St. Josef am Berg: Berge auf Probe

  1. Ø 0
   2017
St. Josef am Berg: Berge auf Probe Poster

Darsteller und Crew

Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Das ist ja mal ein völlig neuer Ansatz der ARD-Tochter Degeto: Patente Städterin zieht in die Alpen und muss erst mal einen Kulturschock verkraften. Die Einheimischen bleiben zunächst auf Distanz, aber dann gewinnt sie ihr Vertrauen und nimmt sogar eine besondere Rolle ein.

    Die Zahl der entsprechenden Filmreihen ist Legion und selbst dann noch kaum überschaubar, wenn man die Suche einschränkt und um die Variablen „deutsch“ und „österreichisch“ ergänzt, also „deutsche Städterin“ und „österreichische Alpen“; die Liste beginnt mit der zehnteiligen ARD-Reihe „Die Landärztin“ mit Christine Neubauer (2005 bis 2013) und ist mit „Hanna Hellmann“ (ZDF 2015) noch lange nicht zu Ende. Weil die Heldin umso strahlender wirkt, wenn sie einen schurkischen Gegenspieler hat, ist der Bösewicht in den Heimatfilmen seit einigen Jahren regelmäßig der Bürgermeister, dessen finstere Pläne sich meist um Luxushotels oder Golfplätze ranken. In „St. Josef am Berg“ von Autor Dirk Kämper (Idee: Volker Witte) wird das Szenario nur geringfügig variiert: Svea Classen (Paula Kalenberg), IT-Ingenieurin aus Stralsund und ziemlich schwanger, landet fast freiwillig im Salzburger Land (gedreht wurde im Rauristal). Hier befindet sich die Heimat ihres Mannes Peter Pirnegger (Sebastian Wendelin), und weil es ihn ganz arg zu seinen Wurzeln zurückzieht, lässt sie sich auf ein halbes Probejahr ein. Peters Vater Joseph (Harald Krassnitzer) ist hier der uneingeschränkte Herrscher: Dem Patriarchen gehört das größte Hotel und eine Ferienanlage, außerdem ist er Bürgermeister. Derzeit ist er drauf und dran, seinen Lebenstraum zu realisieren und aus der Gegend einen Naturpark zu machen. Die nötigen Stimmen des Gemeinderats hat er sich durch allerlei Gefälligkeiten erkauft. Seinen Sohn ködert er mit dem Posten des Chefveterinärs, Svea bringt er als Naturparkkoordinatorin im Bürgermeisteramt des Nachbarorts unter.

    Womöglich soll das Augenzwinkern Krassnitzers und Kalenbachs am Ende des Vorspanns signalisieren: alles nicht so ernst gemeint. Von Ironie könnte allerdings nur dann die Rede sein, wenn Kämper und Regisseur Lars Montag ihre vielfach völlig überzeichneten Charaktere tatsächlich als Parodien deklarieren würden. Sveas verwitwete Mutter (Anna Stieblich) zum Beispiel ist ihrer Tochter ins Salzburger Land gefolgt, fühlt sich in den Alpen wie ein Fisch auf dem Trockenen, kann mit dem „Heimatkram“ ohnehin nichts anfangen und leidet als Vegetarierin des Öfteren Hunger, weil der alte Pirnegger nicht nur ein Fleischfresser, sondern auch ein boshafter Mensch ist, der Bratensauce über ihr Gemüse gießt. Das ist zwar leidlich amüsant, aber deshalb noch keine Ironie, zumal Buch und Regie bis hin zur Bildgestaltung der Kapiteltrenner mit Panoramaflügen und Himmelsbildern beinahe sämtliche Heimatfilmklischees bedienen. Die Hochzeitsfeier mit Trachtenchor und „Prosit der Gemütlichkeit“ zum Beispiel ist purer Ernst, selbst wenn Svea mit liebevollem Spott von einem „Heidi-Programm“ spricht. Erträglich ist das alles nur, weil Paula Kalenbach die Hauptfigur mit viel Frische und Natürlichkeit verkörpert. Allein deshalb ist auch glaubhaft, dass Svea es am Ende des ersten Films als einzige wagt, dem Patriarchen die Stirn zu bieten, und von der Nachbargemeinde prompt zur Bürgermeisterin gekürt wird. tpg.

Kommentare