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Takva - Gottesfurcht

   Kinostart: 15.11.2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Von Fatih Akin koproduzierter Thriller, der sich mit dem Thema Glaube auseinandersetzt.

Seit mehr als 30 Jahren hat der streng gläubige Islamist Muharrem (Erkan Can) in der selben traditionellen Nachbarschaft Istanbuls sexuell abstinent gelebt, regelmäßig gebetet und hart gearbeitet. Als eine islamische Organisation auf den introvertierten Asketen aufmerksam wird, stellt sie ihn an, was Muharrem zum ersten Mal in seinem Leben mit der Moderne in Form von Handys, Computern, Alkohol und anderen Sünden konfrontiert. Zu seinem Entsetzen kann er den Versuchungen nicht widerstehen.

Das in Berlin 2007 mit dem Fipresci-Preis gekürte deutsch-türkische Psychodrama lässt lebensnah und manchmal auch surreal fanatischen Glauben und westliche Lebensweise aufeinanderprallen - mit dramatischen Auswirkungen. Aufrüttelndes Arthaus-Kino.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. „Takva – Gottesfurcht“ ist eine deutsch-türkische Coproduktion, an der Fatih Akins corazón international beteiligt ist. Das Psychodrama des türkischen Regisseurs Özer Kiziltan gewann allein auf dem Filmfestival Antalya neun Auszeichnungen und in der Sektion Panorama der Berlinale den Preis der Internationalen Filmkritik. Beeindruckend intensiv thematisiert die Geschichte den für Muharrem unvereinbaren Konflikt mit einem besonders konservativen Glauben und dem modernen Leben in Istanbul.

      Der Regisseur wollte aufzeigen, dass eine religiöse Praxis, die den individuellen Verstand ablehnt, nicht funktionieren kann. In der Dergah, dem islamischen Kloster, werden Gebetszeremonien mit ekstatischem Ritual abgehalten. Die Männer knien und wiegen sich in rhythmischem Gesang hin und her, vorne sitzt der Scheich, der oberste Gelehrte des Klosters, den alle unterwürfig verehren. Das Kloster unterweist junge Schüler und finanziert sich durch Mieten für Wohnungen und Läden.

      Muharrem, seit früher Jugend an ein Leben in Gehorsam und Entsagung gewöhnt, soll nun auf einmal die Buchhaltung übernehmen und persönlich zu den Mietern und den Banken gehen. Zum ersten Mal in seinem Leben kommt er also in Kontakt zum heutigen, modernen Istanbul mit seinen Kaufhäusern, Waren und Prestigeobjekten. Es macht Muharrem Angst, Dollarnoten in Händen zu halten und Menschen, die ihre Miete nicht zahlen können, unter Druck zu setzen. Oder zu sehen, dass ein KFZ-Mechaniker, der eine Werkstatt vom Orden gemietet hat, tagsüber Alkohol trinkt.

      Eindrucksvoll schildert das Drama, wie Muharrem, weil er zum direkten Gehilfen des Scheichs aufsteigt, auch seinen weltlichen Arbeitgeber, den Sackhändler, prestigemäßig abhängt. Der feine Geschäftsmann nimmt zunehmend Anrufe für seinen Lagerarbeiter Muharrem entgegen, der von immer mehr Menschen verehrt wird, die ihn alle kontaktieren wollen. Auch der Geschäftsmann unterwirft sich freiwillig der Hierarchie, an deren Spitze der Scheich als besonders gläubiger Moslem steht.

      Das Psychodrama besticht durch die ausführliche Schilderung der patriarchalen Hierarchie im moslemischen Glauben. Dem Scheich werden die Hände geküsst, ebenso wie alles, was er berührt. Er gilt als Vaterfigur, der niemals widersprochen wird und die auf alles eine Antwort hat. Der Regisseur klagt jedoch nicht an, sondern will zum Nachdenken anregen über den großen Konflikt zwischen konservativer Religiosität und den Ambivalenzen des modernen Lebens in der Türkei. Allerdings wird die Hauptfigur des Muharrem nicht nur von seiner Umgebung, sondern auch vom Drehbuch stark alleingelassen: Die Überforderung dieses einfachen Mannes mit schweren Aufgaben ist etwas plakativ.

      Fazit: Intensives Psychodrama um den Konflikt zwischen konservativem islamischen Glauben und dem modernen Alltag in Istanbul.
    2. Takva - Gottesfurcht: Von Fatih Akin koproduzierter Thriller, der sich mit dem Thema Glaube auseinandersetzt.

      Fatih Akin koproduzierte den packenden Religionsthriller um Glauben und Geschäftemacherei in einem fantastisch fotografierten Istanbul.

      Fatih Akin („Auf der anderen Seite“) wird mehr und mehr zum Mittler zwischen westlichen Kulturvorstellungen und muslimischen Wertehaltungen und bringt dabei ein Mal mehr einen großen Wurf zu Stande. Das inszenatorische Verdienst des zunehmend fesselnder werdenden Religionsthrillers geht auf das Konto von Özer Kiziltan, der fünf Jahre an seinem Spielfilmdebüt arbeitete, mit unheimlicher Konsequenz von Fundamentalismus, Fanatismus und Fahrt in den Wahnsinn erzählt und Preise in Berlin, Antalaya und Toronto gewann.

      Der 45-jährige Lagerverwalter Muharrem (Erkan Can), ein streng gläubiger Muslim, lebt nach den Vorschriften seiner Sekte, die in einem der ältesten Stadtteile Istanbuls im Dergah-Kloster residiert und ein Leben in Demut und Gottesfurcht propagiert. In seiner Vorstellung ist es der Teufel möglicherweise, der ihn fast jede Nacht mit erotischen Träumen und ihren feuchten Folgen konfrontiert. Als Muharrem vom Scheich des Stifts beauftragt wird, die Mieten für die 43 Wohnhäuser, 35 Geschäftsräume und 7 Grundstücke mit Lagerräumen, die dem Orden gehören, zu kassieren, muss er ins Kloster umziehen, wird zum Geschäftsmann und mit der modernen Geschäftswelt zwischen Schmiergeldern und Mietwohnungsterror konfrontiert. Muharrem geht am Missverhältnis dieser Geschäftemacherei und Heuchelei des Ordens, fundamentalistischen Vorschriften und eigenen Glaubenswünschen zu Grunde.

      Vom Hauptdarsteller Erkan Can überwältigend gespielt, wird das seelische Armageddon Muharrems, der die Moderne mied und nun umso heftiger auf sie trifft, eine teils Furcht erregende Reise in eine abgeschottete Welt, wo Gläubige sich bei Gesängen in religiöse Ekstase steigern und den Konflikt ihrer Werte mit der Globalisierungskultur wegargumentieren. Das ausgefeilte Tondesign unterstützt den Schwindel erregenden Fall Muharrems in einem Istanbul, über dem ständig Regenwolken hängen und Schneefälle niedergehen, eine Stimmung , die Kiziltan als die „einer verlassenen Braut und verlebten Schlampe“ bezeichnet. Die aber Werke hervorbringt, die das türkische Kino zum aufregenden Filmland machen und „Takva“ zur Oscar-Nominierung führten. ger.

    News und Stories

    • Fakten und Hintergründe zum Film "Takva - Gottesfurcht"

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      Kino.de Redaktion  
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      Ehemalige BEM-Accounts  

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