Filmhandlung und Hintergrund

Packendes Kammerspiel um die Konfrontation zweier Paare.

Sparkassenmanager Walter (Sven Walser) träumt vom Eigenheim. Gattin Anna (Lisa Martinek) hätte lieber ein Baby. Was, wie Walter findet, aber noch Zeit hat. Viel Schönes hat man sich beim ungeplanten gemeinsamen Abendessen nicht zu sagen. Da klingelt wie zufällig der gemeinsame Freund Jost (Tim Lang) an der Tür, der offiziell Finanztipps von Walter braucht, heimlich jedoch nach Anna schielt. Walter wird misstrauisch.

Szenen einer schlechten Ehe, messerscharf seziert von Theaterautor Bob L. Sack und eindrucksvoll intensiv inszeniert von Spielfilmdebütant Alexander Schüler.

Zwei befreundete Paare aus der upper class haben ein Rendezvous am Abend, allerdings zufällig und nicht verabredet. Aus dem anfänglich unverbindlichen Smalltalk wird Diskussion und schließlich sogar Konfrontation, als Geheimnisse ausgepackt werden. Am Morgen ist nichts mehr wie es vorher war.

Eigentlich sollte Banker Walter zu einer Besprechung fliegen, während seine Frau Anna ihre Mutter besuchen wollte. Doch das Meeting wird in letzter Minute abgesagt und Anna ist aus Angst, den Herd angelassen zu haben, in die gemeinsame Wohnung zurückgekehrt. Einem gemütlichen Abend zu Hause steht eigentlich nichts im Wege. Man fängt an zu kochen, zu trinken, zu streiten… bis es an der Tür klingelt. Walters Freund Jost schaut ganz zufällig vorbei. Und später stößt auch noch ebenso unerwartet dessen Freundin Yvonne zu dem Trio.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Man setzt zwei Ehepaare, die sich gegenseitig betrügen in einen Raum und wartet ab, was passiert. Das ist das Grundgerüst des Kammerspiels „rendevouz“, das als Independent-Produktion nach einem Theaterstück von Bob L. Sack entstanden ist. Die theaterhaften Dialoge werden keinesfalls theatralisch vorgetragen. Den Schauspielern gelingt es meistens, sie in das Medium Film zu übertragen, ohne dass man sich an ihrer Inszeniertheit stören würde.

      Es herrscht eine kalte, befremdliche Atmosphäre in dem großen Zimmer, in dem die Menschen agieren, als seien sie Tiere, die man in einen neuen schönen Käfig gesperrt hat, um ihr Verhalten zu studieren. Der geordnete Glanz reicht dabei nicht weit. Bereits in den Schubladen der Schränke hat sich das Chaos breit gemacht. Und mit dem Chaos brodeln Selbstherrlichkeit, Hass, Ekel und Eifersucht unter der Oberfläche und drohen jederzeit herauszubrechen. Positiver besetzte Gefühle scheinen nur noch am Abgrund ihres Seelenlebens vor sich hin zu modern.

      Sie spielen ein perfides Spiel und kreieren einen brutalen Abend der Wahrheit, die im Endeffekt niemals ausgesprochen wird. Drängt etwas darauf, gesagt zu werden, wird es schnell um einen weiteren Faktor erweitert, der das Spiel in eine neue Runde lenkt. Es ist ein nervös gespanntes Beziehungsgeflecht, dessen Fäden von zwei Protagonisten mit großer Hingabe geführt werden.

      Gegenseitige Verletzungen und Reizungen kulminieren in einem Höhepunkt, der die Figuren an ihre Grenzen stoßen lässt, ohne dass sie jedoch bereit wären, das „Spiel“ zu beenden. Während sie sich gegenseitig zertrümmern und zum Äußersten reizen, lauern sie darauf, den jeweiligen Gegner in die Knie zu zwingen. Als Motiv für ihr Handeln pure Langeweile zu vermuten ist dabei nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheint.

      „rendevouz“ ist etwas für Zuschauer, die bereit sind, sich auch mit den Untiefen menschlichen Handelns auseinander zu setzen und denen es nichts ausmacht, Theater auch mal auf der Leinwand zu erleben. Durch diese Trennung wird zwar die Radikalität der Handlung vermindert und Darsteller und Zuschauer auf einen Abstand gebracht, der es verhindert, dass sie sich wirklich nahe kommen. Doch da sich die Figuren in Grenzgänge manövrieren, denen zumindest manche nur ungern folgen würden, kann gerade der durch das Kino hervorgerufene Abstand eben diese Untiefen erträglich machen.

      Fazit: Verfilmtes Theaterstück über die Untiefen menschlichen Handelns und die bösartigen Auswüchse eines Beziehungskonflikts.
    2. Rendezvous: Packendes Kammerspiel um die Konfrontation zweier Paare.

      Eine Wohnung, zwei Paare, altbekannte Zwistigkeiten und ein Abend, der völlig aus dem Ruder läuft. Nach dem gleichnamigen Theaterstück von Bob L. Sack gelingt Alexander Schüler ein ebenso packendes wie verstörendes Spielfilmdebüt, das Erinnerungen an die frühen Arbeiten von Rainer Werner Fassbinder weckt.

      Ausgiebige Proben sind dem Kammerspiel vorangegangen, ehe 14 Tage lang in zum Teil extrem langen Takes aufgezeichnet wurde. Eine Herausforderung für die Darsteller wie auch für Kameramann Leif Karpe, der primär aus der Hand gedreht hat. Was ihm ermöglichte, den Protagonisten im Wortsinn auf den Leib zu rücken, die Zuschauer ganz nah am Geschehen teilhaben zu lassen. Wobei deren Blick zunächst dem von Theatergängern gleicht. Die „Bühne“, der Spielort wird etabliert: ein schickes Appartement mit Balkon. Die Einrichtung: modern, kühl, sachlich. Seine Bewohner: der Banker Walter (Sven Walser) und dessen Frau Anna (Lisa Martinek). Er sollte zu einer Besprechung fliegen, sie wollte ihre Mutter besuchen. Das Meeting wird in letzter Minute abgesagt, Anna ist aus Angst den Herd angelassen zu haben zurückgekehrt. Einem gemütlichen Abend zu Hause steht eigentlich nichts im Wege. Man fängt an zu kochen, zu trinken, zu streiten…

      Wenige Minuten und schon ist klar: alles nur Fassade und Lüge. Mühsam wird der Schein gewahrt. Mit bissigen Worten, spitzen Bemerkungen verletzt man sich wo man nur kann, nutzt geschickt jede Schwäche des anderen. Umkreist sich, belauert sich. Bis es an der Tür klingelt. Walters Freund Jost (Tim Lang) schaut „zufällig“ vorbei. Und später stößt „unerwartet“ auch noch dessen Freundin Yvonne (Anika Mauer) zu dem Trio. Schwangerschaftsabbruch, Untreue, berufliches Versagen, Tablettensucht, gewalttätiger Sex… das Leben als Vorhölle. Der Moralist Rainer Werner Fassbinder mit seinen demolierten, sich selbst zerfleischenden Familien lässt grüßen. Simpel und effizient der „Versuchsaufbau“ von Erstlingsregisseur Alexander Schüler, höchst effektiv, extrem packend das Ergebnis. Dank des groß und mutig aufspielenden Quartetts, der ziselierten, pointierten Dialoge von Drehbuchautor Bob L. Sack und der geschickten Nutzung des Raums, der mit seiner kalten Funktionalität das Seelenleben seiner Benutzer perfekt widerspiegelt. geh.
    3. „Wertvoll”

        Walter und Anna haben alles, was sie im Leben brauchen: Eine schicke Wohnung, gute Jobs und einen gewissen Luxus für die schönen Dinge. Doch innerlich sind beide leer und ausgebrannt. Genau wie Yvonne und Jost, das befreundete Ehepaar. Eines Abends treffen alle vier aufeinander und es beginnt ein gnadenloser Seelenstriptease voller grausamer Offenheit und schockierender Offenbarungen. Alexander Schülers Filmdebüt zeigt mit seiner Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Bob L. Sack direkt und schonungslos sehr persönliche Probleme und Konstellationen auf, in denen sich die Zuschauer auch ein Stück selbst erkennen können. Durch die fast schon dokumentarisch wirkende Handkamera und das intensive Schauspiel entsteht eine beklemmende Nähe zu den Figuren, die fast schon weh tut. Dabei ist die Atmosphäre kammerspielartig und spannungsreich aufgeladen. Als sich am Ende diese Spannung entlädt und eine einsame Entscheidung getroffen wird, bleibt der Betrachter irritiert zurück. Eine packende und verstörende Gesellschaftsstudie.

        Jurybegründung:

        Ein Film wie ein Uhrwerk. Unerbittlich wird nichts ausgelassen, was den anderen verletzen kann. Vier ausgebrannte Menschen treffen sich quasi zufällig in einer luxuriös ausgestatteten Wohnung in Loftgröße. Die zwei, die dort wohnen, hatten sich anderweitig verabredet und doch treffen sie unerwartet wieder aufeinander. Anna behauptet sie habe ihre Mutter eingeladen, Walter widerstrebt das und ein Streit beginnt. Das Telefon klingelt, doch sie gehen nicht dran. Die Wortgefechte werden heftiger, Gift wird gestreut. Ein Freund kommt anscheinend ebenso unverhofft wie zufällig vorbei. Und später noch dessen Frau, ebenso willkürlich wie hektisch überrascht von der Situation. Verfängliche Momente hier und dort. Eine Überkreuz-Liaison tut sich auf. Start frei für den Höhepunkt in mehrfacher Hinsicht. Ein Abend und eine Nacht der Verlogenheit, Sarkasmus und Selbstzerstörung.

        Gegeben wird ein Kammerspiel im Upperclass-Milieu, das wir thematisch zugespitzt als SZENEN EINER EHE (Ingmar Bergmann, 1973) und vor allem aus WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? (Mike Nichols, nach dem Theaterstück von Edward Albee, 1966) in seiner zynischen zerstörerischen Kraft kennen. In RENDEZVOUS kündigen alle Beteiligten schonungslos die gesellschaftlichen Raster des Kitts auf, die bisher die Ehen mühsam zusammenhielten. Die klaustrophobischen Dialoge, die das Fremdgehen auf die Spitze treiben und es sich gegenseitig vorführen, der Streit um verweigerten Nachwuchs mit Schuldzuweisungen einerseits und einer abgebrochenen Schwangerschaft andererseits, werden mit sprachlicher Finesse sowie psychischem und körperlichem Einsatz bis zur Erschöpfung gnadenlos - und für den Betrachter atemlos - vorgeführt. Die Präsenz der Schauspieler ist hautnah erlebbar, transportiert aber zugleich eine distanzierte Kühle beim Zuschauen. Die Kamera spielt dieses Spiel exzellent mit, befindet sich oft sehr nah an Gesichtern und Körpern - und doch ist es wie ein entfremdeter Blick, wie in ein Aquarium.

        Manchmal scheinen das Spiel, die Worte und die Bilder sich zu doppeln, dann wirkt es in seiner Direktheit ein wenig platt. Es ist, so meinte ein Teil der Jury, zu wenig gesellschaftlich verwurzelt und gegründet und damit zu rasterhaft angelegt. Diese Überdeutlichkeit des scheinbar Abgehobenen wird als Mangel einer Versuchsandordnung gesehen. Zu wenig Raum für Subtilität und Andeutungen. Es ist aber gut, dass Kontroversen sichtbar werden. Für den ersten Langfilm eines Newcomers im Filmgeschäft, gedreht mit einem Minimalbudget, ist jedoch dem Regisseur Alexander Schüler mit RENDEZVOUS mehr als ein Achtungserfolg gelungen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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