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Nach der Selbsttötung eines mutmaßlichen Mörders muss Hanns von Meuffels sich fragen, ob er vor Jahren den wirklichen Täter überführt hat...

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Kritikerrezensionen

  • Polizeiruf 110: Und vergib uns unsere Schuld: Nach der Selbsttötung eines mutmaßlichen Mörders muss Hanns von Meuffels sich fragen, ob er vor Jahren den wirklichen Täter überführt hat...

    In seinem zehnten Fall plagen Hanns von Meuffels tiefe Schuldgefühle; er hat vor Jahren unsauber recherchiert und der Justiz einen falschen Täter überstellt.

    Eine junge Frau schwimmt in einem See. Sie taucht lachend unter. Gelblich schimmert das Wasser. Dann ein Schnitt, ein Match Cut auf die wirbelnde Trommel einer Waschmaschine. Diese steht in der Wäscherei einer Justizvollzugsanstalt. Ein junger Mann bedient sie. Kurz darauf wird er von Mithäftlingen verprügelt. Zurück in seiner Zelle legt er eine CD auf. Heintje singt „Ich bau dir ein Schloss…“ In der nächsten Szene ist der Insasse tot. Selbstmord. Ein ungewöhnlicher, eindringlicher Beginn. Unbedingter, konsequent durchgehaltener Stilwillen ist angesagt. Kein Standardkrimi, keine ermüdenden Rituale, keine Worthülsen, keine frotzelnden Kommissare.

    Anders, schleichend, irritierend ist Hanns von Meuffels zehnter Fall, der Titel vielsagend: „Und vergib uns unsere Schuld“. Ein Drama, eine Tragödie, katholisch konnotiert, inszeniert von Marco Kreuzpaintner („Sommersturm„), geschrieben vom mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Autorenduo Alexander Buresch und Matthias Pacht („Das wahre Leben“). Meuffels wird ins Gefängnis gerufen. Er hat den vermeintlichen Täter, den Mörder der 16-jährigen Miriam (Lola Dockhorn), einst gestellt. Dann meldet sich der ehemalige Architekt Jens Baumann (Karl Markovics) bei ihm und gesteht die Tat Ein Unfall soll es gewesen sein. Der Mann leidet: „Da ist diese Stimme, die sagt, du musst dich stellen, du musst die Wahrheit sagen, du musst bestraft werden“.

    Meuffels will dies nicht wahrhaben. Er hadert mit sich. Schreit. Trinkt. Der „Baron“, wie ihn alte Kollegen anreden, verliert die Kontenance. Staatsanwalt Rösner versucht zu beruhigen: „Wir haben alles richtig gemacht“. Das sieht der Ermittler anders und rollt den Fall nochmals auf - Flashbacks führen in die Vergangenheit. Im Retro-BMW macht er sich in das Dorf auf, wo das Verbrechen geschah. Zu Zeiten der Fußball-WM, Stichwort Sommermärchen. Die Menschen lachen, jubeln. Lichtdurchflutet, hell sind da die Bilder von Kameramann Philipp Haberlandt („Deutschland 83„). Totalen wechseln sich mit nervöser Handkamera ab. „Child in Time“ von Deep Purple erklingt. Im Hier und Jetzt regnet es nonstop - passend zu von Meuffels‘ Gemütszustand.

    „Wer gibt mir die Strafe, die ich verdiene“, fragt er. Wie ein gebrochener Melville-Held sieht er in seinem Trenchcoat aus. Innen und Außen sind gleichermaßen sichtbar, beim souveränen Mattias Brandt ebenso wie bei seinem verknitterten, ebenso überzeugenden Gegenüber Karl Markovics. Die im Kriminalfilm gerne beschworenen menschlichen Abgründe sind endlich mal nicht nur Behauptung, sondern spür- und begreifbar. Und gleichzeitig ist spannende Unterhaltung garantiert, bis hin zur Auflösung. geh.

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