Filmhandlung und Hintergrund

Harsches, aber auch poetisches Kitchen-Sink-Drama über einen Zwölfjährigen, der in den frühen siebziger Jahren in einem Arbeiterklassenviertel von Glasgow aufwächst.

Das Leben des zwölfjährigen James im Glasgow des Jahres 1973 während eines Müllarbeiterstreiks ist trist. Sein Vater ist ein gewalttätiger Alkoholiker, die anderen Kinder hänseln ihn. Bei einer Rangelei stößt James unbeobachtet versehentlich einen anderen Jungen ins Wasser, der ertrinkt. Die Schuld lastet schwer auf seinen Schultern. Lediglich Ausflüge in eine sonnige Neubausiedlung mindern die Last.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ratcatcher: Harsches, aber auch poetisches Kitchen-Sink-Drama über einen Zwölfjährigen, der in den frühen siebziger Jahren in einem Arbeiterklassenviertel von Glasgow aufwächst.

    Das Spielfilmdebüt der 30-jährigen Lynne Ramsay, für das sie mehrfach ausgezeichnet wurde (u.a. British Academy Award 2000 als Regienewcomer des Jahres), führt in eine kahle und heruntergekommene Wohnsiedlung in ihrer Geburtsstadt Glasgow Anfang der 70er Jahre. Ramsay schildert das Erwachsenwerden des zwölfjährigen James, das hier die Erkenntnis der unabänderlichen Hoffnungslosigkeit bedeutet, in einem eindringlichen, beängstigenden, von Anfang bis Ende in seinen Bann ziehenden Ton, der - wie der todbringende Kanalstrudel im Film - ungeahnte Tiefen birgt.

    Während eines Müllarbeiterstreiks beherrschen Armut, Ratten und Gestank den Alltag von James, aus dessen Leben all die kaum wahrnehmbaren Details, die sein Dasein erträglich machen, Schritt für Schritt verschwinden. Weil um ihre Wohnhäuser herum alles mit Müllsäcken bedeckt ist, aus denen Ratten und Mäuse kriechen, weichen James und sein Freund Ryan zum Spielen an den nahen Kanal aus. Dort endet das harmlose Hin- und Herschupsen im Wasser mit dem Ertrinken Ryans. Obwohl zunächst niemand James für den Tod Ryans verantwortlich macht, glaubt er, schuld an dem Vorfall zu sein. Seine Sorgen kann er mit niemandem teilen: Seine Mutter arbeitet, sein arbeitsloser Vater, mit dem sich die kleine Schwester verbündet, braucht ihn nur, um Bier zu holen, seine große Schwester spricht nicht mit ihm. Für eine Gang älterer Jungs muss er Schmiere stehen, während die sich der Reihe nach mit einem fast blinden, einsamen Mädchen vergnügen. Mit diesem Mädchen, das zwei Köpfe größer ist als er, erlebt James eine unbeholfene, groteske erste Liebe. Bei einer zufälligen Busfahrt entdeckt er die Baustelle eines neuen Wohnblocks, aus dessen Fenster man auf ein Kornfeld blicken kann. Seinen glücklichen Pilgerfahrten an den einzigen sauberen Ort, den er kennt, macht die Schließung der Baustelle ein Ende. Er muss zurück zu den Ratten, zu den Jungs, die wieder seine Freundin benutzen und ihn schließlich auch als Mörder Ryans anpöbeln. James kann der magischen Anziehungskraft des Kanals nicht mehr widerstehen.

    Weder für James noch für den Zuschauer bietet Lynne Ramsay Auswege aus den schon am Anfang endlos traurigen Situationen, die ausnahmslos die denkbar deprimierendsten Wendungen nehmen. Diese Gesetzmäßigkeit überrascht trotzdem, weil nach den ungeschriebenen Regeln der Fiktion jeden Moment eine Erleichterung eintreten sollte. Das Aufatmen erfolgt erst, wenn man die ganze Geschichte überstanden hat und feststellt, dass bei diesem Film alles stimmt: die großartigen Schauspieler, die kurzen und aussagekräftigen Dialoge, die zurückhaltende Musik. Die offenbare Stilisierung (spiegelverkehrte Szenen) oder das gelegentliche Ausbrechen aus der realen Welt (eine Maus fliegt zum Mond) tun dem Ernst des Themas keinen Abbruch, sondern schaffen Bilder, die lange im Gedächtnis der Zuschauer haften bleiben. csz.

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