R.I.S. - Die Sprache der Toten (1. Staffel)

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   2007
R.I.S. - Die Sprache der Toten (1. Staffel) Poster
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Kritikerrezensionen

  • Die Platzierung erscheint tollkühn: Sat.1 stellt seine neue Krimiserie „R.I.S.“ gegen den „Tatort“ der ARD. Dahinter steckt die Hoffnung, die deutsche Produktion werde sich auf einem Sendeplatz behaupten, auf dem die Zuschauer US-Krimiware gewöhnt sind („Navy CIS“, „Criminal Minds“). Voraussetzung dafür wäre allerdings eine fast schon dialektische Haltung des Publikums, das der deutschen Serienproduktion seit geraumer Zeit wenig hold ist: Es muss akzeptieren, dass ein deutscher Handlungsort (natürlich Berlin) und deutsche Schauspieler gewissermaßen in amerikanischer Verpackung auftreten.

    Dieser Spagat ist beim RTL-Pendant „Post Mortem“ zunächst aufgegangen. Zuletzt hat die Erfolgsgeschichte einige Kratzer bekommen, wie ja auch die gut gestarteten jüngsten Sat.1-Serien „Allein unter Bauern“ und „GSG 9“ stark angefangen, aber dann auch stark nachgelassen haben.

    Hinzu kommt die Frage, ob die Zuschauer mit der Kopie zufrieden sein werden, wenn sie doch dauernd das Original sehen können (Montag: „CSI: NY“, Vox; Dienstag: „CSI:Miami“, RTL; Donnerstag: „CSI:“, RTL, im Doppelpack). Und dann ist „R.I.S.“ ja auch noch die Kopie einer Kopie: Die Serie basiert auf einer gleichnamigen italienischen Erfolgsserie, die ihrerseits stark an „CSI“ angelehnt ist. Kein Wunder, dass der geklonte Klon wie ein Zwilling von „Post Mortem“ wirkt, denn auch die RTL-Serie orientiert sich am derzeit wohl erfolgreichsten Serienpaket der Welt. „Post Mortem“ wie auch beispielsweise „CSI:Miami“ haben allerdings einen deutlichen Vorteil gegenüber „R.I.S.“: Schauspieler wie Hannes Jaenicke oder David Caruso sind Charakterköpfe, die eine Serie prägen können. „R.I.S.“ hat Julian Weigend zu bieten, der einfach nicht in der gleichen Liga spielt.

    Die Optik aber sieht aus, als hätte man ein Computerprogramm mit den Stilmitteln von „24“ gefüttert. Zuschauer mit einer Vorliebe für modernistische Bildsprache werden ihre Freude haben. Jump-Cuts, Zeitraffer, Zeitlupe, Flashbacks, Freeze-Frames, Split-Screen: alles da. Im Gegensatz zum neuen ZDF-Krimi „Lutter“ wirkt das hier nicht wie aufgepfropft. Während dort der Gegensatz zwischen der entfesselten Ästhetik und der ansonsten eher gemächlichen Erzählweise fast schon für kognitive Dissonanz sorgt, so ergänzen sich Stil und High-Tech-Inhalt bei „R.I.S.“ ungleich harmonischer (Kamera: Andreas Doub, Roman Nowacien). Dafür ist die Musik (im Gegensatz etwa zu „GSG 9“) ungewöhnlich zurückhaltend.

    Wie in den US-Serien steht die Kleinarbeit der Kriminaltechniker im Mittelpunkt. Seltsamerweise wird allerdings zumindest in Folge eins nie erklärt, was R.I.S. heißt (Rechtsmedizinische Investigative Sonderkommission). Die Biologen und Chemiker finden winzigste Partikel, rekonstruieren mit ihrer Hilfe den Tathergang und überführen auf diese Weise schließlich die Täter. Das ist im Detail immer wieder faszinierend, wenn etwa im Labor diverse Gläser zerdeppert werden, weil einem R.I.S.-Ermittler die Verteilung von Glassplittern am Tatort seltsam erschien; oder wenn Schneider, die graue Eminenz der Truppe (Hansa Czypionka), mithilfe mikroskopisch kleiner Lacksplitter herausfindet, dass ein Nachtclubbesitzer den Notausgang zugeparkt hat, was eine Rollstuhlfahrerin bei einem Brand das Leben kostete.

    Während die Polizisten in den „CSI“-Vorbildern ohne Privatleben auskommen (was vermutlich eines der Erfolgsgeheimnisse gerade bei jüngeren Zuschauern ist), haben ihre deutschen Kollegen alle einen Schicksalsschlag: R.I.S.-Leiter Jacobi (Weigend) hat seine Frau bei einem Bombenanschlag und seither jede Lebensfreude verloren; die neue Kollegin (Jana Klinge), ein vermeintlicher Sonnenschein, ist vor einigen Jahren vergewaltigt worden; und Schneider war mal Staatsskeptiker, hat aber die Seiten gewechselt, als seine Tochter Opfer eines Autounfalls mit Fahrerflucht wurde. Seither sitzt sie im Rollstuhl, was erklärt, warum ihr Vater gegenüber dem Nachtclubbesitzer auch schon mal ausrastet. All das aber wird zunächst bloß angedeutet und erst über mehrere Folgen hinweg offenbart.

    Sat.1 hat die Drehbücher übrigens eigens ins Englische übersetzen lassen, damit sie der amerikanische Drehbuchautor Noah Baylin überarbeiten kann. Das mag etwas übertrieben erscheinen, doch zumindest Folge eins (Regie: Miguel Alexandre, Buch: Frank Koopmann) ist auch dank des Doppelfalls ungewöhnlich dicht erzählt. „R.I.S.“ ist also nicht weniger sehenswert als „Post Mortem“ und zudem längst nicht so unterkühlt wie die Produktionen aus der „CSI“-Familie. Handwerklich wurde ohnehin auf höchstem Niveau produziert. Nun muss sich nur noch zeigen, ob sich die Serie nach einem gewissen Neugiereffekt, den es zu Beginn sicher geben wird, auch längerfristig gegen den „Tatort“ behaupten kann. tpg.

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