Filmhandlung und Hintergrund

Vor der surrealen Traumkulisse Kopenhagen dekonstruiert der Däne Christoffer Boe mit seinem preisgekrönten filmischen Projekt das Phänomen der Liebe.

Aus Alex‘ (Nicolaj Lie Kaas) Beziehung zu Simone ist die Luft raus. Beim nächtlichen Streifzug lernt er in einer Bar die schöne Aimee (Maria Bonnevie) kennen und fühlt sich fortan magisch zu ihr hingezogen. Davon alles andere als begeistert ist Aimees Ehemann, der erfolgreiche Romanschriftsteller August (Krister Henriksson). Und doch sieht es nicht so aus, als würde August die Romanze stören, im Gegenteil: Er scheint sie auf seltsame Weise fernzusteuern. Je weiter sich Alex in die Beziehung verstrickt, desto mehr gerät sein Leben aus den Fugen.

Man stelle sich vor, Romanfiguren hätten ein Bewusstsein. In traumhaft schönen Bildern spielt der Däne Christoffer Boe mit Realität und Fiktion und schafft, an Lynch und Kafka erinnernd, ein Alptraumuniversum von beunruhigender Dichte.

In einer Bar trifft Alex die attraktive Aimee und fühlt sich magisch zu ihr hingezogen. Nach einer Liebesnacht verlässt er seine langjährige Freundin. Aber ist auch Aimee bereit, ihr Leben zu verändern und sich von dem älteren Schriftsteller August scheiden zu lassen? Zwei Welten geraten aus den Fugen - schon bald sind Aimee und Alex für ihre Freunde nicht mehr wieder zu erkennen. Oder ist alles nur ein Traum und Alex womöglich eine Figur aus Augusts neuem Roman?

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Kritikerrezensionen

  • Reconstruction: Vor der surrealen Traumkulisse Kopenhagen dekonstruiert der Däne Christoffer Boe mit seinem preisgekrönten filmischen Projekt das Phänomen der Liebe.

    Film als Konstrukt und als Kunst der Verführung. Mit seinem ersten Langspielfilm gelang Christoffer Boe, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, eine verblüffend clevere Liebesgeschichte, ein filmisches Puzzle, das die Erwartungen des Zuschauers immer wieder zerstört - um am Schluss alle Fragen unbeantwortet zu lassen. Bedacht mit der Caméra d’Or in Cannes 2003 und weiteren Festivalpreisen, erhält „Reconstruction“ nun die Chance, auch das deutsche Kinopublikum in eine faszinierende Verunsicherung zu führen.

    Sein ästhetisches Programm stellt Boe gleich an den Anfang - erzählt von einer männlichen Stimme aus dem Off: „So endet es immer. Ein wenig Magie, ein wenig Rauch. Etwas Schwebendes. Aber es klappt nicht ohne die richtigen Zutaten: Ein kleines Lächeln, ein Mann, eine schöne Frau. Und die Liebe. Anfang und Ende. Liebe und Abschied. Alles ist Film. Alles ist konstruiert. Und trotzdem tut es weh.“ Dann beginnt die Versuchsanordnung. Boe führt zwei Menschen zusammen und lässt sie ineinander verlieben. Alex (Nikolaj Lie Kaas) trifft Aimée (die berückend schöne Maria Bonnevie) in einer Bar und spricht sie an. Sie scheinen sich zu kennen, und doch wieder nicht. Sie wird ihn auf ihr Hotelzimmer mitnehmen. Kaum begonnen, endet die Geradlinigkeit, Chronologie der Erzählung. Wenn nämlich in die Bilder der ersten Begegnung bereits Szenen einer Erinnerung geschnitten sind, Erinnerungen an eben diese Szene. Ein neuer Anlauf wird gestartet: Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die Straßen Kopenhagens, in denen die Standorte der beiden Hauptfiguren eingezeichnet sind, lässt erkennen, dass das Liebes-Labyrinth neu zusammen gebaut wird. Immer wieder treffen sich Alex und Aimée, vom Schicksal füreinander bestimmt, mehrmals dieselben wenigen Worte, die allzu gestellt wirken, wechselnd. Wenn Alex am Schluss „im entscheidenden Moment zögert“, stürzt das Konstrukt zusammen. Die Frage nach Ort, Zeit und Realität sollte nicht gestellt werden. „Wirklich“ ist hier nichts. Dennoch ist man als Betrachter drauf und dran mit den beiden Hauptdarstellern mitzufühlen. Sich von ihrer romantischen Geschichte mitreißen zu lassen - nur um dann festzustellen, immer wieder aus der filmischen Wirklichkeit gestoßen zu werden. Boe baut absichtlich die falschen Bausteine zusammen. Und das irritiert.

    Bis zum Schluss bleibt unklar, was die Geschichte nun eigentlich ist. Spielt sie in der Gegenwart, oder ist sie ein Konstrukt aus Alex‘ Vergangenheit? Ist sie quasi als Drehbuch im Drehbuch nur das Gedankengebäude von Aimées Mann August (Krister Henriksson), einem schwedischen Schriftsteller, den man immer wieder an seinem neuen Buch schreiben sieht und dessen Stimme aus dem Off die Begegnung von Alex und Aimée kommentiert? Dem Zuschauer wird einiges abverlangt in Boes Spiel mit Wiederholung, Verdoppelung, Revidierung, Relativierung. Die von Manuel Alberto Claro träumerischen, berückend schön fotografierten Bilder und die von Thomas Knak ausgewählte melancholische, jazzige Musik flankieren auf ihre Weise den surrealen, changierenden Charakter von „Reconstruction“. Ein fein dirigiertes Verwirrspiel, das auch durch intensives Nachdenken keine Auflösung bereit hält. bas.

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