Polizeiruf 110: Wie ist die Welt so stille

  1. Ø 5
   2008
Polizeiruf 110: Wie ist die Welt so stille Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Polizeiruf 110: Wie ist die Welt so stille: Im Verlauf der Ermittlungen zu einem Familienmord überschreitet Kommissar Tauber seine Grenzen...

In einem Münchener Vorort sind drei Menschen brutal ermordet worden. Der Killer hat erst den erwachsenen Sohn im Schlaf erschlagen und dann kaltblütig gewartet, bis die Eltern nach Hause kamen und ebenfalls ins Bett gegangen sind. Kommissar Tauber wird die Bilder des Blutbades nicht mehr los. Weil ihn das Massaker bis in die Träume verfolgt, weigert er sich zu schlafen. Unter dem Druck, endlich Ergebnisse vorweisen zu müssen, treibt er gar einen jungen Verdächtigen in den Selbstmord.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Würde es jemand singen, es wäre ein Wiegenlied für drei Leichen: „Wie ist die Welt so stille“ ist eine Textzeile aus „Der Mond ist aufgegangen“. Auch Ingrid Noll hat sich für ihren Kriminalroman „Kalt ist der Abendhauch“ einen Vers aus dem Gedicht von Matthias Claudius geliehen. So grimmig wie Alex Buresch (Buch) und Alain Gsponer (Buch und Regie) aber hat sich noch niemand von den romantischen Zeilen inspirieren lassen.

    Das Erfolgs-Duo („Rose“, „Das wahre Leben“) erzählt eine Geschichte, die das Format der „Polizeiruf“-Reihe und seine Akteure an ihre Grenzen führen: Tauber, von Edgar Selge sowieso gern als zwiespältige Figur angelegt, wandelt sich nach und konsequent zum Antipathieträger. Allerdings muss man dem Münchener Kommissar, der mit fortlaufender Handlung mehr und mehr einem wandelnden Toten gleicht, zu Gute halten, dass er ein ausnehmend grausames Verbrechen aufklären muss.

    In einem Vorort sind drei Menschen brutal ermordet worden. Der Killer hat erst den erwachsenen Sohn im Schlaf erschlagen und dann kaltblütig gewartet, bis die Eltern nach Hause gekommen und ebenfalls ins Bett gegangen sind. Die Tochter (Nadja Bobyleva) hat nur deshalb überlebt, weil sie an diesem Abend nicht daheim war. Tauber wird die Bilder des Blutbades nicht mehr los. Weil ihn das Massaker bis in die Träume verfolgt, weigert er sich zu schlafen. Prompt wird er aggressiv, erpresst eine Aussage mit Gewalt und treibt unter dem Druck, endlich Ergebnisse vorweisen zu müssen, einen jungen Verdächtigen in den Selbstmord. Am Ende gibt es zwar, den Konventionen des Sendeplatzes gemäß, einen raffiniert überführten Täter, aber keine Gewinner; schon gar nicht die Polizei. Der zwischendurch gar in Kur geschickte Tauber wird noch zwei weitere Fälle lösen, bevor seine Dienstzeit im nächsten Jahr in einem Film mit dem bezeichnenden Titel „Endspiel“ endet, aber reif für die Rente ist er schon jetzt.

    Buresch und Gsponer bereichern die ohnehin regelmäßig herausragenden und immer wieder prämierten „Polizeiruf“-Beiträge des Bayerischen Rundfunks (Grimme-Preise für Dominik Grafs Krimis „Der scharlachrote Engel“ und „Er wollte tot“) um ein weiteres Juwel. Dabei gelingt gerade Gsponer die Gratwanderung zwischen Plakativität und Jugendschutz: Die Brutalität des Verbrechens wird allein durch das Blut im Haus sowie auf nur kurz gezeigten Fotos dokumentiert; der Rest spielt sich im Kopf ab, was die Sache natürlich noch schlimmer macht. Der Film dokumentiert das mit schwärzestem Humor, wenn Tauber im Traum das Röntgenbild eines Schädels sieht, der von einem Baseballschläger eingeschlagen wird.

    Zur konsequenten Demontage des kompletten Ermittlerstabes gehört vor allem die völlige Hilflosigkeit: Tauber und Kollegin Obermaier (Michaela May), die ebenfalls unter dem Trauma leidet, haben nicht den Hauch einer Spur. Das wird einem jungen Mann (Martin Wißner) aus der Nachbarschaft zur Verhängnis: Der Sohn eines erzkatholischen Vaters war offenkundig in den ermordeten Sohn verliebt und kurz vor den Morden am Tatort. Durch die an eine Hexenjagd grenzende Vorgehensweise der Polizei weiß bald die gesamte Siedlung von seiner latenten Homosexualität. In seiner Verzweiflung sieht der Junge nur einen Ausweg; und Tauber ist bei dem Versuch, ein Monster zur Strecke zu bringen, selbst zum Monster geworden. Wenn man lange genug in den Abgrund blickt, blickt der Abgrund irgendwann zurück. tpg.

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