Filmhandlung und Hintergrund

Intensives Drama um eine drogensüchtige junge Frau, die allen Widerständen zum Trotz ihr Kind bekommt. François Ozons reifste Arbeit seit "Unter dem Sand".

Mousse hängt an der Nadel genau wie ihre große Liebe Louis. Er stirbt an einer mit Valium gestreckten Überdosis Heroin, sie überlebt und erfährt im Krankenhaus von ihrer Schwangerschaft. Die bourgeoise Familie des Verstorbenen will eine Abtreibung. Sie weigert sich, will das Kind unbedingt bekommen und zieht sich in ein altes Landhaus an der Côte d’Azur zurück. Louis‘ schwuler Bruder besucht sie Monate später auf dem Weg nach Spanien und steht ihr bei.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Film von Francois Ozon hat nichts Warmes, obwohl sich der französische Regisseur den Wunsch erfüllte, zum ersten Mal mit einer schwangeren Schauspielerin zu drehen und überhaupt den Prozess der Schwangerschaft für das Kino zu thematisieren. Vielmehr meint man, die scharfe Brise der Atlantikküste zu spüren. Eine schwangere Frau vor den schäumenden Wellen am Strand, das ist in doppelter Hinsicht ein Bild für die Urkraft, die sich unvorhersehbar entscheidet, ob sie Wachstum oder Zerstörung bringt. Die Hauptfiguren des Films, Mousse und Paul, verhalten sich ganz ähnlich, jugendlich-ungeduldig, hedonistisch, ohne feste Bindung an die bürgerliche Gesellschaft, in der sie aufwachsen.

      Gleich zu Anfang macht Ozon klar, dass er in seinem emotional zurückgenommenem Werk nicht die Harmonie im Visier hat. Louis und die wimmernde Mousse werden von ihrem Dealer beliefert. In der leeren Nobelwohnung mit Stuckwänden steht ein Doppelbett, auf dem Tischchen davor die Utensilien ungezügelten Konsums. Das Elend, eine geeignete Vene zu finden, die Verzweiflung noch ein paar Sekunden auszuhalten, dem Partner einen Gedanken zu opfern, und dann die Erleichterung, dass es zu Ende ist und man sich tröstend in den Armen liegen kann, all das zeigt Ozon in schockierenden Aufnahmen. Das Zerstörerische der Drogenabhängigkeit, das sekundenschnelle Kippen sämtlicher Gewissheiten, die Gleichgültigkeit bleiben an Mousse haften, als sie sich mit Methadonfläschchen ins Landhaus am Meer zurückzieht.

      Dort steht Monate später Paul vor der Tür. Der hübsche junge Mann möchte mit der Freundin seines toten Bruders reden, den er auch nicht so schnell vergessen kann. Bruchstückhaft kramen Mousse und ihr Gast nach dem, was war und dem, was nach Louis’ Tod bleibt. Für sie ist es eine Geste des Abschieds von ihrem Freund, dass sie das gemeinsame Kind austrägt. Nicht mehr und nicht weniger: Persönlich hat sie für das Wesen in ihrem Bauch kein Gefühl.

      Paul offenbart nach und nach, dass er sich für diese Schwangerschaft auch deswegen interessiert, weil er seiner eigenen Einsamkeit in früher Kindheit nachspürt. Die Gespräche enden meistens abrupt, weil einer von beiden genug davon oder Lust auf etwas anderes hat. Nicht nur für den Zuschauer, auch für Mousse und Paul gibt es deswegen viele Überraschungen. Dass Paul und Serge ein Paar werden, bringt zum Beispiel Mousse öfters ins Schlingern. Isabelle Carré spielt die junge Frau mit mädchenhafter Zartheit und trotzigem Eigensinn.

      Die Einrichtung des Landhauses verrät ebenso wie die Interieurs in Paris ein sorgenfreies Milieu. Mousse und Paul allerdings demonstrieren mit ihrer Sprunghaftigkeit gegen die Kälte dieser Umgebung. Sie bleiben in der Schwebe. Symbolisch gesehen benutzt Mousse ihre Schwangerschaft als neue Droge und versucht, es diesmal besser zu machen. Ein versöhnlicher Gedanke, aber die betonte Bindungslosigkeit in diesem Film geht auf Kosten von Mitgefühl und Tiefe, die Geschichte wirkt merkwürdig irrelevant.

      Fazit: Emotional zurückgenommenes Stück über eine schwangere junge Frau, die mit ihrer Drogenvergangenheit abschließt.
    2. Rückkehr ans Meer: Intensives Drama um eine drogensüchtige junge Frau, die allen Widerständen zum Trotz ihr Kind bekommt. François Ozons reifste Arbeit seit "Unter dem Sand".

      Kompromisslos erzählt François Ozon die Geschichte einer Frau, die nach dem Tod ihres drogensüchtigen Freundes das gemeinsame Kind gegen alle Widerstände zur Welt bringt.

      Jedes Jahr ein neuer Film - für François Ozon kein Problem, der inzwischen mit seiner Schnelligkeit Claude Chabrol in den besten Zeiten Konkurrenz macht. Seit 1997 ist ein Film von ihm pro Jahr so sicher wie das Amen in der Kirche. Und er wiederholt sich nicht, sondern ist immer auf der Suche nach neuen Handlungsmustern und Explorationsfeldern. Nach dem fantastisch-verschwurbelten „Ricky“ kehrt er in „Le Refuge“ zum menschlichen Drama mit erkennbarer narrativer Struktur zurück und gibt Isabelle Carré eine Traumrolle.

      Als Mousse hängt sie an der Nadel wie ihre großen Liebe Louis (Melvil Poupaud aus „Die Zeit, die bleibt“). Er stirbt an einer mit Valium gestreckten Überdosis Heroin, sie überlebt und erfährt im Krankenhaus von ihrer Schwangerschaft. Die bourgeoise Familie des Verstorbenen will eine Abtreibung, sie weigert sich und zieht sich in ein altes Landhaus an der Côte d’Azur zurück. Louis‘ schwuler Bruder besucht sie Monate später auf dem Weg nach Spanien und bleibt länger als geplant.

      „Le Refuge“ ist Realismus orientiert, konzentriert sich auf eine Frauenfigur, die zwischen Tod und Leben schwankt, zwischen schmerzhafter Vergangenheit und hoffnungsvoller Zukunft und weitab von den Verführungen der Großstadt versucht, zu sich selbst zu finden. Kammerspielartig baut Ozon emotionale Spannungen zwischen den Protagonisten auf, die beiden zutiefst verletzten Charaktere begegnen sich im Niemandsland der Emotionen und in innerer Heimatlosigkeit, wie so oft bei ihm. Als dezenter Voyeurist und sensibler Künstler widmet er sich der Faszination und Sinnlichkeit des weiblichen Körpers, der schwangere Bauch ist Dreh- und Angelpunkt der Erzählung und Zeichen der Erlösung. Durch die reale Schwangerschaft von Isabelle Carré im sechsten Monat gewinnt der Film an Authentizität, wenn aus dem kaputten Junkie eine Frau wird, die Leben in sich trägt und Mutterschaft zelebriert.

      Wie schon in „Die Zeit, die bleibt“, wird auch hier die Fortpflanzung zum Garant gegen das Vergessen und Symbol der Hoffnung. Das Versagen der Männlichkeit findet ihr Gegengewicht in einer das Leben zurück erobernden Weiblichkeit. Ozon überrascht mit einem unerwarteten Schluss, der bürgerliche Seelen in Aufregung versetzen könnte, aber nur seine Konsequenz und Kompromisslosigkeit unterstreicht und knüpft in der Komplexität und Intensität der Figuren an seine bisher reifste Leistung „Unter dem Sand“ an. mk.

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      Kino.de Redaktion  

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