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Obaba

   Kinostart: 21.06.2007
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Filmhandlung und Hintergrund

Vielfach ausgezeichnete Adaption eines baskischen Romans über skurrile Ereignisse und Bewohner eines Bergdorfes.

Obaba nennt sich das baskische Bergdorf, in das die abgeklärte Studentin Lourdes (Barbara Lennie) aufbricht, um ein Video über die Einwohner fertigzustellen. Aber schon auf der einsamen Waldstraße zu dem Nest stößt sie auf Gasthausbesitzer Ismail (Hector Colome), der Kryptisches murmelt. Im Ort selbst wimmelt es vor Eidechsen, schwer Geschädigten wie dem alten Tomas (Txema Blasco) und anderen Merkwürdigkeiten. Lourdes verliebt sich in Miguel (Juan Diego Botto), dessen Mutter am Grab eines Deutschen (Peter Lohmeyer) trauert.

Die Geheimnisse eines Dorfes entblättern sich mit rundweg hypnotischer Wirkung in der mit spanischen Filmpreisen überhäuften Bestselleradaption von Montxo Armendáriz („Secretos del corazón“). Das skurrile und parodistische Fabulieren berauscht die Sinne.

Filmstudentin Lourdes fährt ins nordspanische Bergdorf Obaba, um eine Doku über die Einwohner zu drehen. Dort erfährt sie nicht nur skurrile Geschichten, etwa über eine Eidechse, die das Gehirn eines Mannes gefressen hat, oder von einem Mann, der die Stimme seiner toten Schwester hört. Sondern sie verliebt sich auch.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Die junge Lourdes sitzt am Steuer ihres Autos. Sie fährt in der Nacht auf einer Straße durch endlosen Wald. Das erinnert an böse Filme. Blitzte da nicht im Licht der Scheinwerfer eine Gruselgestalt am Waldesrand auf? Und dann steht dieser Wagen plötzlich auf der falschen Straßenseite. Ein Mann taucht aus dem Wald auf, Lourdes muss bremsen. In der Hand hält er eine Eidechse mit blauem Kopf. Er schaut, als wäre er ertappt worden.

      Doch anstatt hier die Weichen auf einen Horrorfilm zu stellen, fährt die Geschichte weiter ins Ungewisse. Lourdes kommt in ein uraltes Dorf aus Stein. Im Hintergrund schimmern tagsüber, wenn es nicht wie aus Kübeln gießt, die weißen Felsen der Pyrenäen. Was Lourdes mit ihrer kleinen Videokamera hier sucht, weiß man zunächst noch nicht. Auf jeden Fall scheint die Frau Recht zu haben, die sie vor Ismael warnt. Er ist der Mann, den sie nachts auf der Straße traf. Und in seinem Gasthaus hängt dieses alte Klassenfoto: Darauf hält der kleine Ismael eine Eidechse ans Ohr eines Mitschülers.

      „Obaba“ des spanischen Regisseurs Montxo Armendáriz basiert auf dem baskischen Kurzgeschichtenbuch „Obabakoak oder Das Gänsespiel“ von Bernardo Atxaga. Das Werk wird gerühmt als Illustration der baskischen Identität und als Studie über das Geheimnisvolle in einer abgeschotteten Welt, in der sich Realität und Fantasie vermischen. Der Regisseur macht daraus einen herrlichen Filmspaß, der in die Frage mündet, ob sich das Leben auf einer Leinwand einfangen lässt.

      Lourdes, von Armendáriz als Bindeglied zwischen den Geschichten erfunden, soll mit dem Filmprojekt lernen, den Aufnahmen ihre eigene Bedeutung zu geben. Doch nach einigen Tagen in Obaba stellt sie fest: „Man kann keine Fische fangen, ohne sich nass zu machen.“ Doch bis zu dieser Enttäuschung für das Filmemachen, diesen Punktsieg für das Leben, das Gezeichnetsein, wird man Zeuge spannender Abenteuer. In der doppelten Bedeutung des Wortes spinnen sich Assoziationen durch die Retrospektiven, ziehen ihre zarten Fäden von der Einsamkeit der jungen Lehrerin zur Kindheit des Außenseiters Esteban, zum Trauma, das den erwachsenen Lucas verfolgt.

      In Obaba gibt es Probleme mit der Briefzustellung. Die arme junge Lehrerin ging einst täglich auf die Post, um nach Briefen ihres fernen Geliebten zu fragen. Briefe erhielt jedoch ein anderer: ihr blonder Schüler Esteban, und zwar von einem fremden Mädchen aus Hamburg. Manchmal bringt der Postbote Briefe, mit denen niemand mehr gerechnet hat. Kann man solchen Botschaften aus der Außenwelt trauen?

      Begierde, Verführung und Sünde überfallen die unschuldigen jungen Menschen wie der gnadenlose Regen, besetzen ihre Gedanken oder zwingen sie ins Exil einer Berghütte. Scheinbar kleine Dramen entfalten in der steinernen Kulisse eine erbarmungslose Naturgewalt, der Nachbar mutiert zum fremden Schatten, jeder ist auf sich allein gestellt. Wäre da nicht die Geschmeidigkeit der Eidechsen, oder der kleine Junge Ismael auf seinem Fahrrad. Sein Witz ist wie eine frische Brise, die durch den Film und das Bergdorf weht. Sein Freund Esteban leidet seit Jahren darunter, dass er nicht wie die anderen in die Kirche darf. Eines Tages nimmt ihn Ismael einfach mit – damit sie nachher nicht zu spät ins Kino kommen.

      Fazit: In einem baskischen Bergdorf soll es Eidechsen geben, die das Ohr beschädigen: Herrlich versponnene Fahrt auf dem Rad der Erzählungen.
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    2. Obaba: Vielfach ausgezeichnete Adaption eines baskischen Romans über skurrile Ereignisse und Bewohner eines Bergdorfes.

      Der spanische Oscar-Kandidat und Goya-Gewinner basiert auf dem Buch des baskischen Autors Bernardo Atxaga und fabuliert über die Geschichte(n) der Bewohner eines Bergdorfs.

      „Bis vor kurzem war ich noch normal“, beginnt die Ich-Erzählerin und Protagonistin Lourdes (Barbara Lennie). Nämlich als sie, die abgeklärte Filmstudentin aus der Großstadt, mit einer Videokamera zum nordspanischen Bergdorf Obaba fährt, um eine Doku über die Einwohner zu drehen. Seltsames geschieht bereits auf der nächtlichen Landstraße, wo ihr Ismael (Hector Colome) begegnet, der Besitzer des Hotels. Er sammelt Eidechsen und ist wie der Rest des Dorfes von Zahlen besessen. Dem alten Tomas hat er angeblich eins der Tiere ins Ohr gesteckt, wo es sein Gehirn verschlang. Eine von mehreren Geschichten, die Lourdes erfährt, während sie sich in den jungen Vater Miguel (Juan Diego Botto) verliebt, dessen Mutter das Grab eines deutschen Ingenieurs (Peter Lohmeyer) pflegt. Der Sohn des Deutschen unterhielt eine Brieffreundschaft nach Hamburg. Weitere Geschichten handeln von einer einsamen Lehrerin und einem labilen Mann, der die Stimmen seiner ertrunkenen Schwester hört. Lourdes verirrt sich in diesem eigentümlichen Puzzle aus Erzählungen und vermag darin Einbildung und Wahrheit kaum mehr zu trennen.

      Was auf dem Papier nach einem spannenden Mystery-Thriller klingt, gerinnt unter der Regie von Montxo Armendáriz („Geheimnisse des Herzens“) zu einer betulichen Suche nach Erinnerungen, baskischer Identität und Nationalität, behandelt Einsamkeit, Neid, Wahnideen und Xenophobie. Wirklich skurril oder geheimnisvoll wird es nie, Manien und Obsessionen drängen sich nicht auf oder werden weiter vertieft, weshalb sich auch engere Vergleiche zu Lynch, Bunuel und Zeitgenossen wie Medem erübrigen. Die einfühlsame und melancholische Folklore lässt sich in keine (Genre-)Schublade stecken, sondern bietet unaufgeregtes Arthouse-Kino in gedeckt-dunklen Farben, verzichtet konsequent auf jedes Spektakel. Die parodistischen, verfremdeten Reiseberichte und Legenden aus Bernardo Atxagas Literaturereignis „Obabakoak oder Das Gänsespiel“ kommen allerdings nur bedingt zur Geltung. Seine 25 Erzählungen werden auf per Kapitel angekündigte wenige Geschichten reduziert, deren Gesamtheit Leerstellen offen lässt, in denen man sich gern verliert. tk.
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