NVA

  1. Ø 3.5
   2005
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Filmhandlung und Hintergrund

NVA: Komödie von den Machern von "Sonnenallee" - erneut über ein ostalgisches Thema: das Leben in der "unattraktivsten Armee aller Zeiten", der NVA.

„Abschied von Sex und schönen Mädchen. Abschied von Schnaps und LSD. Abschied von allem, was wir lieben. Abschied, wir müssen zur Armee“. Der Text dieses Liedes, zu singen nach der Melodie „Bad Moon Rising“ von Creedence Clearwater Revival sagt eigentlich alles über das Problem von Heidler (Kim Frank) und Krüger (Oliver Bröcker). Die beiden bemitleidenswerten Wehrpflichtigen müssen den eineinhalbjährigen Dienst fürs Vaterland antreten und sagen Adé zu Freundin, falschen Illusionen und Zivilisation. In manchem Falle sogar für immer.

Wenn der Feind gewusst hätte, wie es bei der NVA aussah – die NVA hätte es schon früher nicht mehr gegeben. Nun dient sie in der neuen Ostalgiekomödie von Leander Haußmann prima als Zielscheibe.

Henrik Heidler will seinen Wehrdienst unbedingt unbeschadet und unauffällig ableisten. Sein neuer Kumpel Krüger dagegen lässt sich gar nichts sagen und geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Aber weder die eine, noch die andere Überlebensstrategie geht auf. Henrik verliert im Laufe seines Diensts seine Freundin, entdeckt eine neue Liebe und vor allem einen guten Freund.

Ein hässlicher Plattenbau namens Fidel-Castro-Kaserne, eine Handvoll grimmiger Offiziere und zwei Rekruten wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Schüchtern und angepasst Henrik Heidler, renitent, langhaarig und provozierend der dicke Krüger. Unbeschadet wollen sie den Wehrdienst überstehen. Was beiden trotz vielerlei Anstrengung nicht gelingt. Doch bevor es zu bleibenden Schäden an Seele und Leib kommt, ertönt der erlösende Gong, sprich: Die Mauer fällt, und die Nationale Volksarmee ist Geschichte.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit „Herr Lehmann“ hatte Leander Haußmann einen frischen Blick auf Langeweile und Gleichgültigkeit zu Zeiten großer Gesellschaftlicher Veränderungen geworfen: Jetzt, bei seiner erneuten Aufarbeitung der Wendezeit, ist der Film selbst langweilig geworden. Haussmann stößt direkt in eine der Säulen des Sozialismus hinein und versucht, von hier aus das Ende der DDR zu beleuchten: die NVA als Metapher für einen sinnlosen, nichtsnutzigen Staat, die zwangsläufig zusammenbrechen wird - am Ende gibt’s auch wirklich eine große Explosion. Allein, er will nicht glücken, der Durchgang durch eine Zeit heftigen Umbruchs gerät zu einem Gewaltmarsch der Langeweile.

    Haussmann, der selbst in der NVA gedient hat, schuf eine Militärklamotte, wie sie im Buche steht: Die Offiziere sind unfähig, bei den Rekruten ist von störrisch bis überangepasst alles dabei, die meisten Geschichten der episodischen Handlung verpuffen wie die Übungshandgranaten beim Exerzieren, es geht um Weiber und darum, dem Zwang soweit wie möglich zu entkommen – und insgesamt war’s ja aber doch keine schlechte Zeit, mit Freunden in der Kaserne abzuhängen, seien wir doch ehrlich, oder? Ach, wie harmlos ist alles, wie schrullig ist der Offizier, der die Waffenausgabe regelt, ohne richtig zählen zu können, wie kriegt doch der Militärstreber sein Fett ab, so dass er ganz in Verbände eingewickelt weitermachen muss, und wenn der Leutnant seinen langen, langen Vortrag über den Sozialismus beendet hat, wird erst mal gesoffen was geht.

    Mit Realität oder auch nur mit Satire hat das alles nichts zu tun, eher mit dem Versuch, aus der Militärzeit so viele Gags wie möglich zu ziehen – und so viele sind das gar nicht. Oft genug sind sie künstlich aufgesetzt, so, wenn das Meerschweinchen eines Offiziers beziehungsreich „Angela“ heißt, haha, oder wenn die frisch angekommenen Wehrdienstleistenden im Waschraum Kubricks „Full Metal Jacket“ nachspielen, wohlgemerkt in der englischen Originalfassung, obwohl sie, zumal in der DDR, natürlich nur die deutsche Synchronisation kennen dürften…
    Überhaupt Kubrick: Warum die dauernden Anspielungen? Es wird ein Geheimnis bleiben, vielleicht wollte Haußmann sich nur dicke tun, wenn er eine Liebesszene mit Ausziehen im Zeitraffer zeigt, obwohl alles rein gar nichts mit „A Clockwork Orange“ zu tun hat.

    Die Charaktere sind natürlich vollkommen unterentwickelt, man lernt sie nie richtig kennen. Alles wirkt unecht, selbst innerhalb der künstlichen Realität, die Haussmann kreiert. Seltsamerweise ist es gerade die ausgestellte Falschheit der Offizierskarikaturen, die ab und zu einen Lacher erreicht. Detlev Buck als Oberst Kalt (der natürlich aussieht wie der scharfe General Turgidson aus „Dr. Seltsam“) ist trocken wie üblich, er und seine Leutnants sind derart blöd, dass man sie schon wieder lustig finden muss. Der Versuch, den Charme der Skurrilität zu verbreiten, gelingt ansatzweise nur hier; wenn dann die Wende kommt und allem ein Ende setzt, sind sie fast schon traurig, nicht mit Waffengewalt gegen den Klassenfeind eingesetzt zu werden: in diesem Moment kommt ein Hauch dessen auf, was der Film an satirischem Potential haben könnte.

    Doch indem das Kasernenleben und auch der Militarismus allzu absonderlich und „lustig“ gezeigt wird, verliert der Film jede kritische Distanz und wird zu einem Werk versöhnlicher Nostalgie.

    Fazit: Man muss einen Film auch danach beurteilen, was sein Regisseur vorher erreicht hat: und nicht nur deshalb genau einen Stern.
  • Nach der Ostalgie-Komödie „Sonnenallee“ und der Kult-Roman-Adaption „Herr Lehmann“ zieht der zum Filmemacher avancierte Theaterregisseur Leander Haußmann die Nationale Volksarmee, jene einst so berühmt-berüchtigte DDR-Institution, durch den Kakao. Doch „NVA“, den Haußmann erneut mit Co-Autor Thomas Brussig und Hauptdarsteller Detelev Buck realisierte, macht sich nicht nur über Soldatentum und militärische Bräuche lustig, die Komödie schlägt zuweilen auch nachdenkliche Töne an,und als roter Faden dienen eine Love Story sowie die Geschichte einer Freundschaft.

    Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich einmal jemand filmisch mit der Armee der Deutschen Demokatischen Republik auseinandersetzen würde. Jetzt haben sich zwei gefunden, die für diesen Stoff auch das entsprechende Expertenwissen mitgebacht haben. Leander Haußmann, der selbst 18 Monate in der NVA diente, und Thomas Brussig, der sich unter anderem mit seinem Roman „Helden wie wir“ als Ostzonen-Fachmann erwies. Nicht zuletzt nach dem gemeinsamen Überraschungs-Erfolg von „Sonnenallee“ war wohl beiden klar, dass man sich auch diesem Thema vorzugsweise auf ironisch-sarkastisch-satirische Art und Weise nähern sollte. Was auch schon die ersten Bilder beweisen: ein hässlicher Plattenbau namens Fidel-Castro-Kaserne, darin eine Handvoll grimmig dreinschauender Offiziere in schlecht sitzenden Uniformen, in heißer Erwartung einer Lastwagenladung voller Rekruten, die kurz vor der Wende zu gehorsamen Soldaten geschliffen, Verzeihung, ausgebildet werden sollen. Darunter zwei Jungs, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Henrik Heidler (Kim Frank), schüchtern, angepasst, der in seinen Gedanken stets bei seiner daheim auf ihn wartenden Freundin weilt, auf der anderen Seite der dicke Krüger (Oliver Bröcker), renitent, langhaarig und stets provozierend Kaugummi kauend. Gemeinsam mit den anderen Glatten – so nannte man damals die Neueinberufenen – lernen sie nur zu schnell das lustige Soldatenleben kennen. Das bestimmt wird von sturen, unverständliche Befehle vor sich hin brüllenden Vorgesetzten, an die körperlichen Grenzen gehenden Drill und dem üblichen, deutsch-demokratisch eingefärbten Politunterricht. Nicht zu vergessen die so genannten EKs, die Entlassungskandidaten, die in der Stube das Sagen haben und mit den Glatten Musikbox (einer wird im Spind eingesperrt und muss singen, wenn eine Münze durch einen Schlitz eingeworfen wird) oder Schildkröte (Stahlhelme werden an Knien und Ellenbogen festgeschnallt, dann wird der „Freiwillige“ wie ein Autoscooter durch die Gänge geschubst) spielen. Doch bevor es zu bleibenden Schäden an Seele und Leib kommen kann, ertönt der Gong, sprich: die Mauer fällt und die Nationale Volksarmee ist Geschichte.

    Die Stärken von „NVA“ liegen eindeutig in der detaillierten Schilderung des Soldatenlebens mit all seinen überholten, menschenunwürdigen Ritualen und dem aus heutiger Sicht lächerlichen Vorschriftenkatalog. Die Figuren sind entsprechend skurril und drastisch überzeichnet. Dabei zu nennen Detlev Buck, der einmal mehr mit seinem minimalistischen Spiel begeistert, hier als Regimentskommandeur Kalt, der im Verlauf des Films nicht einmal seine Miene verzieht. Oder die beiden Oberschleifer, die eines Tages auf dem Kasernen-Dach beim Sonnenbaden erwischt werden und die sich im Übrigen auch sonst zueinander hingezogen fühlen. Das Lachen im Halse stecken bleibt einem dagegen in jenen Szenen, in denen der stets aufmuckende Krüger auf brutalste Weise geschliffen wird, schließlich sogar in einer Besserungsanstalt landet und danach gehirngewaschen zurückkehrt. Hier entwickelt „NVA“ Qualitäten, die an die erste Hälfte von Kubricks „Full Metal Jacket“ oder Schumachers „Tigerland“ erinnern. Auch das Verdienst von Wolfgang-Becker-Entdeckung Oliver Bröcker („Kinderspiele“), der seinem Charakter zahllose Facetten entlocken kann. Im Gegensatz zu Schauspiel-Greenhorn und „Echt“-Sänger Kim Frank, der vor allem lieb und nett sein darf und ansonsten als Liebhaber von Kalts Tochter (Nachwuchshoffnung Jasmin Schwiers bleibt ziemlich blass) für die nie richtig in die Gänge kommende Love Story zuständig ist. Zum Ausgleich sorgt Haußmann mit einem nostalgisch-schönen Soundtrack dafür, dass einige Ostrock-Klassiker nicht in Vergessenheit geraten, sein Ausstatter Lothar Holler („Good-bye, Lenin“) für ein stimmiges Szenenbild und sein Kameramann Frank Griebe („Lola rennt“) für Bilder, die die Tristesse und Eintönigkeit des damaligen Kasernenalltags adäquat wiedergeben. Bleibt zu hoffen, dass die DDR noch viele weitere Institutionen hatte, die es lohnen, einen Film darüber zu machen. lasso.

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