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Kritikerrezensionen

    1. Fran Lebowitz ist eine scharfzüngige Kolumnistin, die das urbane, soziale, gesellschaftspolitische Leben aus der Sicht ihres New Yorker jüdisch-intellektuellen Geistes mit bösartigen Bonmots, kritischen Anmerkungen und hellsichtigen Kommentaren begleitet. Martin Scorsese porträtiert sie in diesem Dokumentarfilm – besser: er dokumentiert ihre Weltsicht, lässt ihr viel Raum für sarkastische, sardonische Monologe über ihre Lieblingsthemen: New York, Geschlechterrollen, Rassismus, Celebritywahn, Snobismus, Homosexualität, Rauchverbote und sich selbst.

      Das geht ihr glatt von der Zunge, sie hat jahrzehntelange Übung darin – und Scorsese hat die Routine, ihr ein angenehmes Forum zu bieten. Scorseses nicht-musikalische Dokumentarfilme – etwa auch „American Boy“ von 1978 über Steven Prince, einen Freund Scorseses: Schwuler Ex-Junkie, Kleindarsteller, Roadmanager von Neil Diamond etc... Scorsese hat offenbar mit Lebowitz eine persönliche Beziehung aufgebaut, lässt ihr die Offenheit, in intimem Rahmen zu reden – sie sitzen in einer Ecke ihres New Yorker Lieblinglokals Waverly Inn. Dazu schneidet er eine öffentliche Diskussion, in der Lebowitz von Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison interviewt wird und sich anschließend den Fragen des Publikums stellt – um sie auf möglichst unterhaltsame Art zu beantworten. Mit Toni Morrison verbindet Lebowitz eine lange Freundschaft, Scorsese hat zu ihr einen direkten Draht aufgebaut: Die perfekten Voraussetzungen für einen witzigen, abwechslungsreichen, anregenden Dokumentarfilm.

      Denn es ist egal, ob man Lebowitz kennt oder noch nie von ihr gehört hat: wie sie ihre Themen abhandelt, wie sie immer auf eine Pointe aus ist, um doch nie nur die Oberflächlichkeit eines Gags zu suchen, wie sie sich ihrer Meinung sicher ist und zugleich sehr selbstironisch mit ihrer Eitelkeit, mit ihrer Besserwisserei umgeht: Das ist sehens- und hörenswert. Früher, als Kind, sei sie als altklug und frech getadelt worden; inzwischen wird sie als öffentliche Rednerin gefeiert – aus dem „talking back“-Vorwurf wurde die Qualität des „public speaking“. Klug seziert sie die Machtverhältnisse der Geschlechter und der Rassen untereinander, kommentiert die Werke von Dorothy Parker oder James Thurber, erzählt von den Schwulenbars der 70er Jahre und von den heutigen Restriktionen gegen Raucher, von Möchtegernliteraten und von dem Gefühl, dass früher alles besser war.

      Dass sie all diese Meinungen, all ihre Anekdoten, all die geschliffenen Bemerkungen über das Leben und das Zusammenleben seit Jahren mit größter Routine immer wieder bringt – das deutet Scorsese subtil an, wenn er einen Satz, den sie im Gespräch mit Toni Morrison anfängt, in der Kneipe im Interview für den Film beenden lässt. Doch das ist nicht böse gemeint – es ist eher ein Hinweis darauf, wie für Lebowitz ihre Kommentare so etwas wie satirische Nummern sind, Auftritte, die sie gibt, mit denen sie Entertainment betreibt, das zum Nachdenken anregen soll. Nicht zuletzt ist „Public Speaking“ auch ein Film über eine bestimmte Art schlagfertiger angelsächsischer Rhetorik, die mit viel Witz den Ernst der Aussage begleitet, umgarnt, einsäumt, um dann in der Pointe eben doch genau auf den Punkt zu kommen – auf einen Punkt, gegen den Widerrede fast unmöglich ist.

      Fazit: Sehr unterhaltsames Porträt von Martin Scorsese einer rhetorisch gewieften, scharfzüngigen, sarkastischen, hellsichtigen Frau – auch wer von Fran Lebowitz noch nie gehört hat, wird auf seine Kosten kommen.
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