Filmhandlung und Hintergrund

Ein Kumpel aus dem ostdeutschen Kalibergbau macht sich im Vorruhestand auf in den Süden der USA, zu den Wurzeln der Zydeco-Musik, die es ihm angetan hat.

Der früh pensionierte Volksmusikant Schultze (Horst Krause) hat Grund zur Freude:Eine vom Verein organisierte Reise in die texanische Partnerstadt New Braunfels, wo es beim alljährlichen Wurstfest aufzuspielen gilt, bietet eine willkommene Abwechslung vom Kleinstadteinerlei. Da es in New Braunfels aber kaum minder spießig als im heimischen Teutschenthal zugeht, begibt sich Schultze solo und ohne sonderlichen Plan auf eine ganz eigene und letztlich sehr erfüllende Reise durch den Süden der Vereinigten Staaten.

Der Weg ist das Ziel in dieser entspannten, ebenso wortkargen wie bildgewaltigen Kulturreise eines kleinen Mannes in ein fernes Land. Dokumentarfilmer Michael Schorr („ferner liefen“) zeigt sich auf der Höhe seiner Kunst sehr experimentierfreudig.

Im anhaltinischen Teutschenthal möchte wohl niemand sein Leben oder gar seinen Lebensabend verbringen. Nach der Frühpensionierung macht sich deshalb Schultze auf ins ferne Texas, um für seinen Volksmusikverein auf dem Wurstfest in New Braunfels aufzuspielen. Die merkwürdige Reise führt ihn bis in die Sümpfe und Bayous von Louisiana.

Als Kalibergbaukumpel Schultze mit seinen beiden Freunden Jürgen und Manfred in den Vorruhestand geschickt wird, befällt sie die große Langeweile. Man frönt dem Schnaps, streitet sich beim Schach, geht Angeln und versucht, die Zeit totzuschlagen. Da darf der leidenschaftliche Ziehharmonika-Spieler Schultze nach Texas, genauer gesagt in die Partnerstadt New Braunfels reisen, um dort beim traditionellen Wurstfest aufzuspielen. Der Beginn einer spirituellen wie realen Reise, die den Rentner bis in Louisianas Sümpfe führt.

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Darsteller und Crew

  • Michael Schorr
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  • Horst Krause
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  • Harald Warmbrunn
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  • Karl-Fred Müller
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  • Ursula Schucht
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  • Hannelore Schubert
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  • Wolfgang Boos
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  • Rosemarie Deibel
    Rosemarie Deibel
  • Wilhelmine Horschig
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  • Alozia St. Julien
    Alozia St. Julien
  • Anne v. Angelle
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  • Leo Fischer
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  • Loni Frank
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  • Elke Rümmler
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  • Marylu Poolman
    Marylu Poolman
  • Ilse Holtmann
    Ilse Holtmann
  • Eva Bodnar
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  • Hans-Peter Rößiger
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  • Gunnar Schlafmann
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  • Volker Rößiger
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  • Kerry Christensen
    Kerry Christensen
  • Raimond Darilek
    Raimond Darilek
  • Freddie Hirsch
    Freddie Hirsch
  • Chris Pilat
    Chris Pilat
  • Richard Gaerkner
    Richard Gaerkner
  • Frances Pilat
    Frances Pilat
  • Charles Pilat
    Charles Pilat
  • Kirk Guidry
    Kirk Guidry
  • Danielle Krause
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  • Carl
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  • Axel Schneppat
    Axel Schneppat
  • Tina Hillmann
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  • Thomas Wittenbecher
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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Nichts sei so traurig wie die Gesänge deutscher Rentner, wenn sie zuviel getrunken hätten, schreibt Michel Houellebeq in „Plattform“ und meint Männer wie Schultze. Männer wie Schulze, das sind resignierte, stoische Typen, die sich niemals über irgendetwas beklagen würden. Ihr größtes Glück ist die bierselige Geselligkeit. Die wenigen Worte, die sie sprechen, verraten nichts über ihre Sehnsüchte und ihre Traurigkeit. Deswegen muss „Schultze Gets the Blues“ ein Musikfilm sein, denn nur durch die Zwiesprache mit der Musik lässt sich Schulze charakterisieren.

      So trostlos wie die vom Tagebau verwüstete Landschaft der Lausitz kommt Schultze einem auf den ersten Blick vor. Horst Krause gibt den Schulze mit einer solchen Genauigkeit und Hingabe, wertet diese deutsche Karikatur mit so viel Leben auf, dass die sie als Mittelpunkt einer poetischen Erzählung funktioniert. Eine poetische Erzählung, die ganz unspektakulär in Gang kommt: ein Dreh am Einstellknopf des Küchenradios, und Schultzes Welt erwacht nach jahrzehntelanger Erstarrung. Kein Schicksalsschlag, kein spektakuläres Ereignis, nur ein Dreh am Einstellknopf. Unbekannte Töne verheißen eine Welt jenseits der vertrauten Lausitz. Dadurch spricht eine deutliche Botschaft: Man muss das eigene Glück erkennen, es ist bloß einen Steinwurf entfernt. Man kennt einen solchen romantischen wie naiven Standpunkt schon in „Die zauberhafte Welt der Amélie“ gesehen.

      Anders aber als „Amélie“, gleitet Michael Schorrs Debütfilm nie ab in den Glauben an eine metaphysische Welt, die den meisten Menschen verborgen bleibt. Vielmehr räumt er einem Jedermann wie Schultze ein, Sinnlichkeit und Freude auch in einem tristen Leben zu finden. Es ist ein Wunder, doch nicht unmöglich. Natürlich ist auch dies ein romantischer Standpunkt. Doch schwulstig oder kitschig wird „Schultze Gets the Blues“ zu keinem Zeitpunkt. Alexander Schneppats Kamera findet immer wieder wunderbar skurrile Perspektiven, die in ihren besten Momenten an Kaurismekis „Leningrad Cowboys“ erinnern. Bisweilen entlarven Schneppats Bilder die Welt, wie der Mensch sie sich schuf, als ein absurdes und sonderbar komisches Konstrukt. Dieser leise Humor der Bilder macht viel der besonderen Qualität von „Schultze Gets the Blues“ aus. Die mit liebevollem Blick trostlos arrangierte Ausstattung der Szenen wie auch die eigentümliche Akkordeonmusik unterstreicht die melancholische Atmosphäre dieses hinreißenden Films. Da stört es auch nicht, dass der im Titel versprochene „Blues“ im Film überhaupt keine Rolle spielt. „Schultze Gets the Blues“ wurde in Venedig 2003 verdient mit dem goldenen Löwen für den besten Film ausgezeichnet.

      Fazit: Eine poetische und sehr filmische Erzählweise sowie der umwerfend gute Horst Krause als Schultze machen den Film zu einem so unterhaltsamen wie bewegenden Erlebnis.
    2. Schultze Gets the Blues: Ein Kumpel aus dem ostdeutschen Kalibergbau macht sich im Vorruhestand auf in den Süden der USA, zu den Wurzeln der Zydeco-Musik, die es ihm angetan hat.

      Im anhaltinischen Teutschenthal möchte wohl niemand sein Leben oder gar seinen Lebensabend verbringen. Nach der Frühpensionierung macht sich deshalb Schultze auf ins ferne Texas, um für seinen Volksmusikverein auf dem Wurstfest in New Braunfels aufzuspielen. Die merkwürdige Reise führt bis in die Sümpfe und Bayous von Louisiana. Freunde abseitigen Humors und einer fast altmodischen Schrulligkeit kommen hier auf ihre Kosten.

      Gegen den Mainstream schwimmen die Beiträge in der Venedig-Reihe „Controcorrente“ mit neuen Formen, und da ist diese schräge Geschichte durchaus gut aufgehoben. Michael Schorr kommen seine Dokumentarfilmerfahrungen (u.a. „Fisch Meer Blues“ und „ferner liefen“) zugute, denn er mischt in diesem Spielfilm Realität und Fiktion, bezieht die Menschen der Region mit ein, lässt Laien neben Profis auftreten.

      Die Handlung ist eher minimalistisch: Protagonist Schultze wurde mit seinen zwei Kumpeln in den Vorruhestand geschickt und langweilt sich in dem kleinen Kaff zu Tode, früher arbeitete er unter Tage im Kali-Abbau, jetzt angelt der über Tage im nahen Fluss. Da trifft es sich gut, dass der örtliche Volksmusikverein das Angebot aus der texanischen Schwesterstadt New Braunfels erhält, einen der ihren zum bekannten Wurstfest („the ten day salute to sausage“)zu schicken, um dort aufzuspielen. Die Wahl fällt auf Schultze, auch wenn es den Vereinsmeiern etwas komisch vorkommt, dass der Hobby-Musiker plötzlich nicht mehr deftige Polka, sondern fremde klingende „Negermusik“ - sprich heiße Südstaatenklänge - aus dem Akkordeon zaubert. Schultze macht sich auf den Weg ins Land der unendlichen Möglichkeiten und muss feststellen, die Welt ist sehr klein. Auch in Texas und Louisiana malträtieren Provinzler am Wochenende den Tanzboden und fröhnen der Volkstümelei, nichts mehr für den Alten aus Sachsen-Anhalt, der einfach allein weiterzieht und sich mit ein paar Englischbrocken durchschlägt. Weggehen, um anzukommen.

      Es passiert relativ wenig. Die brillante Kamera (Axel Schneppat) folgt der nicht gerade geschwätzigen Hauptfigur auf der Suche nach irgendwas, und manchmal ähneln sich nicht nur die Freizeitgewohnheiten, sondern auch die Landschaften und skurrilen Gestalten, die in ihrer Kauzigkeit einem Kaurismäki-Film entsprungen sein könnten. Der massige Eigenbrötler ist zwar kein Sympathieträger, aber Horst Krause gibt ihm die notwendige Sturheit und Präsenz auf der Leinwand. Etwas Geduld sollten die Arthouse-Zuschauer allerdings mitbringen. mk.

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