Pan Tadeusz

  1. Ø 0
   1999
Pan Tadeusz Poster

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Der polnische Altmeister Andrzej Wajda („Asche und Diamant“, Der Mann aus Marmor“) und filmische Chronist der Geschichte seines Landes hat endlich einen seiner langjährigen Träume wahr machen können: die Verfilmung des großen Nationalepos „Pan Tadeusz oder der letzte Fehde in Litauen“ von Adam Mickiewicz aus dem Jahre 1834. Seit vier Monaten läuft der Film mit gigantischem Erfolg in den Kinos Polens, wie unmittelbar vor ihm ein anderer prächtiger Historienfilm nach einem literarischen Klassiker, „Mit Feuer und Schwert“ („Ogniem i mieczem“) von Regisseur Jerzy Hoffman nach dem Roman von Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz („Quo vadis?“). Während Hoffmans Film auf die zehn Millionen Besucher zusteuert, rechnet man für Wajdas elegante Bilderpoesie mit der doppelten Zuschauerzahl.

    Der 73jährige Regisseur, der Mitglied der Berlinale-Jury ist und seinen Film beim Festival am Potsdamer Platz in einer Sondervorstellung zeigte, hat sich mit dem Versepos „Pan Tadeusz“ konsequent auf den romantischen Dichter Mickiewicz eingelassen, der es im Pariser Exil geschrieben hatte. Die Dialoge, Dreizehnsilber mit paarweisem Reim, haben sowohl trefflichen Realismus wie ironische und selbstironische Pointierungen und Poesie der Romantik. Die sprachliche Schönheit und Kraft erschließt sich dem nichtpolnischen Zuschauer natürlich nicht in vollem Ausmaß, doch die geschmeidig opulenten Bilder von Kameramann Pawel Edelman vermitteln visuell ergänzend die Stilisierung der an Emotionen, Dramatik und Spannung nicht gerade armen Erzählung.

    Kurz vor dem napoleonischen Russlandfeldzug spielt die Handlung in den Jahren 1811 und 1812 in einem kleinen Ort in Litauen, das einst zu Polen gehörte und jetzt unter russischer Herrschaft steht. Zwei verfeindete Adelsfamilien vergessen ihren Zwist im gemeinsamen Kampf gegen die russischen Besatzungstruppen. Dabei findet der engagierteste Anwalt des antirussischen Widerstandes den Tod, gibt aber auf dem Sterbebett noch seine geheimnisvolle Identität preis. So sorgt er für die Versöhnung der verfeindeten Familien und gibt den Weg frei für die Verlobung seines Sohnes Tadeusz (Michal Zebrowski) mit Zosia (Alicja Bachleda-Curus). Pan Tadeusz schenkt seinen Leibeigenen die Freiheit.

    Mickiewicz hat mit diesem Epos seiner litauischen Heimat ein Denkmal gesetzt. Auch Wajda ist in Litauen geboren. Nicht nur das verbindet ihn mit „Pan Tadeusz“, sondern vor allem die darin treffende Charakterisierung der polnischen Seele: „Trotz verschiedenster Qualen, Unterdrückung und Leid sind die Polen Menschen, die das Leben lieben und Talent zum Glücklichsein haben. Das hat Mickiewicz zu seiner Zeit so gesehen, und das hat sich bis heute nicht verändert.“ Und so entwirft Andrzej Wajda auch in diesem Film, der so nichts von einem Alterswerk, aber in gewissem Sinne von der Krönung einer bedeutenden Karriere hat, sinnliche Bilder von einer sonnendurchfluteten Natur, von fröhlichen Menschen und actionreichen Schlachten. Den wunderbaren Soundtrack komponierte der geniale Klassiker der polnischen Filmmusik Wojciec Kilar. Es sollte sich ein mutiger deutscher Verleih für diesen Film finden, der unbedingt die große Kinoleinwand braucht. fh.

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