Still Life

  1. Ø 0
   2006
Trailer abspielen
Still Life Poster
Trailer abspielen
Alle Bilder und Videos zu Still Life

Filmhandlung und Hintergrund

Still Life: Ein poetischer und gleichzeitig politischer Film über die desaströsen Folgen des Drei-Schluchten-Staudamms in China.

Der Minenarbeiter Han Sanming (Han Sanming) kehrt nach 16 Jahren in seine Heimat Fengjie am Jangtse zurück, um seine frühere Frau Missy ausfindig zu machen. Während seiner Zeit in den Bergen hat er von Chinas größtem Projekt, das seit 1993 läuft, nichts mitbekommen: Teile der Stadt werden abgerissen und geflutet. Während er sich als Arbeiter verdingt, findet er die Spur seiner Frau und Tochter, die irgendwo flussabwärts wohnen. Zur gleichen Zeit sucht die Krankenschwester Shen Hong (Zhao Tao) ihren verschollenen Mann.

Poetisch-politisches Drama, das zur stimmungsvollen Kontemplation über die desaströsen Auswirkungen des Drei-Schluchten-Staudamms einlädt. Der verursachte die Umsiedelung von einer Millionen Menschen und versenkte ganze Städte. Venedig vergab den Goldenen Löwen.

Ein Bergarbeiter macht sich auf den Weg zur früheren Frau und Tochter, die er seit 16 Jahren nicht mehr gesehen hat, und verdingt sich als Abrissarbeiter. Eine Frau sucht ihren seit zwei Jahren verschollenen Mann und trennt sich von ihm.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • „Still Life“ des chinesischen Regisseurs Jia Zhang-Ke hat 2006 den Goldenen Löwen in Venedig gewonnen. Die fast stummen Personen des Spielfilms wirken wie hypnotisiert von der Wucht der Abbrucharbeiten am Ort des Drei-Schluchten-Staudamms. Die Altstadt von Fengjie mit ihrer 2000-jährigen Geschichte wurde abgerissen, das noch lange nicht abgeschlossene Stauprojekt wird insgesamt über eine Million Menschen ihr Zuhause kosten. Auf einer der Fähren begrüßt eine weibliche Mikrofonstimme die Gäste und die Umsiedler. Denn wer hier zu tun hat, will entweder das chinesische Prestigeprojekt besichtigen, oder muss seine Wohnung räumen.

    Wie üblich dreht Jia Zhang-Ke mit ihm vertrauten Laiendarstellern. Sie blicken hier in langen Einstellungen oft auf das Chaos am Fluss. Mit dem Realismus einer Dokumentation folgt die Kamera dem orientierungslosen Han in eine Herberge, in der Abbrucharbeiter wohnen. Viele der Männer sind hier fern ihrer Familie, und Han wird bald schon von einer Kupplerin gefragt, ob er auch eine Frau suche. Käufliche Liebe ist hier überall zu bekommen, doch ist es für Männer auch nicht ungewöhnlich, sich selbst die Ehefrau zu kaufen.

    Jia Zhang-Ke macht die Zuschauer wie seine Hauptfigur zu Beobachtern, die mühsam Orientierung zu gewinnen versuchen. Anstatt einer Filmhandlung ist das Geschehen in unzählige kleine Szenen aufgesplittet. Die Suchenden erhalten allenfalls Tee oder eine hingeworfene Frage von Fremden, anstatt die erhofften präzisen Auskünfte. Doch in den Frust und die Ratlosigkeit mitten im Lärm und Staub der Abbrucharbeiten mischen sich allmählich Szenen der Erholung. Han genießt schließlich die Wohltat einer kleinen Feier: Beim Essen in der überfüllten Wohnküche verteilt er Zigaretten, und die wortkarge Gemeinschaft erlebt für ein paar Minuten Geborgenheit.

    Die Protagonisten suchen am Ufer des Flusses wie Außenseiter nach Stätten, an denen man kurz verweilen kann. Sie proben ein paar Schritte auf der Tanzgesellschaft für Ehrengäste des Stauprojekts, sie freuen sich über ein geschenktes Bonbon, das eine lange Wartezeit in einem Neubauviertel versüßt. Der Staudammbau ist hier nur ein Beispiel für den globalen Umbruch in China, der den Alltag zum Abenteuer macht. Auf sich selbst zurückgeworfene Menschen suchen ihren Platz in einer verwirrenden Umgebung.

    Jia Zhang-Ke verteilt großzügig Seitenhiebe auf die Einflüsse der westlichen Zivilisation. Handies und ihre Klingelmelodien werden in einer Zweier-Szene wie Fetische präsentiert. Ein junger Mann in Hans Unterkunft spielt in seinem Verhalten den Helden seiner Actionfilme, ein kleiner Junge singt mit Inbrunst Popmusik, bei der nur die Worte chinesisch sind. Auf der anderen Seite gibt es den ehrbaren Menschen, der Funde aus der alten Han-Dynastie ausgräbt, das traditionelle Bestattungsritual am Fluss, den Fleiß des bescheidenen Bergarbeiters.

    Fazit: Jia Zhang-Ke porträtiert mit dokumentarischer Härte und mit Sympathie für die Menschen den gesellschaftlichen Umbruch in China am Beispiel des Drei-Schluchten-Staudamms am Yangtze.
  • Ein poetischer und gleichzeitig politischer Film über die desaströsen Folgen des Drei-Schluchten-Staudamms in China und eine Metapher über den Untergang von Menschlichkeit in einem Land, das dem so genannten wirtschaftlichen Fortschritt Priorität einräumt.

    Damit hatte kaum jemand gerechnet. Der kurzfristig ins Wettbewerbsprogramm gehievte „Überraschungsfilm“ von Jia Zhang-Ke erhielt den Goldenen Löwen. Damit honorierte die Jury ein Werk der subtilen Töne, das sich jeglicher plakativer Dialoge oder Bilder verweigerte. Der Filmemacher, zum dritten Mal nach „Zhantai“ (Platform) und „Shi jie“ (The World) in Venedig und auch noch in der Sektion Orizzonti mit der Doku „Dong“ vertreten, nimmt die Bändigung des Yangtse durch den ökologisch umstrittenen Staudamm zum Anlass, nicht nur über die beschädigte Natur, sondern auch die beschädigten Seelen nachzusinnen. Ein Grund, der Zensurbehörde eine andere Version vorzulegen. Er wolle Filme über das Schicksal der einfachen Bevölkerung drehen, so der Ausgezeichnete. In der Endzeitatmosphäre der Ortschaft Fengijie, einem im Mai 2006 schon in den Fluten versunkenem Ort, laufen die Geschichten von zwei Paaren parallel: Ein Bergarbeiter macht sich auf den Weg zur früheren Frau und Tochter, die er seit 16 Jahren nicht mehr gesehen hat und verdingt sich als Abrissarbeiter. Auf der anderen Seite sucht eine Frau ihren seit zwei Jahren verschollenen Mann. Während sich das letzte Paar fast beiläufig trennt und die Scherben einer Liebe wie unbeteiligt wegfegt, versucht das andere Paar einen Neuanfang. Nur muss der Mann seine Frau, die bei einem Fährbesitzer wie eine Leibeigene die Schulden ihres Bruders abschuftet, frei kaufen. Die notwendigen 20000 Yuan will er unter gefährlichsten Bedingungen in der Mine verdienen. Melancholie und Tristesse schweben über dem Szenario des Untergangs, in dem Millionen ihrer äußeren und inneren Heimat beraubt werden. Die Auswirkungen des prestigeträchtigen Großprojekts sind zu spüren in den Beziehungen untereinander, in den Veränderungen im taglichen Leben derjenigen, die sozialen Halt und Wurzeln verlieren, auch ihre Identität und Überlebenskraft. Mit der Landschaft, die wie eine offene Wunde wirkt, verschwinden auch soziale und emotionale Bezüge und Gemeinschaften, ein Stück Tradition und Kultur. Das gibt dieser brisanten Geschichte eine politische Signalwirkung, die über das Private hinausgeht. mk.

News und Stories

Kommentare