Suicide Club

  1. Ø 5
   2010
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Suicide Club Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Suicide Club: Gelungene No-Budget-Hommage an das Leben, in der eine Gruppe von fünf potenziellen Selbstmördern an einem Tag ihre Suizidgedanken gemeinsam hinterfragen.

Ein alternder, misanthropischer Mann, eine Esoterik-Hausfrau, ein gemobbter Schüler, ein melancholischer Rocker und eine vorgeblich angstlose Amazone verabreden sich zum gemeinsamen Selbstmord. Bei Sonnenaufgang wollen sie von einem 20-stöckigen Wohnhaus springen. Da die erwachende Stadt den Zeitplänen einen Strich durch die Rechnung macht, und die Tür verriegelt ist, wollen sie den nächsten Versuch bei Sonnenuntergang wagen. Doch der auf dem Dach verbrachte Tag lässt die fünf an ihrem Vorhaben zweifeln.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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  • „Wertvoll”

    Auf einem Hochhausdach treffen sich an einem Sommermorgen fünf Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, und doch ein gemeinsam verabredetes Ziel haben: Sie wollen mit einem Sprung vom Dach gemeinsam Selbstmord begehen. Doch so ausgefeilt der Plan auch sein mag: Mit den Wirren des Schicksals hat die Gruppe nicht gerechnet. Und so wird der Tag, der für alle so früh enden sollte, zu einem gemeinsamen Abenteuer. Olaf Saumers Abschlussfilm an der Kunsthochschule Kassel ist anrührend, klug und charmant. Das Drehbuch changiert zwischen tragischen Einblicken in die einzelnen Schicksale und witzigen, skurrilen Begebenheiten. Mit warmen Blick auf seine Figuren lässt Saumer jeden Darsteller seine eigene Energie verströmen. Die Inszenierung von Stimmung und Spannung bezieht den Zuschauer durch die gelungene Kameraarbeit und Montage sofort mit ein. Eine existenzialistische Komödie mit Tiefgang.

    Jurybegründung:

    An einem heißen Sommermorgen treffen sich fünf Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, auf einem Hochhausdach und wollen gemeinsam in den Tod springen. Was sich zum Beginn scheinbar so unfassbar offenbart, entwickelt sich durch eine Verkettung teilweise grotesker Ereignisse zu einer Tragikomödie der besonderen Art. Abgeschlossen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Hochhausdach, dient ein langer Tag in brennender Sonne dazu, sich gegenseitig kennen zu lernen, die Motive für die gemeinsam geplante Tat zu erforschen und Formen der Zuneigung und Ablehnung sowie der Aggressionen auszuleben.

    Einigen der Juroren war dieses Kammerspiel auf dem Dach zu lang geraten und der Genrewechsel zur Komödie damit nicht schnell genug erreicht. Und leider wurden die beiden Polizisten im Versteckspiel unnötigerweise zu Knallchargen degradiert. Aber insgesamt kann man diesem Projekt eine sehr gelungene Grundidee zugestehen. Mit einem warmen Blick auf die Zeichnung der Charaktere zeigen sie Menschen in der Isolation unserer Gesellschaft, für die der Suizid scheinbar die bessere Alternative zum Weiterleben bedeutet. Alle Protagonisten machen im Lauf des Spiels eine glaubhafte Entwicklung durch, ihre Charaktere treten deutlich zutage, keiner wird vorgeführt. Ihre Auswahl beim Casting ist geglückt und ihr Spiel gut. Ein besonderes Lob verdient die Kamera mit stimmigen Perspektiven und ebenso die schnelle Montage im Zusammenspiel der fünf und letztlich sechs Helden. Kleine Schwächen in den Dialogen fallen durch eine große Zahl überzeugender Dialogpassagen nicht erschwerend in die Wertung.

    Für einen Debüt- und Abschlussfilm, der mit nur geringen Mitteln produziert werden musste, ist diese Liebeserklärung an das Leben ein erstaunlich gut gelungenes Werk.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „Suicide Club“ ist das Spielfilmdebüt des Kasseler Regisseurs Olaf Saumer. Die originelle und mutige Geschichte – wie leicht könnte das Thema ungewollt in eine Glorifizierung des Freitods abrutschen – ist eine gemeinsame Drehbucharbeit der Brüder Olaf und Martin Saumer. Der Film holt sich seine Zutaten kreativ vom Theater, der Komödie, dem Krimi und dem Drama und zieht dabei die Spannung gekonnt an, um in ein emotional überwältigendes Plädoyer für das Leben zu münden. Das ist raffiniert gemacht und bietet Unterhaltung mit Anspruch.

    Am Anfang der Geschichte überwiegt die Skepsis, will man die Figuren lange nicht ins Herz schließen. Ein männlicher Off-Erzähler, der Teil der Gruppe ist, führt zum Treffpunkt auf dem Dach eines 20-stöckigen Blocks. So gestelzt wie ihr Vorhaben, sich Hand in Hand bei Sonnenaufgang hinabzustürzen, ohne sich einander vorgestellt zu haben, wirken auch die stilisierten Charaktere und ihre theaterhaft deklamierten Sprüche.

    Da ist der Staubsaugervertreter Lothar, gespielt von Klaus-Dieter Bange, der nicht ohne seine Aktentasche springen will: Er hat anfangs die Funktion, den Ungeduldigen zu markieren, der jeden angreift, der aus der Reihe tanzt. Die langhaarige Gisela, gespielt von Hildegard Schroedter, hat ihre besten Jahre schon hinter sich und gibt die seelenvolle Mutterfigur. Zur jüngeren Generation gehören die kühle Silvi, dargestellt von Katja Götz, und der zynische Rebell Mark, gespielt von Mathieu Süsstrunk. Ein schüchterner, einsamer Schüler, den Arne Gottschling darstellt, darf natürlich nicht fehlen.

    Dann packt einen allmählich die Handlung. Das Interesse dafür, wer diese Leute sind und was sie hierher geführt hat, entwickelt sich gleichzeitig mit dem der Charaktere füreinander. Dass im Mittelteil in einer Luxuswohnung unter dem Dach mit dem Bewohner Markus und seiner Freundin ein neuer Erzählstrang eingeführt wird, bereichert und belebt die Geschichte mit Thrill, Komik und einer neuen Perspektive. Hier bekommen die Lebensmüden Gelegenheit, ihr Mitgefühl noch einmal zu verschenken.

    Auf wundersame Weise verlagert sich auf dem Dach anschließend erneut die Perspektive. Wäre das Plädoyer gegen den Freitod eine pflichtschuldige Kopfgeburt geworden, hätte sich der Film von selbst in den Abgrund gestürzt. Aber das passiert nicht, der mahnende Zeigefinger wird nicht erhoben, vielmehr spitzen sich die Ereignisse so emotional zu, dass man dabei spürt, was die Figuren wirklich wollen. Das ist dramatisch, besitzt Überraschungsmomente und lässt einen staunen wie großes Kino.

    Fazit: Dieser ungewöhnliche Film überrascht mit Mut und Talent.
  • Fünf Menschen wollen von einem Hochhausdach springen und entdecken den Wert des Lebens. Anrührende, nachdenkliche Tragikomödie mit großem Potenzial.

    Für sein originelles Spielfilmdebüt – die Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Kassel – hat Olaf Saumer gemeinsam mit seinem Bruder Martin ein kluges Drehbuch verfasst und mit geringsten Budgetmitteln als tragikomisches Kammerspiel unter freiem Himmel auf einem Hochhausdach realisiert. Weil die Schauspieler auf ihre Gage verzichteten, konnte für gerade einmal 40.000 Euro eine existenzialistische Komödie entstehen, die den Ernst der Situation nie außer Acht lässt und deshalb für den Max-Ophüls-Preis nominiert war und den Interfilmpreis gewann.

    Heute ist ein schöner Tag zu sterben finden fünf Leute, die sich anonym zum Gruppenselbstmord bei Sonnenaufgang auf dem Dach eines zwanzigstöckigen Wohnhauses verabredet haben. Bevor sie springen können, erwacht die Stadt unter ihnen und der Plan ist Makulatur. Weil die Tür verriegelt ist, wollen sie den nächsten Versuch bei Sonnenuntergang wagen. Es wird ein denkwürdiger Tag, den Saumer amüsiert mit einem gelassenen Alternative-Soundtrack beobachtet und dabei zunehmend Sympathie für seine Figuren hegt. Diese müssen nun die Zeit totschlagen – der Himmel über Kassel scheint ein geeigneter Platz zu sein, im Angesicht des Todes ins Gespräch zu kommen und bald psychologische Tiefenbohrungen vorzunehmen.

    Die fördern Lügen, Schwächen und einschneidende seelische Verwundungen zutage, ohne dass daraus schwere Kost würde. So nehmen ein alternder, misanthroper Krawattenhengst, eine Esoterik-Hausfrau, ein gemobbter Schüler, ein melancholischer Hardrock-Café-Typ samt Schildkröte und eine vorgeblich angstlose Amazone Kontakt auf. Das entwickelt so viel Charme, dass man über die etwas stereotyp und gezwungen verschiedenen Charaktere hinwegsehen kann. Dazu verändern absurde Zwischenfälle die grotesk-traurige Lage in eine grotesk-komische – und wieder zurück: Kaum hat das Döner-Picknick eines Dick-und-Doof-würdigen Polizisten-Duos sie zur Flucht vom Dach bewegt, bringt sie die Schwerkraft in ein Designer-Apartment, wo sich das Quintett gemütlich einrichtet und das Beisammensein genießt. Selbst der vorgebliche Menschenfeind entpuppt sich als sensibler Gitarrengott – bis mit dem Hausherrn ein bald ebenso suizidgefährdeter Verlierer aufkreuzt.

    Ganz undidaktisch vermittelt die wunderbare, mit stimmungs- wie gefühlvoller Musik veredelte Mischung aus Blues und Spaß den Wert des Miteinanders und der Freundschaft. Das ist nachdenklich, anrührend persönlich und bleibt doch immer locker. Eine Hommage an das Leben. tk.

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