Filmhandlung und Hintergrund

Deutsch-deutsche Liebeskomödie mit Wolfgang Stumph als Stasi-"Romeo" wider Willen.

Klavierstimmer Stoll ist ein Herzensbrecher. Als er im Revier eines Polit-Bonzen wildert, stellt ihn die Stasi vor die Wahl: Entweder entlockt er als „Romeo“ Bonner Sekretärinnen Geheimnisse, oder er wandert für Jahre in den Tagebau. Prompt verliebt sich der Frauenschwarm in sein „Zielobjekt“, doch ein Fluchtversuch endet im Knast. Zehn Jahre nach der Wende ist die Zeit endlich reif, um Rache zu nehmen; und Stoll schlüpft als vermeintlicher Ministerialrat in die Rolle seine Lebens.

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    Kritikerrezensionen

    • Romeo und Jutta: Deutsch-deutsche Liebeskomödie mit Wolfgang Stumph als Stasi-"Romeo" wider Willen.

      Man sieht es ihm gar nicht an, dem eher unscheinbaren Klavierstimmer Jürgen Stoll; aber wenn er zärtlich den „Liebestraum“ von Franz Liszt erklingen lässt, schmelzen selbst stolzeste Frauen dahin.

      Dass sie dann auch noch die Geldbörse zücken, zumal der musikalische Sachse mit dem absoluten Gehör etwaigen Heiratsbekundungen nicht widerspricht, verschafft dem Charmeur ein sicheres Auskommen. Rücken ihm die Damen allzu sehr auf die Pelle, sucht er allerdings das Weite. Auch heute noch würde das Erfolgsmodell abrupt enden, wenn der Schürzenjäger im Revier eines Mannes wildert, den man nicht zum Feind haben sollte, doch in der DDR des Jahres 1983 hat der Rivale ganz andere Möglichkeiten; zumal als Repräsentant des Regimes. Also stellt der Stasi-Bonze den sympathischen Filou (Wolfgang Stumph) vor die Wahl: Entweder lebt er sein Talent fortan im Dienst des Staates aus und lässt sich als „Romeo“ auf einsame westdeutsche Regierungssekretärinnen ansetzen; oder er wandert für Jahre in den Brauenkohletagebau. Stoll spielt mit, wickelt Weltverbesserin Jutta (Katja Riemann) aus dem Bonner Landwirtschaftsministerium um den Finger und entlockt ihr wichtige subversive Geheimnisse etwa über die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“. Als aus Spionage Liebe wird und das Pärchen sich absetzen will, schlägt die Stasi zurück: Beide landen hinter Gittern. Zehn Jahre nach der Wende aber ist die Zeit reif, um Rache zu nehmen; und Stoll spielt als vermeintlicher Ministerialrat die Rolle seine Lebens.

      Wolfgang Limmer (zuletzt „Meine Tochter und der Millionär“) hat sich diese wunderbare Politposse ausgedacht: Gekonnt treibt der Film seine Scherze mit einer eigentlich abgrundtief verachtenswerten Stasi-Methode, die nicht nur eine Vielzahl gebrochener Herzen, sondern auch ebenso viele zerschmetterte Lebensentwürfe zur Folge hatte. Wie schon in „Heimweh nach drüben“ trägt der große Wolfgang Stumph mit seiner unverwechselbaren Art dazu bei, ein düsteres Kapitel deutsch-deutscher Geschichte auf heitere Art aufzuarbeiten; natürlich ist „Romeo und Jutta“ eine Komödie, aber das Drama ist nie außer Sichtweite.

      Geschickt ist auch die Zweiteilung der Handlung, denn im Grunde genommen erzählen Limmer und Regisseur Jörg Grünler zwei Geschichten: eine im Passiv mit Stoll als unwilligem Werkzeug der Stasi, eine im Aktiv, als er in gelungener Köpenickiade die Drahtzieher von damals der Reihe nach desavouiert. Während Stumph als Stoll mit großer Spielfreude von einer Rolle in die nächste schlüpft, kommt Katja Riemann als Frau an seiner Seite ein bisschen zu kurz, verkörpert die friedensbewegte Sekretärin dafür aber mit um so mehr Hingabe. Und weil der Film in zwei Teile zerfällt, gibt es gleich mehrere überaus stimmig besetzte führende Nebenrollen: zunächst André Hennicke, Bernd Stegemann und Bernhard Schütz als Funktionäre, dann Maria Simon als satirisches Zerrbild einer ehrgeizigen und wild zur Karriere entschlossenen Regierungsrätin. Für Akzente sorgt auch Ilja Richter als Portier des Ministeriums. Richter repräsentiert damit die Qualität eines Drehbuchs, das mit viel Liebe zum Detail und spielerisch leicht immer wieder feine Spitzen setzt und selbst vor einem verschobenen Abspann nicht halt macht. tpg.

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