Filmhandlung und Hintergrund

Ergreifendes Alzheimer-Drama mit einer tollen Christiane Hörbiger als Unternehmerin, die langsam verschwindet.

Die verwitwete Charlotte ist stolze Patriarchin eines Hamburger Familienbetriebes. Ihr Sohn Markus führt zwar die Geschäfte, doch seine Mutter ist die Chefin. Aber Charlotte hat immer öfter kleine Aussetzer: Sie vergisst Namen und Termine und kommt auch mal in Pantoffeln ins Büro. Markus‘ neue Freundin ist gelernte Krankenschwester und erkennt Symptome einer beginnenden Demenz, aber Charlotte ist überzeugt, Katrin wolle sie bloß aus der Firma drängen. Erst ein Eklat öffnet ihr die Augen.

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Kritikerrezensionen

  • Stiller Abschied: Ergreifendes Alzheimer-Drama mit einer tollen Christiane Hörbiger als Unternehmerin, die langsam verschwindet.

    Erst sind es nur Kleinigkeiten, die jedem mal passieren: hier ein vergessener Termin, dort ein entfallenes Wort; Zerstreutheiten, die nicht weiter ins Gewicht fallen. Aber dann häufen sich die Anzeichen, dass irgendwas nicht stimmt.

    Trotzdem vergeht eine ganze Weile, bis es endlich jemand wagt, die längst unübersehbare Tatsache beim Namen zu nennen: Alzheimer. Eines der besten Drehbücher über die Krankheit stammt von Karl-Heinz Käfer: In „Mein Vater“ (Regie: Andreas Kleinert, 2003) verkörperte Götz George auf ungemein ergreifende Weise, wie ein Mensch langsam verschwindet. Ähnlich brillant und berührend war Klaus Maria Brandauer in Nikolaus Leytners Film „Die Auslöschung“ (2013). Nun knüpft Christiane Hörbiger an die großen Leistungen ihrer Kollegen an. Thorsten Näters Drehbuch (Regie: Florian Baxmeyer) ergänzt das Krankheitsbild um ein weiteres typisches Merkmal: Nach dem Tod des Gatten steht die Hamburger Unternehmerin Charlotte Brüggemann allein an der Spitze der gemeinsamen Firma, einem Unternehmen für Fertigbauhäuser. Ihr Sohn Markus (Oliver Mommsen) führt zwar mittlerweile die Geschäfte, doch Charlotte ist die Chefin. Als der geschiedene Sohn seine neue Lebensgefährtin, Katrin (Ulrike C. Tscharre), in den Betrieb holt, wittert Charlotte eine Verschwörung: Sie ist überzeugt, dass die beiden sie rausdrängen wollen. Katrin, gelernte Krankenschwester, erkennt die Symptome, aber die stolze Patriarchin hält die vorsichtigen Hinweise für einen Teil des Komplotts.

    Geschickt vermeidet Näter, dass „Stiller Abschied“ Züge einer verfilmten Krankengeschichte annimmt. Ähnlich wie bei den anderen Werken gibt es sogar witzige Momente: Als Charlotte vom Einkaufen nach Hause fährt, taucht plötzlich ein riesiger Hund im Rückspiegel auf; sie ist ins falsche Auto gestiegen. Es handelt sich um das gleiche Modell, weshalb der Vorfall zunächst wie ein skurriler Zufall anmutet, und da Hörbiger die ältere Dame mit ihrer aus vielen ihrer Rollen vertrauten stolzen Eigenwilligkeit versieht, ist durchaus nachvollziehbar, dass gerade ihr Sohn die Zeichen nicht erkennen will. Dank Baxmeyers Umsetzung sind Charlottes Ausfälle durchaus amüsant, ohne dass man sich auf ihre Kosten amüsieren würde. Überaus berührend sind zudem kleine Einfälle am Rande, die von großer Menschlichkeit zeugen: Als Charlotte in Pantoffeln ins Büro kommt, stellt ihr die Sekretärin wortlos die eigenen Schuhe vor die Tür. Glaubwürdig ist auch Näters Idee, dass erst die in Frankfurt lebende Tochter (Jeanette Hain) erkennt, wie weit Charlottes Niedergang bereits fortgeschritten ist. Ihren Sohn lässt die Mutter nicht mehr in die Wohnung, denn die Einrichtung ist über und über mit kleinen Klebezetteln bespickt; und auch dafür hat sie eine in ihren Augen völlig vernünftige Erklärung.

    Die ARD erweist Christiane Hörbiger mit „Stiller Abschied“ die Ehre: Am Tag vor der Ausstrahlung wird sie 75. Die Rolle ist ohne Frage ein wundervolles Geschenk, aber erst ihr großartiges Spiel macht einen großen Film daraus. Gerade dank ihres Charismas ist der Zerfall von Charlottes Persönlichkeit umso schockierender. Andererseits vermeidet ihre Darstellung jede Spekulation auf Mitleid. Wenn man dennoch berührt ist, dann vor allem wegen nachvollziehbarer Details wie einem Knoten im Taschentuch, den Charlotte verwirrt betrachtet. Einige Szenen sind allerdings großes, unbedingt preiswürdiges Schauspiel, etwa eine Spiegeleinstellung, in der Charlottes ganze Verzweiflung zum Ausdruck kommt, oder ihre zwar launige, aber gerade deshalb zu Tränen rührende Abschiedsrede. tpg.

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