Filmhandlung und Hintergrund

Skurriles Roadmovie, in dem sich eine blinde Pariserin und ein Berliner Kleinwüchsiger begegnen.

Der kleinwüchsige Bomber mogelt sich mit deftiger Berliner Schnauze als Lebenskünstler durch. Gerade hat das Rauhbein einem bizarren Pärchen seine schäbige Wohnung für wüste Gelage untervermietet, da will sich der Kurierfahrer mit einer Ladung nach Paris absetzen, wird dort aber von Hehlern reingelegt. Auf dem Heimweg nach Berlin liest er zunächst den stummen, gutmütigen Dickwanst Bruno auf und kurz darauf die blinde Europe, die ihren One-Night-Stand Matthias finden will, von dem sie schwanger ist. Gemeinsam schlägt sich das ungleiche Trio durch.

Ein kleinwüchsiger Berliner, eine blinde Pariserin und ein gutmütiger Dickwanst raufen sich zusammen. Sympathisch-herzliches Roadmovie mit surrealen Untertönen, dessen Tonalität an die Filme eines Aki Kaurismäki erinnert.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Regisseur Felix Stienz machte sich mit humorvollen Kurzfilmen wie "Anke und wir" oder "Ladenhüter", die auf nahezu allen deutschen Filmfestivals gezeigt wurden, einen Namen. Auf die Elemente seines letzten Kurzfilms "Betty B. & the The´s" - Musik und schräge Charaktere - baut auch sein Kinoerstling: Das Roadmovie "Puppe, Icke und der Dicke" dreht sich um Enttäuschung, Toleranz und Vertrauen. Schon der Filmtitel benennt Stienz´ skurriles Personal, wobei im Verlauf der unkonventionellen Reise noch weitere liebeswerte bis schrullige Nebenfiguren hinzu kommen. Dazu lebt die multilinguale Story von der lakonischen Inszenierung, amüsanten Einfällen und der großen Klappe des kleinwüchsigen Berliner Originals Tobi B. (alias Tobias Böttcher), der sich hier praktisch selbst spielt.

      Als echter Verlierertyp, der immer wieder auf die Füße fällt, reagiert Protagonist Bomber auf alle Lebenswidrigkeiten mit einem abgeklärten Spruch, wobei er sich manchmal selbst die Knüppel zwischen die Füße wirft. Eine eigenmächtige Aktion, mit welcher der Gelegenheitskurierfahrer zu Geld kommen wollte, lässt ihn schließlich als betrogenen Betrüger dastehen. Doch dem Plot kommt dabei nur eine eher marginale Rolle zu. Stärker setzt Stienz auf das Zusammenspiel von Musik, atmosphärische Momente, kleinen Gags am Rande und den linguistischen Verständigungsproblemen der konträr angelegten Personen.

      Das verleiht der lässig hingeworfenen Handlung häufig amüsante Momente, während andererseits manche absurde Sequenz etwas beliebig wirkt. Stets integriert Stienz die beteiligten Interpreten oder die Band Malpi in die Geschichte. Wenn Bomber etwa in einer Kneipe von einem Fan als Malpi-Leadsänger identifiziert wird und mit Bruno sowie der blinden Europe ein Minikonzert gibt, wirkt diese Einlage reichlich bemüht. Vielfach scheinen die Vorbilder von Jim Jarmush bis Aki Kaurismäki durch, deren Sinn für Timing und Stimmung Felix Stienz (noch) nicht immer ganz trifft.

      Neben Tobi B., der schon mehrfach in Stienz´ Kurzfilmen auftrat, bietet die Besetzung eine bunte Mischung aus etablierten Gesichtern und Newcomern. Als verliebte Französin überzeugt die Griechin Stephanie Capetanides, als Blinde dagegen nicht immer. TV-Krimi-Dauergast und Theaterschauspieler Matthias Schering unterstützt mit stoischem Auftreten den lakonischen Tonfall. Als bekannteste Akteurin ist sich Alice Dwyer nach "Ein ruhiges Leben" nicht zu schade für eine weitere Nebenrolle als gelangweilte Kellnerin. Solche Gastauftritte sorgen neben pointierten Gags und dem sympathischen Appell für gegenseitige Akzeptanz, dass das Interesse des Zuschauers trotz etwas Leerlauf nicht auf der Strecke bleibt.

      Fazit: Zwar versammelt "Puppe, Icke und der Dicke" vertraute Versatzstücke des unkonventionellen Kinos, liefert aber dennoch einen vergnüglichen Road Trip mit sympathischen Figuren.
    2. Puppe, Icke & der Dicke: Skurriles Roadmovie, in dem sich eine blinde Pariserin und ein Berliner Kleinwüchsiger begegnen.

      Erfrischend skurrile, musikalische Loser-Ballade, die „On the Road“ von Hoffnungen und Träumen dreier schräger Vögel erzählt.

      Der schrägste und vermutlich auch komischste deutsche Film anno 2012 ist das Regiedebüt des Berliners Felix Stienz, der sich den Publikumspreis beim Max Ophüls Festival redlich verdiente. Sein respektloses Roadmovie verzückt mit sympathischen, völlig verqueren Typen, famoser Musik, lakonischem Witz und viel Herzblut: ein unwiderstehlicher Beweis, dass die heimische Filmlandschaft dringend Input fernab des genormten Filmhochschulmainstreams braucht. Produziert hat das Werk des unbekümmerten Multitalents, der auch Drehbuch und Schnitt verantwortet, wieder einmal das kleine Fernsehspiel vom ZDF, das sich langsam zum Goldstandard für Qualität entwickelt.

      Freak numero uno ist der kleinwüchsige Kurierfahrer Bomber (Tobi B. wie ein Bernhard Hoëcker mit schlechter Laune und deftiger Berliner Schnauze), der zunächst seine Bude an ein bizarres Duo für wilde Gelage untervermietet und anschließend mit der Lieferware nach Paris durchbrennt, aber über’s Ohr gehauen wird. Von dort will die schöne blinde Europe (Stephanie Capetanides) nach Berlin, um ihren One-Night-Stand Matthias zu finden, von dem sie schwanger ist. Einige Zufälle später reisen sie in Bombers Schrottauto zurück, mit an Bord der stumme Dickwanst Bruno (Matthias Scheuring), der in Berlin nach seinen Eltern suchen will.

      Der Reigen umschließt noch die Bedienung Vivian, die auf Bombers Anraten ebenfalls ihren Träumen folgt, doch Zentrum bildet das skurrile Trio: Eine Blinde, ein Stummer und ein Giftzwerg, der eigentlich ein netter Kerl ist. Diese absurde Fahrgemeinschaft von einsamen Unikaten wird in einer wunderbar musikalischen Loser-Ballade besungen, in denen ihre Träume und Hoffnungen auf sympathische bis melancholische Weise anklingen. Die surreale Pointe bilden zahllose Songs, bei denen Musiker auf die Leinwand spazieren und spontan loslegen. Diese famose Atmosphäre aus Underground Open Stage und After-Hour-Stimmung spickt Stienz gekonnt mit lakonischem Witz seiner Originale, die auf Französisch, Berlinerisch und in gebrochenem Englisch munter aneinander vorbeireden und sich doch verstehen. Das spielt in der Kaurismäki-Liga, mindestens. Und ist zugleich ein Lobgesang auf ein Europa, das durch so viel getrennt, aber noch mehr vereint ist. Augenzwinkernde Völkerverständigung, eine Hommage an den Kontinent, wo man sich allenthalben über den Weg läuft. Jeder ist behindert in dieser Welt, so die durchaus herbe Botschaft eines erfrischenden Erstlings, dessen kreative Art Lust auf mehr macht. tk.

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