Sommer vorm Balkon (2005)

Sommer vorm Balkon: Tragikomödie von Andreas Dresen um zwei Freundinnen, die in einem heißen Sommer in Berlin nach dem "Richtigen" suchen.
Kinostart: 05.01.2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Sommer vorm Balkon: Tragikomödie von Andreas Dresen um zwei Freundinnen, die in einem heißen Sommer in Berlin nach dem "Richtigen" suchen.

Wenn im heißen Berliner Sommer der Tag zur Neige geht, sitzen die Freundinnen, Singles und WG-Nachbarinnen Nike (Nadja Uhl) und Katrin (Inka Friedrich) gern bis tief in die Nacht auf dem Balkon und erörtern bei reichlich Wein ihre Probleme mit den Männern. Katrin, die arbeitslose Mutter eines Zwölfjährigen, fürchtet, bald zu alt für Jobsuche und Beziehungsmarkt zu sein. Nike dagegen scheint in Trucker Ronald (Andreas Schmidt) gerade den idealen Typ gefunden zu haben.

Romantische Großstadtpoesie gut ausgependelt zwischen leichtfüßiger Heiterkeit und einer Prise grimmigem Realismus in einer Beziehungsdramödie von Andreas Dresen.

Nike und Katrin wohnen im gleichen Haus am Prenzlauer Berg. Auf Nikes Balkon süffeln sie abends Rotwein und parlieren über Sehnsüchte und Wünsche. Katrin sucht einen Mann und Vater für ihren Sohn, Nike einen Kerl, der zugreifen kann. Der kommt in Gestalt des Trucker-Fahrers Ronald und nistet sich bald bei ihr ein. Katrin verguckt sich derweil in den Apotheker gegenüber und ist sauer, dass Ronald ihre Beziehung zur Freundin stört.

Nike und Katrin wohnen im gleichen Haus am Prenzlauer Berg. Auf Nikes Balkon trinken sie Wein und träumen vom Traummann. Einem, der der alleinerziehenden Katrin unter die Arme greift. Einem, der der mobilen Altenpflegerin Nike zur Hand geht. Und tatsächlich kreuzt da der Trucker Ronald ihren Weg. Ein schlaksiger, leicht proletarischer Schweiger, der schon bald in Nikes Bett liegt. Plötzlich sind die Freundinnen keine so guten Freundinnen mehr. Katrin trinkt mehr als ihr gut tut und landet nach einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    (...) Was Regisseur Andreas Dresen und Autor Wolfgang Kohlhaase mit "Sommer vorm Balkon" auf die Leinwand zaubern, das ist ein absoluter Glücksfall im deutschen Film: Große Gefühle, kleine Schwächen, Glück und Schmerz, Trauer und Hoffnung - alle Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins in einer kleinen, überschaubaren Lebens-Oase am Prenzlauer Berg in Berlin. Und dies erzählt mit großer Intensität, mit Wärme und Herz, aber auch mit einer realistischen Echtheit, die Gültigkeit über die Grenzen Berlins hinaus hat und Identifikation für alle Menschen im Kino bietet.

    Kurzum: "Sommer vorm Balkon" ist eine jener seltenen Filmperlen, in der sozusagen universell die Welt sich spiegelt, das Menschen-Dasein, die ganze "condition humaine". "Sommer vorm Balkon" besitzt die Magie, sein Publikum zu verzaubern, es geradezu fröhlich zu entlassen - und das, obwohl der Film keine düsteren Winkel scheut, obwohl er dramaturgisch so manches tragisch-tiefe Tal durchquert.

    Wir "erleben" zwei Freundinnen im wahrsten Sinne des Wortes. Beide wohnen im gleichen Wohnhaus am Prenzlauer Berg, Katrin ganz unten und Nike ganz oben - mit Balkon.

    Einen heißen Berliner Sommer lang ist dieser Balkon ihr abendlicher Ort für Herz und Schmerz, Lachen und Weinen, für Träume und Sehnsüchte.

    Viel erfährt der Zuschauer im Laufe des Films von der Vita der beiden Protagonistinnen. Schön und schonungslos zugleich ist der Ausblick in das durch Arbeitslosigkeit und Scheidung gestörte Familienleben von Katrin und in die liebevoll und aufopferungsvoll engagierte Pflegearbeit von Nike. Zutiefst human ist hier der Film, dabei manchmal atemberaubend realistisch. Alte, pflegebedürftige Menschen hat ein Spielfilm auf solche Art noch nicht gezeigt. Unerschrocken realitätstüchtig ist die Inszenierung hier, gleichzeitig bewundernswert sensibel. (...)

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Es ist Sommer in Berlin, und Katrin und Nike sind das, was in Frauenkreisen beste Freundinnen genannt wird. Ihr ungeordnetes Leben verläuft in geordneten Bahnen: sie leben in einer Gesellschaft der Individuen, der Einzelgänger, auch der Einsamen. Nike arbeitet als Altenpflegerin, zu ihrem Job darf keinesfalls gehören, den Alten menschliche Zuwendung zu schenken. Vorlesen ist tabu, sie hat genau eine dreiviertel Stunde Zeit für die körperliche Pflege. Dass Nike dabei ein buntes Top und enge rosa Hosen trägt, aus denen der Stringtanga herauslugt, wirkt seltsam, aber gar nicht wirklich deplaziert: Jeder ist anders, jeder ist fremd. Und wenn sich zwei näherkommen, tun sie es als Fremde.

    Katrin, die alleinerziehende Mutter auf Arbeitssuche, kommt eigentlich aus Freiburg, und manchmal gehen der schwäbische und der Berliner Dialekt ineinander über, ihre früheren Wurzeln überlagern die späteren. Sie sucht einen Mann, der zu Sohn Max passt. Nike sucht lediglich einen Mann, der zu ihr passt…

    Anhand der kleinen Geschichte der zwei Freundinnen blickt Andreas Dresen auf die Gesellschaft – nicht in der Form eines glatten Spielfilms wie in „Willenbrock“, auch nicht in der freien Improvisation von „Halbe Treppe“, sondern mit Handkamera und scheinbar spontanen Dialogen, in kleinen Rollen auch mit Laiendarstellern, aber immer stilisiert innerhalb der offenen Form. Aus dem Material, das wie nebenbei gefilmt wurde, schafft es Dresen, seinen Film auf den Punkt zu bringen, Kleinigkeiten ins Bild zu setzen, witzig zu straffen, ohne dem Film falsche Komik aufzudrücken. So wirken seine Figuren echt, das Geschehen authentisch – wie im wirklichen Leben geschieht nicht viel, nichts Weltbewegendes – und doch ist das wenige, das passiert, die Welt für Dresens Charaktere.

    Die Freundschaft zwischen Katrin und Rike wird auf die Probe gestellt, als Nike eine Beziehung mit Ronald eingeht, ein Trucker, ein Macho, kein großer verbaler Ficker, aber doch so männlich. Ihr Verhältnis beruht auf Sex, das ist beiden klar, und da macht es auch nichts, dass Nike immer Ronald mit Roland verwechselt oder dass sich Ronald wie ein Arsch benimmt – eben zwei Fremde, die sich auf Zeit gefunden haben.

    Mit Gespür für witzige Details setzt Dresen die Beziehungsdynamik zwischen Nike und Ronald und der sich ausgegrenzt fühlenden Katrin in Szene, und er trifft einen wahrhaftigen Ton im latenten Alkoholismus von Katrin, der ihr einen Krankenhauskuraufenthalt beschert: Vielleicht ist ihr kleinen Leben nur so zu bewältigen, mit beschwipsten Abenden mit der Freundin auf dem Balkon, Abende, die Vertrautheit schenken, die die schlummernde innere Verzweiflung überdecken, an denen das weitere Leben geplant werden kann. Und wenn der Plan auch nur ist, einmal zusammen baden zu gehen. Denn das Leben, soviel ist sicher, das Leben geht weiter, wie in den vielen Schlagern, die den Film durchziehen, die das kleine Glück versprechen, das immer wieder von Neuem vor der Tür steht: „Guten Morgen Sonnenschein“, „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, „Ich liebe das Leben, das Karussell wird sich weiterdrehn, auch wenn wir auseinandergehn.“

    Fazit: Ein schöner, tragikomischer, sozial sehr genauer Film über Freundschaft und das kleine Leben im großen Berlin.
  • In einem heißen Sommer in Berlin versuchen zwei Freundinnen ihr Leben neu zu ordnen, vor allem in der Liebe. Denn die “richtigen” Männer entpuppten sich in Andreas Dresens bezaubernd-zärtlicher Betrachtung des Single-Lebens als Fehlgriffe.

    Die Kombination von Regisseur Andreas Dresen mit seiner Sensibilität in der Figurenzeichnung und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhase (erhielt in San Sebastian eine “Silberne Muschel”) mit seinen treffenden Dialogen ist ein Glückstreffer, die Arbeit dieses Gespanns sollte öfter im Kino zu sehen sein. “Sommer vorm Balkon” hat nämlich all das, was eine gute Komödie auszeichnet: eine Portion hinreißenden Humor, ein Quentchen Traurigkeit, eine Prise Hoffnung und wunderbare Darsteller, die sich durch die Höhen und Tiefen des ganz normalen Lebens kämpfen, von einer Verzweiflung in die andere stolpern und beim Auszählen bei Neun wieder aufstehen. Nike (Nadja Uhl) und Katrin (Inka Friedrich) wohnen im gleichen Haus am Prenzlauer Berg. Auf Nikes Balkon süffeln sie abends Rotwein und parlieren über Sehnsüchte und Wünsche. Katrin sucht einen Mann und Vater für ihren Sohn, Nike einen Kerl, der zugreifen kann. Der kommt in Gestalt des Trucker-Fahrers Ronald (Andreas Schmidt)und nistet sich bald bei ihr ein, fein gedeckten Frühstückstisch und frisch bezogene Bettwäsche inklusive. Katrin träumt derweil vom Apotheker gegenüber und ist sauer, dass Ronald ihre Beziehung zur Freundin stört. Resultat des Frustes: ein exzessiver Disco-Abend, eine Fast-Vergewaltigung und Klinikeinlieferung wegen Alkoholvergiftung. Wenn die Sonne Ende des Sommers schon tief steht, sitzen die Mädels wieder gemeinsam auf dem Balkon – immer noch verletzlich, aber ein bisschen realistischer, ein wenig pragmatischer. Das Leben als Rohschnitt. Man möchte dem Trio immer weiter zusehen, wie es sich in falsche Vorstellungen verrennt und sich am Vorläufigen festklammert. Weitab vom Gefälligkeitskino wird hier die ganze Palette der Gefühle mit einer Träne im Knopfloch herunterbuchstabiert. Da sind diese kleinen, kostbaren Momente der Wirklichkeit – wenn Inka heulend ihren Ex anruft oder ein völlig absurdes Bewerbungstraining besucht, Nike als Helferin in der Altenpflege einer betagten Lady aus dem Romheft vorliest oder – ganz gegen ihre burschikose Art – einen Bettlägerigen mit sympathischer Achtung reinigt. Dresen zeigt Menschen, die probieren, mit ihrer Einsamkeit klarzukommen und sich im sozial-kalten Dschungel durchschlagen. Liebe ist hier kein Fehlversuch, sondern der immer neue und ehrliche Versuch, die Gefühlskatastrophen ohne größere Blessuren zu überstehen. Ein zusätzlicher Trumpf ist die herrlich-kitschige, aber passende Schlagermusik, wenn Marianne Rosenberg trällert “Er gehört zu mir” oder Nana Mouskouri mit frisch-munterem “Guten Morgen Sonnenschein” das Geschehen begleitet und leicht karikiert. Auf Flügeln gleiten wir nach dieser Lektion in Sachen Lebensmut in die Realität und wollen sie anpacken. Mit aller Kraft. Deutsches Kino, so schön wie lange nicht. mk.

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