Ricky - Wunder geschehen (2008)

Originaltitel: Ricky
Ricky - Wunder geschehen: Kuriose Fantasykomödie über ein Baby, dem nach wenigen Monaten Flügel zu wachsen beginnen.
Kinostart: 14.05.2009
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Filmhandlung und Hintergrund

Ricky - Wunder geschehen: Kuriose Fantasykomödie über ein Baby, dem nach wenigen Monaten Flügel zu wachsen beginnen.

Die alleinerziehende Mutter Katie (Alexandra Lamy) arbeitet in derselben Fabrik wie Paco (Sergi López). Beide stürzen sich in eine heftige Affäre, aus der exakt neun Monate später der prächtige Ricky (Arthur Peyret) hervorgeht. Katies Tochter Lisa (Mélusine Mayance) hat den neuen Mann im Haus mittlerweile akzeptiert und Ricky beweist einen Riesenappetit. Als Katie an ihrem Sohn Blutergüsse entdeckt, glaubt sie an Pacos Schuld. Doch Ricky wachsen Flügel …

Kuriose Mischung aus Science-Fiction, Horror, Fantasy und Komödie, mit der François Ozon (“8 Frauen”) abermals seine einzigartige Stellung im französischen Kino unterstreicht. Im Mittelpunkt der Superheldengeschichte der ganz anderen Art steht wie so oft eine starke Frauenfigur.

Katie ist eine allein erziehende Mutter, die sich in den Arbeiter Paco verliebt. Ihr leidenschaftlicher Sex hat Folgen: Neun Monate später bringt Katie einen kerngesunden Jungen zur Welt, Ricky, der in den ersten Monaten prächtig gedeiht. Spannungen in der Beziehung zwischen Katie und Paco intensivieren sich, als Katie ein paar Monate später blutige Verletzungen an Rickys Rücken entdeckt, macht sie Paco verantwortlich. Sie ahnt nicht, dass Ricky Flügel wachsen und der Junge wenig später erste Flugversuche unternimmt.

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Kritiken und Bewertungen

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    Wunder geschehen immer wieder - doch hinter der kalten Betonfassade einer tristen Wohnsiedlung würde man sie nicht unbedingt vermuten. Dort hält die alleinerziehende Fließbandarbeiterin Katie ihre Tochter und sich mehr schlecht als recht über Wasser. Eines Tages lernt Katie den Spanier Paco kennen, der sich schon bald bei Mutter und Tochter einnistet. Doch die Geburt des gemeinsamen Sohnes Ricky stellt die Familie vor eine Zerreißprobe. Meisterregisseur François Ozon wagt mit seinem neuen Film ein außergewöhnliches Experiment: Trotz der fantastischen Geschichte inszeniert er mit akribischem Realismus und eröffnet so eine anregende Fülle an Deutungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt das packende Spiel der Darsteller macht den Film zu einem einzigartigen Erlebnis.

    Jurybegründung:

    Von dem Regisseur François Ozon werden ungewöhnliche und überraschende Filme erwartet. Sein jüngster Film Ricky ist überdies in mehrfacher Hinsicht ein schwieriger Film. Der eigenwillige Einsatz stilistischer Mittel mag einige Irritationen hervorrufen. Zunächst wird in realistischer Erzählweise das Alltagsleben einer jungen, allein erziehenden Mutter gezeigt, die als Arbeiterin in einem Chemiebetrieb tätig ist. Genau beobachtet die Kamera u. a. Wohnverhältnisse, das Minenspiel zwischen Tochter und Mutter, die Arbeitsabläufe in der Fabrik. Dabei verdeutlicht sich die Ambivalenz der Moderne: einerseits bemerkt man z. B. die funktionale Architektur, die praktische Kücheneinrichtung usw. - andererseits lässt sich einiges aus den öden Wohnsiedlungen und Straßen, den Graffiti und der monotonen Fließbandarbeit herauslesen.

    Mit prägnanten, kurzen Einstellungen wird gezeigt, wie sich Katie in ihren spanischen Arbeitskollegen Paco verliebt und wie dessen Integration ins Familienleben verläuft. Subtil wird verdeutlicht, welche Konflikte in der (um eine Person erweiterten) Familie auftreten. Der Tochter Lisa entgeht beispielsweise das Privileg mit dem Motorroller zur Schule gefahren zu werden - im Bus sitzend, wird sie vom frisch verliebten Paar keines Blickes gewürdigt. Nach der Geburt von Ricky macht Paco ähnliche Erfahrungen. Die Mutterliebe richtet sich hauptsächlich auf das Baby und die gerade gewonnene Balance des Familienlebens wird erneut gestört.

    An Rickys Rücken entdeckt die Mutter eines Tages einen roten Fleck, den sie auf Gewaltanwendung zurückzuführt. Nach Streit und Schuldvorwürfen verlässt Paco die Familie. Doch nun geht eine geheimnisvolle Verwandlung mit dem Kind vor. Diese Absonderlichkeit wird mit der selben real-ästhetischen Optik dokumentiert wie die bisherige Geschichte. Ein Wechsel in den surrealistischen Diskurs oder ins Fantastisch-Märchenhafte vollzieht sich nur untergründig. Das verstört einerseits, andererseits werden mannigfache Fragen, Vermutungen und Interpretationsvarianten provoziert. Ist das Kind aufgrund von chemischen Vergiftungen während der Schwangerschaft erkrankt? Werden in der Wandlung die psychischen Konflikte der Familienmitglieder symbolisiert? Gleicht das Baby einem Engel oder einem Putten (dem beliebten Motiv im Barock)? Verschiedene Deutungsmöglichkeiten werden ins Spiel gebracht und in der Schwebe gehalten.

    Die folgenden Vorkommnisse geben immer weitere Rätsel auf. Der uralte Traum vom Fliegen mischt sich mit religiösen Symbolen und mit modernen Ängsten. Durch die Konstruktion der Erzählung ist strukturell ein offener Ausgang angelegt.

    Die hervorragenden darstellerischen Leistungen von Alexandra Lamy (Katie), Sergi Lopez (Paco) und Mélusine Mayance (Lisa) sind dazu angetan, sich auf die komplizierte und irritierende Handlung des Films einzulassen. Die FBW-Jury würdigt ebenfalls den Mut des Regisseurs, die eingesetzten stilistischen Mittel konsequent in der Inszenierung durchzuhalten. Einige Einstellungen wirken allerdings nicht ganz überzeugend - beispielsweise die Flugversuche, die das Baby anfangs unternimmt. Sehr positiv fällt die Einschätzung im Hinblick auf die Ausstattung und auf die Leistung der Szenenbildner aus. Auch Kamera und Filmmusik sind zu würdigen und daher wurde Ricky das Prädikat wertvoll zuerkannt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Dies ist ein Film, über den man eigentlich gar nicht schreiben kann. Weil jede Beschreibung den Clou zerstören würde, das Überraschungsmoment, mit dem François Ozon spielt. Den Film kann man in seiner Fülle nur genießen, wenn man vorher gar nichts über ihn weiß; ein Zustand der Unschuld, der mit der ersten Vorführung auf der Berlinale 09 verlogen gegangen ist.

    Ozon spielt. Er spielt mit den Erwartungen der Zuschauer und ihrer Gefühlswelt, mit den filmischen Konventionen, mit Symbolik und Metaphorik. Und lässt am Ende die Interpretationshoheit ganz dem Zuschauer. Auch die Freiheit, gar nichts an dem Film zu deuteln, sondern ihn einfach stehen zu lassen: als Sozialdrama-wird-zu-Fantasymärchenkomödie.

    Da ist also die Familie mit Mutter Katie und Tochter Lisa, sieben Jahre alt. Und Katie ist verzweifelt: Beim Sozialamt bittet sie, ihr Baby in Pflege zu geben, sie kommt nicht mehr zurecht. Rückblende. Kleine Familie ohne Vater, Plattenbau, Unterschichts-Arbeitermilieu. Katie lernt Paco kennen. Wird schwanger, Ricky wird geboren. Nichts wird einfacher: Das Liebesglück lässt nach, Tochter Lisas Reserviertheit gegenüber Paco weitet sich auf das Baby aus. Es ist schwierig, sich zu arrangieren. Dann: blaue Flecken auf dem Rücken von Ricky. Paco, der ohnehin nie einen Draht zu seinem Sohn gefunden hat, scheint ihn zu misshandeln. Und haut ab.

    Ozon begibt sich geradewegs in den Strom der Sozialerzählungen, der Dramas um das Elend kleiner Leute, die hart kämpfen, um irgendwie zurechtzukommen. Porträtiert eine Familie, die nicht richtig funktioniert. Der zu Anfang der Vater fehlt, in der die Mutter unreif erscheint, von Lisa geweckt und dazu angehalten werden muss, zur Arbeit zu gehen. Immer tendiert Ozon zur Sichtweise Lisas, blickt mit ihre Augen auf diese kleine Welt, zeigt das Eindringen Pacos, dann Rickys in ihr Leben – und all dies stürzt er dann um. Indem er fantastisch wird, absurd. Das einzig Richtige in diesem Fall einer in Verzweiflung gefangenen Familie.

    Ozon lässt die Zuschauererwartungen ganz ins Leere laufen, beginnt etwas ganz Neues: Ricky, das Baby, ist anders, besonders. Mutter Katie und Lisa arrangieren sich damit. Und sind glücklich mit Ricky und seiner ganz speziellen Fähigkeit.

    Auch nun lässt Ozon das (ironische) Spiel mit der Haltung des Zuschauers nicht. Wird mal ganz albern, ja: total bescheuert, um dann wieder Symbolik einzubauen, die allegorisch gedeutet werden kann (aber nicht muss).

    Am Ende jedenfalls: Eine Familie, in der sich der Status quo ganz verschoben hat, und in der dann doch jeder seinen Platz gefunden hat. Durch ein Wunder, das Wunder eine Babys.

    Fazit: Was als veritables Sozialdrama beginnt, entpuppt sich als fantastisch-absurde Märchenkomödie.
  • Ein ganz normales Liebespaar bekommt in diesem kunterbunten Mix aus Horror, Fantasy und Komödie ein sehr ungewöhnliches Kind.

    François Ozon, einer der “usual suspects” der Berlinale, ist mit seinen Spinnereien immer für eine Überraschung gut, ob “8 Frauen” sich auf die Nerven gehen, ein krebskranker junger Mann “Die Zeit die bleibt” zur Wahrheitssuche nutzt, sich die realitätsblinde “Angel” leidenschaftlich dem Schein hingibt oder das Baby “Ricky” das Unwahrscheinliche wahrscheinlich macht. Nach der Kurzgeschichte “Moth” von Rose Tremain schießt Ozon ein Feuerwerk an wundersamen Ideen ab, die anfänglich triste Sozialstudie in elliptischer Erzählweise mit Assoziationen an “Rosetta” von den Dardennes-Brüdern wandelt sich zum Horror-Fantasy-Märchen mit immer neuen und falschen Fährten.

    Die ihr Töchterchen allein erziehende Katie (Alexandra Lamy) ist eine ganz normale Frau und der spanisch stämmige Paco (Sergi Lopez) ein ganz normaler Mann. Katie jobbt am Band in der Fabrik, ein Tag ähnelt dem anderen. Bis ihr Blick den von Paco kreuzt. Eine kurze Zigarettenpause, schneller Sex auf der Toilette, erstes Rendez-vous im Restaurant, Amors Pfeil trifft. Bald sind die beiden ein Paar, er zieht zu ihr ins Hochhaus, die Geburt eines Sohnes mit den schönsten blauen Augen krönt die Liebe, die unter lautem Babygeschrei und beim Windelwechseln langsam an Glanz verliert.

    Ozon kapriziert sich erst auf den nicht gerade aufregenden Alltag, bis er das Ruder abrupt herumreißt und wie so oft in seinen Filmen mit tiefen menschlichen Zweifeln und den Erwartungen der Zuschauer spielt. Und wie in “Unter dem Sand” oder “Swimmingpool” zeichnet er in wenigen Strichen ein von Ambivalenz geprägtes starkes Frauenporträt. Trotz Irritationen durch den permanenten Wechsel zwischen sozialem und magischem Realismus, lässt man sich mit Lust ein auf diesen Höhenflug an Absurdität, der einem Kind Flügel verleiht – eine Tatsache, die die Mutter nach außen verschweigt, der Vater als Wunder betrachtet. Wenn es zu bizarr wird, sorgt Humor für Entspannung. Flucht in Fantasmen, weibliche Psychose, oder alles nur ein Traum, der jedenfalls für Ricky in Freiheit mündet? Egal! Weit weg von jeder voraussehbaren Hollywood-Formel und mit weiten Interpretationsmöglichkeiten zwingt uns ein unberechenbarer, verrückter und genialer François Ozon, die Logik an den Haken zu hängen und ihm im Glauben an das Übernatürliche blindlings zu folgen. Und er schafft es mit Chuzpe und Charme. Chapeau! mk.

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