Filmhandlung und Hintergrund

Albtraumhafte Reise ans Ende der Nacht der "Drive"-Macher über einen jungen Amerikaner in Bangkok, der auf einen Rachefeldzug geschickt werden soll.

Die Brüder Julian und Billy betreiben in Bangkok einen Muay-Thai-Boxclub, der nur ein Vorwand ist, um harte Drogen an den Mann zu bringen. Während Julian seine Regungen verbirgt, lebt Billy seine Psychosen ungezügelt aus. Er tötet eine 16-jährige Prostituierte und ruft damit zwei dämonische Figuren auf den Plan: den scheinbar allmächtigen Polizeibeamten Chang, der mit seinem Samuraischwert eine Schneise der Furcht schneidet, und seine Furcht erregende Mutter Crystal, die aus den USA anreist und die Dinge in die Hand nimmt.

Ein junger Amerikaner wird in der ewigen Nacht von Bangkok mit zwei dämonischen Überfiguren konfrontiert. Ultraharter Albtraum mit Extremaction, mit dem das „Drive“-Team Nicolas Winding Refn und Ryan Gosling erneut überzeugt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Wer von Nicolas Winding Refn nur Drive kennt, der sollte sich genau überlegen, ob er diesen Film sehen will. Aber: Brillantes, metaphorisches Arthaus-Kino.
    2. Only God Forgives: Albtraumhafte Reise ans Ende der Nacht der "Drive"-Macher über einen jungen Amerikaner in Bangkok, der auf einen Rachefeldzug geschickt werden soll.

      Albtraumhafte Reise ans Ende der Nacht der „Drive“-Macher über einen jungen Amerikaner in Bangkok, der auf einen Rachefeldzug geschickt werden soll.

      Wie man auf „Only God Forgives“ reagiert, hängt vermutlich stark von der persönlichen Erwartungshaltung hat. Wer sich einen zweiten „Drive“ gewünscht hat, mit dem der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn 2011 seinen Durchbruch feierte und der ihm den Regiepreis des 64. Festival de Cannes einbrachte, ein Lehrstück in cooler Action, wird von dem langsamen Tempo und der bestenfalls in Fragmenten existierenden Geschichte irritiert sein. Wer Refn schon davor schätzte, für seine enigmatischen Meditationen über männliche Gewalt in „Bronson“ und „Valhalla Rising“, wird sich wohl auch in „Only God Forgives“ und seiner so aufreizend artifiziellen Welt der Macho-Riten zurecht finden, auch wenn Refn hier seinen Fetisch für überbordende Gewaltexzesse mit einem Maximum an Nihilismus auslebt: Seine in Blut ertränkte, hyperstilisierte Reise ans Ende der Nacht in Bangkok wirkt, als hätte Wong Kar Wai sich an einem Stoff von Gaspar Noé versucht: Fast der komplette Film, wie immer bei Refn chronologisch gedreht, spielt bei Nacht, ist in kräftige Neonfarben getaucht und ist aufgeladen mit überdeutlicher Symbolik. Selten war so viel Rot in einem Film, der Showdown von „Taxi Driver“ zum einen in Zeitlupe gedreht und gleichzeitig auf Spielfilmlänge gestreckt.

      Die Brüder Julian und Billy haben sich aus den USA abgesetzt hat, um in Bangkok einen Muay-Thai-Boxclub zu betreiben, der allerdings nur Vorwand ist, um harte Drogen an den Mann zu bringen. Beide Brüder sind wenig zimperlich, doch während Julian seine Regungen hinter einem Pokerface verbirgt, lebt Billy seine Psychosen ungezügelt aus. „Zeit, den Teufel zu besuchen“, sagt er und gibt damit die Losung für die kommenden 80 Minuten aus. Er vergewaltigt und tötet eine 16-jährige Prostituierte und ruft damit die zwei dämonischsten Figuren des Films auf den Plan: zum einen den scheinbar allmächtigen Polizeibeamten Chang, der mit seinem Samuraischwert nicht nur eine Schneise der Furcht schneidet, sondern auch menschliche Körper mit geringem körperlichen Aufwand tranchiert, zum anderen Julians Furcht erregende Mutter Crystal, die keine Gelegenheit auslässt, ihren jüngeren Sohn spüren zu lassen, dass sie seinen Bruder immer bevorzugt hat, und die Dinge in die Hand nimmt, als Julian die geplante Rache abbläst.

      Fortan unterläuft der Film alle Erwartungen: Mit einem infernalischen Dröhnen als Dauersoundtrack im Hintergrund, was nicht der einzige Verweis auf David Lynchs „Blue Velvet“ und „Lost Highway“ ist, folgt eine Reihe nicht unbedingt logisch bedingter, bewusst antiklimaktischer Konfrontationen, aus denen ein Duell zwischen Julian und Chang herausragt, in dem Julian, schick im Dreiteiler mit Krawatte, nicht einen Schlag landen kann und von seinem Kontrahenten traktiert wird, bis sein Antlitz mehr wie Hackfleisch aussieht als das so zarte Babyface Goslings. Es ist ein Film voller hoch erhobener Schwerter und Klingen und abgetrennter Gliedmaßen, eine einzige Kastrationsfantasie, deren eigenwilliger und kompromissloser Vision man sich entgegen stemmen mag, aber nicht entziehen kann. Refn hat den Film Alejandro Jodorowsky gewidmet. Wer dessen subversiv-surreale Bilderstürme „El Topo“ und „Montana Sacra“ kennt und nun „Only God Forgives“ sieht, weiß warum. ts.
      1. Der dänische Regisseur Nicholas Winding Refn ("Pusher") hat 2011 mit "Drive" einen absoluten Kulthit erschaffen, der Kritiker und Fans gleichermaßen begeisterte. Da sind die Erwartungen hoch, besonders, wenn das nächste Projekt auch wieder mit Frauenschwarm Ryan Gosling ("Wie ein einziger Tag", "Blue Valentine") in der Hauptrolle aufwarten kann. Umso enttäuschender das Resultat. Denn "Only God Forgives" hat außer Herrn Gosling und dem Regisseur rein gar nichts mit "Drive" gemein. Im Gegenteil: während "Drive" von Anfang an eine fesselnde Story und tolle Charaktere bot, hat Refns jüngstes Werk weder das eine, noch das andere.

        Die Welten, die zwischen den beiden Filmen liegen sind so groß, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als sich zu wundern, was sowie den Regisseur, als auch den Hauptdarsteller dabei wohl geritten hat. Auch Hollywoodstar Kristin Scott Thomas konnte dem von Refn verfassten Skript scheinbar etwas abgewinnen und tritt als freizügig-trashige Mutter von Ryan Goslings Figur in Erscheinung. Doch es hilft alles nichts. Als Zuschauer fühlt man sich weder den Charakteren, noch der Story nahe und verliert das Interesse an dem prätentiösen Film quasi sofort. Bei den diesjährigen 66. Internationalen Filmfestspielen in Cannes ging es sogar soweit, dass regelrecht gebuht wurde.

        Refn führt durch ein von Dunkelheit und Neonlicht geprägtes vollkommen überstilisiertes Werk, das vor Irrelevanz nur so strotzt. Dialogarm und blutreich zeigt er von Gewaltfantasien geprägte Bilder, aus denen man einfach nicht schlau wird. Sicher, wer lange genug sucht und will, der kann sich wahrscheinlich hinsetzen und allerhand schlaue Dinge in "Only God Forgives" hinein interpretieren. Aber im Grunde ist der Film eine abgrundtiefe Enttäuschung. Als Zuschauer wird man das Gefühl nicht los, dass Nicholas Winding Refn darauf aus war, einen Film zu schaffen, den niemand versteht. Und das mit dem Ziel, sein Werk dadurch als unglaublich klug und erhaben zu verkaufen. In Wirklichkeit wirkt der Independent Streifen leider alles andere als das und man wünscht sich schnell seine 90 Minuten zurück, die man vergeudet hat. Selbst eingeschworene Ryan Gosling Fans sei davon abgeraten. Dann lieber ein paar Mal mehr "The Place Beyond the Pines" schauen, denn der lohnt sich wirklich und stellt immer noch ein kleines Highlight des Kinosommers 2013 dar.

        Fazit: "Only God Forgives" von "Drive"-Regisseur Nicholas Winding Refn ist eine Enttäuschung auf allen Ebenen. Großtuerisch und selbstgefällig bietet der Film weder eine gute Story, noch wohlgeformte Figuren. Da hilft auch ein gutaussehender Ryan Gosling nicht mehr drüber hinweg. Eine absolute Zeitverschwendung.

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        Kino.de Redaktion  

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