Sag nicht, wer du bist!

  1. Ø 5
   2013

Sag nicht, wer du bist!: Ausgefeilter Psychothriller und Beziehungstango, den Kanadas Wunderkind Xavier Dolan eigenwillig zwischen den Polen Horror und Humor ansiedelt.

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Filmhandlung und Hintergrund

Sag nicht, wer du bist!: Ausgefeilter Psychothriller und Beziehungstango, den Kanadas Wunderkind Xavier Dolan eigenwillig zwischen den Polen Horror und Humor ansiedelt.

In der französisch-kanadischen Co-Produktion „Sag nicht, wer du bist“ muss  der junge Werbetexter Tom (Xavier Dolan) einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Sein Lebensgefährte Guillaume (Caleb Landry Jones)  ist verstorben und wird nun beerdigt. Tom macht sich auf die Reise aus der liberalen Großstadt Montreal in die kanadische Provinz, wo Anfeindungen gegenüber Homosexuellen an der Tagesordnung sind.

Auf der Beerdigung kommt es zur Konfrontation mit Guillaumes Mutter Agathe (Lise Roy), die noch nicht einmal wusste, dass ihr Sohn homosexuell ist und somit dem sowieso schon arg gebeutelten Tom ablehnend gegenüber steht. Die konservative Frau glaubte, ihr verstorbener Sohn sei glücklich mit seiner Arbeitskollegin Sarah (Evelyne Brochu) liiert und sie würde bald Großmutter werden. Diese Lebenslüge war jedoch nicht nur die Erfindung von Guillaume, sondern auch von dessen Bruder Francis (Pierre-Yves Cardinal), der immer noch alles daran setzt, die Homosexualität von Guillaume um jeden Preis vor seiner Mutter zu verbergen.

Francis zwingt Tom dazu, sich nicht als Lebensgefährte von Guillaume zu erkennen zu geben und droht dem mittlerweile völlig verunsicherten Mann unverhohlen mit physischer Gewalt. Tom bleibt nichts anderes übrig als mitzuspielen, doch bald macht er eine Entdeckung, die noch weit über das von Francis geforderte Versteckspiel hinausgeht. Er beginnt sich zu fragen, was für ein Mensch Guillaume in Wirklichkeit war und welche Geheimnisse er noch vor ihm verbarg.

„Sag nicht, wer du bist“ ist die Verfilmung eines gleichnamigen Theaterstücks von Michel Marc Bouchard und die fünfte Regiearbeit des kanadischen Schaupielers Xavier Dolan. Die Mischung aus Drama und Thriller feierte ihre Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2013.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • In "Sag nicht, wer Du bist!" übernahm Kanadas Wunderkind Xavier Dolan ("Herzensbrecher", "Laurence Anyways") einmal mehr Regie, Drehbuch, Schnitt, Kostüme, Co-Produktion und Hauptrolle. Während sich seine früheren Arbeiten rund um schwierige Familien- und Liebesbeziehungen drehten, schlägt er in der vierten von bislang fünf Regiearbeiten eine dunklere Richtung ein. Dieses Mal verfilmte Dolan keinen Originalstoff, sondern adaptierte Michel Marc Bouchards Theaterstück "Tom à la Ferme". Einst stand in ihm Lise Roy auf der Bühne stand, die in der Verfilmung erneut die Rolle der Mutter übernahm.

    Das Mutter-Sohn-Motiv, schon an Titeln wie "How I Killed My Mother" oder "Mommy" erkennbar, zieht sich als roter Faden durch Dolans Werk. Zwar handelt es sich bei Mutter Agathe dieses Mal um eine in Unkenntnis gehaltene Frau, doch reagiert die ansonsten nette Dame im Befehlston auf ihren Sohn Francis, der den Druck wiederum an Tom weitergibt. Stets schlägt das Psychogramm einer fatalen Abhängigkeit zwischen physischer Gewalt und einer Tangoeinlage im Stall neue Tonlagen an. Doch selbst bei dem Tanz handelt es sich in gewisser Weise um eine Art Machtkampf zwischen den beiden Männern.

    Schon der Einstieg mit einer langen Kamerafahrt über die Felder, unterlegt mit Gabriel Yareds Thrillerscore, etabliert ein Gefühl der Verunsicherung. Zu Beginn setzt Dolan bewusst auf Kontraste wie den Wechsel aus Handkamera und ruhigen Einstellungen, Nahaufnahmen und Totalen, Licht und Schatten. Mehrfach greift er zu ungewöhnlichen inszenatorischen Mitteln, da man anfangs die Gesichter der Charaktere nicht sieht und Handlungssprünge sowie irritierende Momente auftreten. Wundert man sich zunächst über Xavier Dolans blonde Strubbelmähne, korrespondiert dieser Look später bestens mit dem undurchdringbaren Maisfeld, worin eine plötzliche Verfolgungsjagd mündet.

    Dolan kombiniert Thrillerelemente, sarkastischen Humor und ambivalente Charaktere zu einem existenzialen Selbstfindungstrip. Die erste Hälfte dreht sich um das Tauziehen der beiden Männer zwischen Unterwerfung und Widerstand, wobei man sich fragt, ob Ton angesichts seines halbherzigen Fluchtversuchs eine masochistische Ader besitzt oder sich zu seinem Gegenspieler hingezogen fühlt. So wie der vermeintlich homophobe Francis zunehmend verletzliche Züge erkennen lässt, entwickelt sich Toms Farmaufenthalt zur Reise in die eigene Befindlichkeit. Gleichsam bricht Dolan damit die klaustrophobische Ausgangssituation des Vier-Personen-Stücks auf. Dass das Finale ebenfalls die Zuschauererwartungen unterläuft, gehört zu jenen Brüchen, mit denen der talentierte Filmemacher stets operiert.

    Fazit: "Sag nicht, wer Du bist" liefert eine verstörende, düstere Theateradaption über Hassliebe, Lügen und Einsamkeit mit Thrilleranklängen.
  • Kanadas Wunderkind Xavier Dolan triumphiert in diesem ausgefeilten Psychothriller als Regisseur und Hauptdarsteller.

    „Ich habe meine Mutter getötet“, „Herzensbrecher“, „Laurence Anyways“: Drei Filme, die Xavier Dolan als neuen Hoffnungsträger ins Weltkino katapultierten. Mit nur 24 Jahren präsentierte er 2013 beim Filmfestival in Venedig seinen vierten Spielfilm, einen dunklen Psychothriller nach dem Theaterstück von Michel Marc Bouchard. Der verstörende Blick in seelische Abgründe ist mehr als nur ein Film über Homosexualität,Unwahrheit und das perfide Spiel mit der Macht. Alle Figuren sind zutiefst beschädigt – die von Dolan gespielte blonde, an die 1980er Jahre erinnernde Titelfigur aus Montreal, die zur Beerdigung des Geliebten aufs Land fährt, die Mutter, die nicht weiß oder wissen will, dass ihr Sohn schwul war, der Bruder des Toten, der dem Fremden unmissverständlich klar macht, den Mund zu halten über seine Beziehung. Zwischen Tom und dem aggressiven Farmer baut sich ein von Virilität, Gewalt und Demütigung dominiertes Verhältnis auf, besteht eine unerklärliche gegenseitige Anziehung, die Peiniger und Opfer aneinander kettet.

    Mit diesem düsteren und reifen Meisterwerk an Andeutungen und Auslassungen, mit austariertem musikalischen Pathos von Gabriel Yared und großer emotionaler Spannung, beweist Dolan, dass er quer durch die Genres perfekt inszenieren kann, ohne seine typische Arglosigkeit und seinen eigenwilligen Stil zu verlieren. Nach und nach konstruiert er einen von der Realität abgeschotteten familiären Mikrokosmos, in dem der großstädtische Werbemanager den Hetero mimt, eine ganz neue Vergangenheit des Verblichenen samt „Freundin“ erfindet, die sogar anreist, um Tom einen Gefallen zu tun und die scheinbar ahnungslose Maman zu erfreuen. Identitätswechsel, Lügen und Illusionen, die bekannten Versatzstücken à la Hitchcock nutzt Dolan auf sehr individuelle Weise, setzt sie unkonventionell und brachial zusammen. Seine Methode, bei den Ikonen der Filmgeschichte Motive oder Effekte herauszupicken und sie dann ganz persönlich zu brechen, funktioniert auch hier wie die Mischung zwischen Horror und Humor, Kammerspiel und Komödie, wenn Tom und sein „Schwager“ einen Tango tanzen, ein alptraumhafter Mix von Erniedrigung und Erotik, Eigensinn und Sinnlichkeit, Zuneigung und Hörigkeit, der einem die Luft zum Atmen nimmt. Selten wurde der Resonanzraum von Liebe und Sex so erschreckend vermessen und erzählt. mk.
  • Xavier Dolan aus Quebec ist gerade mal 26 Jahre alt und hat bereits fünf Filme gemacht. Das Wunderkind heimste auf zahlreichen Festivals Preise ein und legte genau die Karriere hin, von der jeder Künstler nur träumen kann! Als Schauspieler sieht er so schön aus wie die klassischen Kinostars. Und genau wie im Film Noir lässt er schöne Menschen hässliche Dinge tun. Doch ist da etwas, hinter der Maske der Schönheit? Dolan hat ein Stück von Michel Marc Bouchard verfilmt, dass den Regeln eines klassischen Film Noirs folgt. Über 100 Minuten lang ist der Film - leider zu lang für einen Thriller, der Spannung erzeugen soll und auf den Punkt bringen. Dolan versucht sich zum ersten Mal mit einem Genre Film, interessiert sich dann aber doch letztlich vor allem für die sado-masochistischen Praktiken seiner beiden Hauptfiguren. - Gerade noch hat Francis (Pierre-Yves Cardinal) von einem Tanzkurs erzählt, den er mit seinem kürzlich verstorbenen Bruder besuchte, nun nimmt er den ehemaligen Partner des Verstorbenen, Tom (Xavier Dolan), mit in eine grosse Scheune und legt Musik auf. Tom muss mit ihm tanzen, eine Weigerung würde Francis nie akzeptieren. Beide gleiten durch den dunklen Raum, Francis führt und Tom ergibt sich - in jedem seiner Schritte liegt aber auch etwas Widerständiges. Francis, der vom Land kommt und Tom, der Grossstädter - ein gegensätzliches Paar. Beide ringen mit sich selbst, stehen zwischen einem Leben in absoluter Freiheit und der Angst vor dem eigenen Begehren. Agathe (Lise Roy), die Mutter des Toten, wollte nie etwas von einer Verbindung ihres Sohnes zu Tom wissen. Tom bleibt nichts übrig, als sich zu verstellen und die Lüge wird für ihn zur Wahrheit. Das ganze Leben auf der Farm gerät zur Scharade. Die Farm und Francis, mal umwerben sie Tom, dann wieder bedrohen sie ihn. Zwei Seelen wohnen in Tomas und Francis Brust: Der Sanftheit des Einen scheint die Brutalität des Anderen zu entsprechen. Mit seinen Attacken gegen Tom wirkt Francis aber manchmal verletzlicher als sein Opfer. Wer ist nun Täter, wer Opfer? Es lässt sich kaum noch trennen. Francis und Tom hassen einander, wobei jeder aber auch so sein will wie sein Gegenüber. Dann aber trifft noch Sarah (Evelyne Brochu) ein. Sie muss nun als Alibi Freundin für Tom herhalten und an dieser Stelle, beginnt Tom At The Farm uns mit seinen Längen zu strapazieren. Die verschiedenen Erzählfäden laufen aus dem Ruder, dem Film fehlt die nötige Struktur. Die Thriller Elemente wirken ungeschickt und unmotiviert, da helfen auch die wundervollen Bilder und die intensive Filmmusik nicht weiter. Warum verlässt Tom die Farm nicht einfach? In echten Krimis treffen die Figuren lächerliche Entscheidungen, die wir aber akzeptieren. Einem guten Thriller vergeben wir gern, dass er nicht realisitisch ist. Da Tom At The Farm sich als solcher aber gar nicht ernst nimmt, wirkt der Film merkwürdig unreal. Hinter der schönen Fassade fehlt die Leidenschaft, echte Spannung zu entfesseln! Dazu haben wir die stimmigsten Film Noir des World Cinemas zusammengestellt auf der Seite unserer Videothek cinegeek.de
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