gesorgt. tpg.

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