Filmhandlung und Hintergrund

Auch der zweite Film der ZDF-Reihe mit Heino Ferch als Kriminalpsychologe ist fesselnd und düster.

Ein Geiselnehmer nimmt sich vor den Augen Brocks das Leben. Er war Lehrer, auf seinem Schulcomputer sind Kinderpornos gefunden worden. Für die Polizei ist die Sache erledigt, für den Psychologen beginnt sie erst. Seine Recherchen führen ihn zum früheren Beichtvater des Toten. Kurz drauf wird der Priester von der Mutter des Toten erschossen: Er soll ihren Sohn missbraucht haben.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Spuren des Bösen: Racheengel: Auch der zweite Film der ZDF-Reihe mit Heino Ferch als Kriminalpsychologe ist fesselnd und düster.

    Gute Autoren geben nie von Anfang an alles preis; weder über ihre Geschichten noch über ihre Figuren. Nur so gelingt es, ein Interesse zu wecken, das nicht nach spätestens neunzig Minuten wieder erlischt.

    Martin Ambrosch hat diese Maxime in seinem Drehbuch zu dem Thriller „Spuren des Bösen“ perfekt beherzigt; auch im zweiten Film der losen Reihe deutet er mehrfach an, dass noch längst nicht alle Geheimnisse rund um den Wiener Verhörspezialisten Richard Brock gelüftet sind. Gleiches gilt für die Handlung. Versierte Krimifreunde mag zwischendurch die eine oder andere Ahnung beschleichen, doch der ungeheuer dicht inszenierte Film (Regie auch diesmal: Andreas Prochaska) entwickelt sich mehrfach ganz anders, als man denkt. Und der von Heino Ferch gewohnt zurückgenommen, aber mit großer Intensität verkörperte Kriminalpsychologe ist zwar zweifelsohne das Zentralgestirn der Geschichte, aber weil die anderen Figuren gleichfalls ihre Geheimnisse haben, bleiben sie ebenfalls bis zum Schluss interessant.

    Es spricht zudem für die Variabilität der Reihe, dass Ambrosch den zweiten Film in völlig anderer Umgebung angesiedelt hat. Beim Auftakt war relativ rasch klar, dass es um Korruption im Baugewerbe ging; die Frage war nur, wie es Brock gelingen würde, seinen raffinierten Gegenspieler zu überlisten. Der zweite Fall dagegen ist zunächst überhaupt keiner. „Racheengel“ beginnt mit einer packend inszenierten Verfolgungsjagd, die in einer Buchhandlung endet. Der Gejagte nimmt die Kunden, unter ihnen auch Brock, als Geiseln. Der Versuch des Psychologen, zur Deeskalation beizutragen, scheitert; der Geiselnehmer erschießt sich vor seinen Augen. Der Mann war Lehrer, auf seinem Schulcomputer sind kinderpornografische Bilder gefunden worden. Für die Polizei ist die Sache nach dem Motto „Ein Kinderschänder weniger“ erledigt, für Brock beginnt sie erst, zumal er rausfindet, dass sich der Mann angeblich bereits als Neunjähriger umbringen wollte. Seine Recherchen führen ihn zum früheren Lehrer und Beichtvater (Bernhard Schir) des Toten. Der pessimistische Priester ergeht sich in düsteren Andeutungen, ist aber ans Beichtgeheimnis gebunden. Kurz drauf wird ihm sein Schweigen zum Verhängnis, als die Mutter (Hannelore Elsner) des Toten ihn erschießt: Er soll ihren Sohn missbraucht haben. Das hochemotionale Dickicht wird immer undurchsichtiger, zumal sich auch noch die Schwester (Ursula Strauss) des jungen Mannes an Brock ranmacht.

    Ambrosch reichert die ohnehin fesselnde Geschichte immer wieder durch reizvolle Details an. Das gilt nicht nur für die Beziehung Brocks zu seiner Tochter Petra (Sabrina Reiter), sondern gerade auch für die scheinbar von Abneigung geprägten Dialoge mit dem zuständigen Kommissar (Jürgen Maurer), der einst bei Brock studiert hat; auch dieser Seitenstrang nimmt später eine unerwartete Wendung, und das nicht nur, weil der Polizist ein Auge auf Petra wirft. Sehr hübsch sind zudem Brocks Gespräche mit dem Wirt seines Stammlokals: Der Mann beweist mit drei Sätzen mal eben die Existenz Gottes. Religion und Kirche spielen ohnehin eine große Rolle in diesem Film, zumal die Familie des Toten (den Vater spielt Friedrich von Thun) tief gläubig ist. Faszinierendste Figur bleibt dennoch der Psychologe, der mit der eigenen verletzten Seele eigentlich genug zu tun hätte. tpg.

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