„Plastic Planet“ im Kino

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Filmhandlung und Hintergrund

Streitbarer und polarisierender Dokumentarfilm über die Maßlosigkeit der Industriegesellschaft und Belastung von Mensch und Umwelt durch jegliche Form von Plastik.

Kunststoffe können bis zu 500 Jahre Böden und Gewässer vergiften, unbekannte Zusatzstoffe sorgen für eine Verringerung der Spermienproduktion und schädigen das Hormonsystem des Menschen. Plastik ist vor allem ein großes Geschäft, die Kunststoffindustrie macht 800 Mrd. Euro Umsatz im Jahr, weltweit werden fast 240 Mio. Tonnen Kunststoff aus vier Prozent der Erdölproduktionen hergestellt. Statt über Nebenwirkungen in der Öffentlichkeit zu diskutieren, stellen Repräsentanten der Industrie die Vorteile heraus.

Plastik ist vor allem ein großes Geschäft, obwohl Kunststoffe bis zu 500 Jahre lang Böden und Gewässer vergiften können. Streitbarer Dokumentarfilm, in dem der Österreicher Werner Boote kein Blatt vor den Mund nimmt.

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Darsteller und Crew

  • Daniel Zuta
    Daniel Zuta
    Infos zum Star
  • Werner Boote
    Werner Boote
  • Thomas Bogner
    Thomas Bogner
  • Tom Gläser
    Tom Gläser
  • Ilann Girard
    Ilann Girard
  • Thomas Kirschner
    Thomas Kirschner
  • Dominik Spreitzhofer
    Dominik Spreitzhofer
  • Ilana Goldschmidt
    Ilana Goldschmidt
  • Cordula Werner
    Cordula Werner
  • Tom Pohanka
    Tom Pohanka

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

    1. Plastik ist billig, praktisch, bunt – perfekt für eine perfekte Kindheit. Dachte Werner Boote immer, dessen Großvater Leiter einer deutschen Kunsstofffabrik war, an die Zukunft von Plastik geglaubt hat und ihm eine Menge Plastikspielzeug geschenkt hat – wodurch Werner der Held der Nachbarschaftskinder wurde.

      Jetzt will es Werner Boote aber genauer wissen, und er befragt John Taylor, Chef des Verbands der europäischen Kunststofferzeuger, einen verbindlichen, freundlichen Lobbyisten, der jeden von den Vorzügen des Plastiks überzeugen kann. Jeden, der nicht sehr genau recherchiert.

      Und das tut Werner Boote, er reist überall in der Welt herum, um dem Plastik auf die Spur zu kommen. Die Sahara, am damaligen Filmset von „Lawrence von Arabien“, ist total zugemüllt. Im Pazifik fischt Boote aus scheinbar klarem Meerwasser viele, viele Plastikteile. In einem englischen Fluss sterben die Fische wegen gewisser im Kunststoff enthaltenen Weichmacher und Zusatzstoffe. Boote recherchiert weitfassend, und er erklärt sein Thema auch genau: Wie Plastik überall auf der Welt zu finden ist, und wie die verschiedenen, geheimen Inhaltsstoffe die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden können: Phtalate, Quecksilber, Bisphenol A…

      Er befragt Chemiker, Umweltanalysten und -aktivisten, Ärzte, Anwälte, besucht eine Kunststofffabrik in China. Was zunächst eine unhaltbare, nun ja, Inhaltsstoffparanoia zu sein scheint, entpuppt sich als echtes Problem: Niemand weiß genau, was in der Plastikfolie drinsteckt, mit der unsere Lebensmittel eingepackt sind. Und niemand weiß, was der ganze Plastikmüll in der Umwelt anrichtet, wenn er von Wind und Wetter zerrieben wird, sich als kleine Teilchen, als Staub überall niedersetzt und nie wieder verschwindet. Plastik tötet nicht – aber es scheint schleichend zu wirken, ist wohl krebserregend, scheint die Fortpflanzungskeime zu beeinträchtigen, erzeugt Allergien, Asthma, Fettleibigkeit etc.

      Und natürlich weiß die Kunststoffindustrie das. Aber die Chemielobby ist stark, bedauert die zuständige EU-Kommissarin, gerne würde sie alle möglichen Stoffe verbieten, aber die politische Realität…

      Werner Boote, der in der Rolle des Plastikliebhabers beginnt, wandelt sich zum Kritiker, zum Sprachrohr der Kunststoffgegner, und versammelt in seinem Film eine Menge Argumente gegen die Plastikisierung der Welt – und deutet manche gar nur an, den Verbrauch von endlichen Ressourcen – sprich: Erdöl – bei der Herstellung etwa. Vielleicht ist er hier zu sehr auf seinen Blickpunkt auf die Kunststoff-Zusätze focussiert, lässt andere Probleme außen vor.

      Er bereitet eben seinen mit seinem ganz persönlichen Blickwinkel auf, den er immer wieder betont, mit seinem offenen Auftreten gegenüber seinen Interviewpartnern; er lockert seinen Film zudem auf mit verschiedenen Haushalten in verschiedenen Gegenden der Welt, die all den Kunststoff im Haus rausschaffen und präsentieren – und das ist eine erstaunliche Menge. Und manchmal wandelt sich alles in einen Cartoon, der die Zusammenhänge näher erklärt.

      Vor allem: Der Film ist ehrlich. Boote erkennt das Problem, zeigt es auf – und weiß keine Lösung (worin er Michael Moore um einiges voraus ist, der meist ganz hanebüchene, unrealistische Meinungen hat, von denen er auch nie abweicht). Das einzige, was vielleicht aus dem Dilemma führen könnte, ist Bioplastik aus nachwachsenden Rohstoffen. Doch der wird derzeit nur in Kleinstmengen hergestellt – 100.000 Tonnen jährlich gegen 800 Milliarden Tonnen herkömmlichen Plastik jährlich allein in Europa. Und: Würde mehr vom Bioplastik auf Stärkebasis hergestellt, würden die Rohstoffe vermutlich die Herstellung von Nahrungsmitteln verdrängen; und man bräuchte vermutlich eine Menge genmanipulierter Kartoffeln und Mais, um die nötige Stärke zu gewinnen – was der Film nicht einmal anspricht.

      Einmal sieht man Boote in einem japanischen Supermarkt, er hat sich Aktivisten angeschlossen und ruft den Kunden Botschaften zu wie „Plastic will kill you!“. Und zwar durch ein Megaphon aus Kunststoff.

      Fazit: Film über Kunststoff, über die Probleme, die Plastik schafft. Sehr gut und umfassend recherchiert, aber ein bisschen zu wenig breitgefächert aufbereitet. Dafür aber sehr ehrlich.
    2. Plastic Planet: Streitbarer und polarisierender Dokumentarfilm über die Maßlosigkeit der Industriegesellschaft und Belastung von Mensch und Umwelt durch jegliche Form von Plastik.

      Streitbarer und polarisierender Dokumentarfilm über die Maßlosigkeit der Industriegesellschaft und Belastung von Mensch und Umwelt durch jegliche Form von Plastik.

      Die Informationen sind beträchtlich in diesem investigativen Kinodokumentarfilm. Unvorstellbar aber wahr - Kunststoffe können bis zu 500 Jahre Böden und Gewässer vergiften, unbekannte Zusatzstoffe sorgen für eine Verringerung der Spermienproduktion und schädigen das Hormonsystem des Menschen, der sowieso schon Plastik im Blut hat. Dabei sehen die Plastikentchen in der Badewanne so putzig aus, ist die Plastikflasche leichter als die aus Glas, nuckeln Kleinkinder an Plastikschnullern und kuscheln sich in mit Weichmacher behandelten Decken, darf uns Gunther von Hagens mit Plastinationsarbeiten in seinen „Körperwelten“-Ausstellungen erschrecken.

      Werner Boote, dessen Großvater zu den Pionieren der Plastikbranche zählte, will polarisieren und aufklären über das einstige Wundermaterial der 1950er Jahre, das heute tagtäglich unser Leben und unsere Gesundheit beeinflusst und ruiniert. Dabei schockiert er mit Fakten und unterhält gleichzeitig, lockert die Horrormeldungen mit Animation auf. Plastik ist vor allem ein großes Geschäft, die Kunststoffindustrie macht 800 Mrd. Euro Umsatz im Jahr, weltweit werden fast 240 Mio. Tonnen Kunststoff aus vier Prozent der Erdölproduktionen hergestellt. Statt über Nebenwirkungen in der Öffentlichkeit zu diskutieren, stellen Repräsentanten der Industrie wie John Taylor vom Verband der europäischen Kunststofferzeuger die Vorteile heraus, oder das, was sie dafür halten. In langen Interviews mit NGOs, kritischen und unkritischen Buchautoren, Wissenschaftlern, Lobbyisten, Schönheitschirurgen oder Ärzten kristallisieren sich Gefahren heraus, die durch politisch Verantwortliche kaum Beachtung finden, obgleich Untersuchungsergebnisse die Alarmglocken schrillen lassen müssten.

      Der „österreichische Michael Moore“ appelliert an den gesunden Menschenverstand und nimmt kein Blatt vor den Mund, macht sich wie sein US-Vorbild Feinde mit manchmal banalen Gags und abgedroschenen Phrasen, kann seine Anklagen aber belegen. Die Bilder von Müllbergen in Wüsten und Meeren sprechen für sich. Der „Plastic Planet“ ist schon Wirklichkeit. Boote, der mit den Recherchen vor zehn Jahren begann und allein vier Jahre für Feinentwicklung des Stoffes und Finanzierung brauchte, möchte keine Propaganda à la „Hallo, ich sage euch, wie die Welt funktioniert“. Ein bisschen sagt er uns das aber schon. Und zwar mit großer Überzeugungskraft und Verve. mk.
    3. „Wertvoll”

        Was bedeutet das „Leben im Plastik-Zeitalter“? Regisseur und Autor Werner Boote will es wissen und macht sich nach 10jähriger, intensiver Recherche auf eine Reise durch die ganze Welt - von Kalifornien, Heimat der Silikonimplantate auf die Mülldeponien von Indien bis zu Japans verschmutzten Stränden. Er besucht Forscher in den USA und Österreich und Angehörige an Krebs erkrankter Arbeiter aus Plastikfabriken in Italien, und rückt so eine erhebliche, globale Problematik ins Bewußtsein, die nicht nur die Industrie allzu gern verdrängt. Dabei findet er in seiner ebenso kurzweiligen wie aufrüttelnden Dokumentation einen guten Weg zwischen Sachlichkeit, persönlicher Motivation und lebendiger Darstellung der katastrophalen ökonomischen wie ökologischen Kreisläufe. Plastik ist verführerisch, doch darauf sollte nach diesem Film keiner mehr hereinfallen! Humorvoll, scharfsinnig, unterhaltsam.

        Jurybegründung:

        Plastik ist in unserer Generation zum scheinbar unverzichtbaren Begleiter in allen Lebens-bereichen geworden. Spannend und unterhaltsam ist die Reise um den Globus auf den Spuren der Belastung durch Plastik, auf die Regisseur Werner Boote den Zuschauer mitnimmt. Bei aller Emotionalität mit gleichzeitig großer Sachlichkeit und ohne Aggressivität lenkt Boote unseren Fokus auf eine Welt, die gegenwärtig ohne Kunststoffe nicht auskommen kann, daher aber bereits mit Problemen und Gefahren vor allem für die Gesundheit der Menschen und der Tierwelt auskommen muss.

        Boote liefert nach seiner über zehnjährigen Materialsuche eine Fülle von Informationen der unterschiedlichsten Art in verschiedenen Erzählsträngen. Er legt mit den Ergebnissen einer großen Zahl von Studien den Finger in die Wunden, gibt aber andererseits den Managern der Plastik-Branche auch die Gelegenheit zu Gegendarstellungen, ohne sie dabei zu desavouieren. Durch den erschütternd spannenden wie auch unterhaltsamen Film zieht sich die Geschichte von Bootes Großvater, einem Pionier der Plastikindustrie, wie ein roter Faden und zeigt auch Bootes eigene Befindlichkeit dem Thema gegenüber.

        Wenn auch die beiden Animationssequenzen sehr plakativ wirken, so besticht der Film durch eine hervorragende Dramaturgie in der Montage der an teilweise außergewöhnlichen Orten des Globus entstandenen Bildfolgen. Die nie vordergründig zum Einsatz kommende musikalische Untermalung wie auch das gesamte Sound-Design gehören zu den weiteren positiven Merkmalen dieses Bewusstsein schaffenden und überaus wichtigen Dokumentes.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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