Sophie Scholl - Die letzten Tage (2004)

Sophie Scholl - Die letzten Tage: Drama, das die letzten Tage der Widerstandskämpferin Sophie Scholl nach ihrer Festnahme im Februar 1943 aus deren Sicht zeigt.
Kinostart: 24.02.2005
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Sophie Scholl - Die letzten Tage Poster

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Filmhandlung und Hintergrund

Sophie Scholl - Die letzten Tage: Drama, das die letzten Tage der Widerstandskämpferin Sophie Scholl nach ihrer Festnahme im Februar 1943 aus deren Sicht zeigt.

Im Februar 1943 wird nach einer Flugblatt-Aktion gegen die Nazis und einer Anzeige durch einen Denunzianten die Münchner Studentin Sophie Scholl (Julia Jentsch) gemeinsam mit ihrem Bruder Hans (Fabian Hinrichs) von der Gestapo verhaftet. In den darauffolgenden Tagen vor Prozess und Hinrichtung entspinnt sich während verschiedener Verhöre ein Psycho-Duell zwischen Sophie und dem vorsitzenden Vernehmungsbeamten Robert Mohr (Alexander Held).

Nachdem Michael VerhoevensDie Weiße Rose” aus dem Jahre 1982 die familiäre Vorgeschichte und verschiedenen Widerstandsaktionen der Geschwister Scholl Revue passieren ließ, widmet sich Regisseur Marc Rothemund (“Die Hoffnung stirbt zuletzt”) nun den letzten Tagen im Nazikerker.

Im Februar 1943 werden die junge Studentin Sophie Scholl und ihr Bruder Hans bei einer Flugblatt-Aktion gegen die Nazi-Diktatur in der Münchner Universität verhaftet. Sophie wird tagelang von dem Gestapo-Beamten Robert Mohr verhört, bis sie sich mit ihrem Geständnis schützend vor die anderen Mitglieder der “weißen Rose” stellt und ihrem eigenen Todesurteil ausliefert.

Nach der Verteilung eines Flugblattes werden Sophie und Hans Scholl, Mitglieder der Untergrundbewegung “Weiße Rose”, in der Münchner Universität verhaftet. Drei Tage lang steht das junge Mädchen daraufhin dem Vernehmungsbeamten Robert Mohr Rede und Antwort. Erst langsam wird sich Sophie Scholl ihrer Bedeutung als Leitfigur des Widerstands bewusst, nimmt vom unbeschwerten Studentenleben Abschied und geht erhobenen Hauptes in den Todestrakt der Haftanstalt Stadelheim, wo man sie am 22. Februar 1943 hinrichtet.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Nach „Der Untergang“, „Der Neunte Tag“ und „Napola“ nun der vierte große deutsche Nazi-Film in Folge. Es stellt sich die Frage, warum diese Thematik zur Zeit besonders „in“ ist. All diese Filme sind außerordentlich gut besucht, „Der Untergang“ sogar für den Oscar nominiert. Sicherlich sind diese Werke von hoher filmischer Qualität. Besonders zu dieser schwierigen Thematik wird in der Produktion darauf geachtet, dass kein Pfusch gedreht wird.

    Allerdings ist das nicht der alleinige Grund des Erfolgs. Der Nationalsozialismus ist nach wie vor ein Reizthema. Ein Medienprodukt auf dem Hakenkreuze abgebildet sind oder Hitler steht, verkauft sich deutlich besser, weil das Interesse hieran nicht endet. Zudem besteht 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder das verstärkte Bedürfnis, sich mit der dunklen Vergangenheit Deutschlands auseinander zu setzen. Einerseits, um diese nicht zu vergessen, denn die Generation, die die Schrecken des Nationalsozialismus miterlebt hat, stirbt aus. Andererseits, weil es gerade dadurch auch möglich wird, die Thematik ungezwungener und aus neuen Blickwinkeln zu betrachten, die Nazigeschichten zu entmystifizieren. „Der Untergang“ versuchte dies durch die außergewöhnliche objektive Darstellung Hitlers als psychisch kranken Menschen und nicht als „das Böse“.

    „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ ist „Der Untergang“ aus Opfersicht. Ebenso akribisch wie dramaturgisch ansprechend wurde anhand von Protokollen und Aufzeichnungen versucht, die letzten Tage ihres Lebens zu rekonstruieren.
    Mühevoll vervielfältigen die Mitglieder der „Weißen Rose“ ihre maschinengeschriebenen Flugblätter, trotz Materialknappheit und allen Widrigkeiten. Begleitet von tiefen Bässen und opulenter Musik rennen Hans und Sophie durch das Universitätsgebäude und legen ihre Flugblätter kurz vor Vorlesungsende ab – ihr Puls rast. Anstelle eines Last-Minute-Rescue, laufen die Geschwister Scholl jedoch immer in letzter Sekunde ins Verderben, sowohl bei ihrer Festnahme an der Universität als auch beim Verhör vor der Gestapo. Ihr bewegendes Schicksal hat eine äußerst tragische Dramaturgie.

    Gleichermaßen fasziniert Sophie Scholls beinahe unnatürlich heldenhafte Stärke. Nur nach der Anbahnung ihres Todesurteils und dem Abschied von ihren Eltern bricht sie kurz in Tränen aus, doch sie will vor den Nazis keine Schwäche zeigen. Julia Jentsch verkörpert ihre Rolle virtuos. In Nahaufnahmen von ihrem Gesicht scheinen ihre Augen die Gefühle von Sophie Scholl widerzuspiegeln. Julia Jentsch hat es offenbar geschafft, sich vollkommen mit ihrer Figur zu identifizieren und somit unter der Maske von Emotionslosigkeit und Unschuld dennoch Sophie Scholls seelische Verfassung darstellen zu können.

    Im Verhör gibt sich Sophie Scholl ruhig und selbstbewusst. Sie spielt ihre Rolle so überzeugend, dass ihr der Beamte Mohr beinahe Glauben schenken will. Als die Beweise zunehmend gegen die Geschwister Scholl sprechen, wandeln sich die Dialoge bald in moralische und weltanschauliche Diskussionen zwischen den beiden. Diese verdeutlichen die uneinsichtige Weltanschauung des Gestapobeamten, sowie auch die klare Weitsicht Sophie Scholls. „Bald werden Sie hier stehen, wo wir jetzt stehen“, gibt Sophie dem Gerichtshof als letzte Worte mit auf den Weg. Eine Aussage, die sich zwei Jahre später bewahrheiten sollte. Erschreckend stellt der Film dar, wie viel die Bevölkerung von den Greueltaten der Nazis 1943 bereits wissen konnte – wenn sie der Wahrheit ins Auge blicken wollte.

    „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ mündet im Unvermeidlichen. Noch einmal kann Sophie das Sonnenlicht sehen und von der erstrebten Freiheit träumen, dann mündet der Film in einer steril-grotesken, kubrickhaften Ästhetik. Den bisher ruhigen Einstellungen im Gefängnis tritt nun eine hilflos verwackelte Handkamera entgegen. Es ist vorbei. Trotz Sophie Scholls Ende arbeitet die „Weiße Rose“ weiter und schürt Widerstand gegen den totalen Krieg, der noch viel länger geführt wurde, als jemals befürchtet.

    Fazit: Ein packendes und bewegendes Drama.
  • Marc Rothemund inszenierte die letzten sechs Tage im Leben der Widerstandskämpferin Sophie Scholl im Februar 1943 als strenges und bewusst schmuckloses Drama, beobachtet aus der Perspektive der Protagonistin, unbedingt an historischen Fakten und Original-Vernehmungsprotokollen orientiert und mit einem beeindruckend unverkrampft agierendem jungen Ensemble.

    Mit Michael Verhoevens “Die weiße Rose” (mit Lena Stolze in der Rolle der Sophie Scholl) und Percy Adlons “Fünf letzte Tage” (beide aus dem Jahr 1982) wurde die Geschichte einer der wenigen Heldinnen der deutschen Geschichte bereits zweimal verfilmt. Letzterer konzentrierte sich bereits ganz ähnlich Rothemunds Ansatz auf das kammerspielhafte Drama um Scholls letzte fünf Tage vor ihrer Hinrichtung, allerdings aus der Sicht ihrer Zellengenossin. Verhoeven zeigte dagegen die Geschichte der Widerstandsgruppe bis zum Februar 1943. Rothemund beginnt nun dort, wo Verhoeven endet – mit der Verhaftung der Geschwister Scholl nach deren Flugblatt-Aktion im Lichthof der Münchner Uni – und endet (unter Voraussetzung der Kenntnisse der Zeitgeschichte) mit der Hinrichtung der Scholls. Dazwischen liegen Verhöre bei der Gestapo und ein Psycho-Duell zwischen Sophie und dem Vernehmungsbeamten Robert Mohr (gespielt von Alexander Held).

    Die Rededuelle zwischen Scholl und Mohr wie auch jenes zwischen Scholl und Richter Roland Freisler (André Hennicke mit einer an Bruno Ganz in “Der Untergang” fast heranreichenden Performance) auf der Anklagebank basieren auf Vernehmungsprotokollen und Zeugenaussagen. Über weite Strecken ist “Sophie Scholl – Die letzten Tage” so mit kammerspielartiger Inszenierung zum Teil an Originalschauplätzen eine asketische Personenstudie, die zwangsläufig Vergleiche mit Romuald Karmakars “Der Totmacher” wachruft. War es dort die spannende Sezierung der Psyche eines Mörders, macht das Duell zwischen Angeklagter und Kläger hier deutlich, wie einer starken, jungen und lebenslustigen Studentin die Folgen ihres Handelns immer bewusster werden, wie sie erst zu diesem Zeitpunkt zu der Heldin wird, als der man sich heute ihrer erinnert. Während am Ende zwar ihre Angst vor den Konsequenzen wächst, gewinnt damit gleichzeitig auch ihr Rechts- und Pflichtbewusstsein gegenüber ihrer Überzeugung an Bedeutung, sodass sie mit dem Wunsch, ein Zeichen zu setzen, in den Tod geht.

    Ihrer Figur Menschlich- und Glaubwürdigkeit zu verleihen, gelingt Julia Jentsch in jedem Moment ihrer beeindruckenden Darstellung -ganz besonders im letzten Drittel des Films, wenn Sophie aus dem Gerichtssaal in den Todestrakt gelangt und allein mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert wird. Vor allem diese Momente tragen der emotionalen Intensität und der Konzentration auf die inneren Konflikte der Protagonisten der Inszenierung Rechnung, wobei Rothemunds Umgang mit dem historischen Stoff bei aller Schwere und Präzision beeindruckend unverkrampft bleibt und dennoch einen angemessenen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, als Film wider das Vergessen, der sich nur in wenigen Momenten ganz betont Licht gönnt und doch bei aller Beklemmung auch hoffnungsvoll ist. deg.

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