Nur für Personal!

  1. Ø 4
   2011

Nur für Personal!: Von zwei Welten, die mit Wucht aufeinander prallen, erzählt Philippe Le Guay in seiner witzig-turbulenten, in den Sechzigerjahren angesiedelten Milieustudie.

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Filmhandlung und Hintergrund

Nur für Personal!: Von zwei Welten, die mit Wucht aufeinander prallen, erzählt Philippe Le Guay in seiner witzig-turbulenten, in den Sechzigerjahren angesiedelten Milieustudie.

Dienstbare Geister sind die Frauen, die im sechsten Stock wohnen. Temperamentvolle spanische Zimmermädchen und Putzfrauen, die so gar nicht in das bourgeoise Pariser Herrenhaus passen. Der elitäre Börsenmakler Jean-Louis Joubert ist ob dieser Damen zunächst höchst irritiert, kommt mit deren Temperament gar nicht klar. Sie passen nicht in die konservative Gesellschaft, in der er sich sonst bewegt. Doch irgendwie faszinieren die Frauen ihn, und vor allem das Dienstmädchen Maria hat es ihm angetan.

Ein griesgrämiger Börsenmakler wird aus seiner Lebensstarre geweckt, als er sich mit einem seiner Dienstmädchen anfreundet und eine neue Welt entdeckt. Amüsante Grille aus den Sechzigerjahren, in der Philippe Le Guay mit Gusto zwei Welten aufeinanderprallen lässt.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Wertvoll”

    Im Paris der 60er Jahre leben die spanischen Dienstmädchen der feinen Herrenhäuser in den obersten Stockwerken, ohne jedweden Komfort, aber glücklich in ihrer kleinen Gemeinschaft. Als einer der Hausbesitzer eines Tages eher unfreiwillig den Kontakt zu den Bediensteten sucht, begegnen sich zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können. Doch nach und nach findet der etwas steife und elitäre Monsieur Joubert Gefallen an der ihm so fremden Kultur. Bald schon fühlt er sich im sechsten Stock weit wohler als in seinem eigenen piekfeinen Zuhause. Regisseur Philippe LeGuay erzählt in seiner witzig-romantischen Gesellschaftskomödie die Geschichte des Zusammentreffens unterschiedlicher Kulturen, Nationen und Ansichten. Losgelöst von allen politischen Aussagen feiert der Film das Aufeinandertreffen und Miteinander der Verschiedenartigkeit, aus dem etwas Neues erwachsen kann. Der Ensemblefilm lebt von seinen großartigen Darstellern und seinen schnellen Dialogen, bis auf die kleinste Nebenrolle kommt hier jede Figur zu ihrem sympathischen Recht. Vor allem für Fans des französischen Kinos ein Leckerbissen über alle Grenzen hinweg.

    Jurybegründung:

    Im vornehmen Paris von 1960 gilt spanisches Dienstpersonal als fleißig, zuverlässig und günstig. Dies merkt auch der Börsenmakler Jean-Louis Joubert, als seine langjährige Haushälterin nach einem Krach mit seiner Ehefrau kündigt und die junge Maria eingestellt wird, die gerade in Paris angekommen ist und zusammen mit anderen spanischen Bediensteten unter dem Dach seines Hauses lebt. Joubert wird bald aufmerksam auf den ihm bisher völlig verborgen gebliebenen Mikrokosmos im sechsten Stock. Und nachdem er die Bekanntschaft der sehr solidarisch miteinander lebenden Gruppe von Frauen gemacht hat, führt er sich ein wenig wie ihr gütiger kleiner König auf und genießt neben ihrer ehrlich gemeinten Dankbarkeit auch ihre Vitalität. Denn er selbst steckt als typisches Mitglied der Bourgeoisie sowohl privat wie auch beruflich in einem öden Trott. Sein Leben lang hatte er getan, was von ihm erwartet wurde, und so wirken die Lebensfreude und das Temperament der Spanierinnen sehr verführerisch auf ihn. Der Film erzählt davon, wie er sich mit Hilfe der Diensthilfen langsam befreit und eine zögerliche Romanze mit Maria beginnt. Fabrice Luchini spielt Monsier Joubert als einen gehemmten Einzelgänger, der langsam lernt, seinen Eigensinn zu pflegen. Dies zeigt der Regisseur Philippe Le Guay in einigen sehr komischen Szenen, wie etwa jener, in der Joubert bei einer Geschäftssitzung plötzlich beginnt, seinen verblüfften Kollegen von den Problemen seiner neuen Freundinnen zu erzählen. Ein schöner Moment ist auch jener, wenn er seiner Frau einen Seitensprung gesteht, den er gar nicht begangen hat. In einem weniger subtilen Film wäre Madame Joubert sicher ein Hausdrache gewesen, der Maria und alle anderen in ihrem Haushalt drangsaliert. Sandrine Kiberlain darf sie dagegen als eine ebenfalls durch die Konventionen des bürgerlichen Lebens Gefangene spielen, die Komplexe hat, weil sie glaubt, immer noch als ?Landei' angesehen zu werden und ebenfalls im Laufe des Films durch die Krise zu ihrer eigenen Art der Befreiung kommt. Doch all den steifen Franzosen stehlen die Spanierinnen die Show. Als eine verschworene Gemeinschaft von Kolleginnen, die gemeinsam klaglos solche Unannehmlichkeiten wie die ewig verstopfte Toilette hinnehmen (die Monsieur Joubert dann als eine huldvolle Geste reparieren lässt) sind sie eine bunte Gruppe von skurrilen Figuren, die alle als zugleich komische und komplexe Charaktere gezeichnet werden. Entsprechend werden sie von einem starken Ensemble von spanischen Schauspielerinnen verkörpert. Unter ihnen Almodovars Stammschauspielerinnen Carmen Maura und Natalie Verbeke, die in der Rolle der Maria vor lauter Frische und Unschuld zu glänzen scheint. NUR FÜR PERSONAL ist eine von den Komödien, die nur in Frankreich gemacht werden können und die eher ein länger anhaltendes Lächeln als ein lautes Lachen verursachen.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „Nur für Personal!“ ist eine französische Ensemblekomödie, die mit ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit gut unterhält. Regisseur Philippe Le Guay schildert einen heiteren Zusammenprall der Kulturen, wenn er einen Pariser Börsenmakler der sechziger Jahre dazu bringt, sich mit dem spanischen Hauspersonal im obersten Stockwerk anzufreunden. Dabei wird munter an Konventionen und sozialen Schranken gerüttelt.

    Jean-Louis Joubert legt großen Wert darauf, dass ihm sein Zimmermädchen zum Frühstück ein perfektes Ei, dreieinhalb Minuten gekocht, serviert. Aber die alte Bonne Germaine hat sich wieder mal nicht an diese Vorgabe gehalten und antwortet auf seine Vorhaltungen gereizt: Dies sei nicht der richtige Zeitpunkt, um sie mit seinem Ei zu langweilen. Weil sie sich so über Madame Jouberts Absicht ärgert, sich im Zimmer der verstorbenen Schwiegermutter ein Büro einzurichten, beschimpft Germaine ihre Arbeitgeber unverblümt und packt schließlich ihren Koffer.

    Suzanne Jouberts Freundinnen empfehlen als Nachfolgerin ein Dienstmädchen aus Spanien. Im sechsten Stockwerk von Jouberts Pariser Mehrfamilienhaus, in den kleinen Zimmern für Hausangestellte, wohnen schon etliche Frauen, die vor dem Bürgerkrieg in Spanien geflohen sind oder auch nur aus finanziellen Gründen in Frankreich arbeiten. Hierher zieht auch Maria, die die neue Bonne der Jouberts wird. Sie kann das Frühstücksei perfekt kochen, ist höflich, fleißig und zuverlässig. Nachdem sie den Haushalt erledigt hat, begrüßt sie die heimkehrende Hausherrin, die über ihren stressigen Tag klagt und sich aufs Bett fallen lässt. Später erfährt man, dass ihr Pensum aus Terminen bei Freundinnen, Friseur oder Besorgungen besteht. Mit Maria sind sowohl Suzanne, als auch Jean-Louis Joubert vollauf zufrieden, obwohl auch die junge Spanierin im Konfliktfall nicht auf den Mund gefallen ist.

    Als der Hausherr ein paar ausrangierte Möbelstücke ins oberste Stockwerk schleppt, sieht er, unter welch armseligen Bedingungen das Personal haust. Die Reparatur der Toilette, die Erlaubnis für Dolores, ein Telefongespräch aus seiner Wohnung nach Hause zu führen, und schon fallen ihm die Spanierinnen vor lauter Dankbarkeit um den Hals. So viel Wohltat und Großzügigkeit hätten sie sich von einem französischen Hausherrn nicht träumen lassen. Jean-Louis wird mit ihrer Herzlichkeit und Fürsorge reich belohnt, wenn er mit Bauchschmerzen im Bett liegt oder zu einer ihrer Feiern eingeladen wird.

    Fabrice Luchini spielt Jean-Louis Joubert, der sich in der Regel vornehm und förmlich gibt, aber kindlich beglückt lächeln kann, wenn das Frühstücksei gelungen ist oder wenn er in die fremde Welt der kleinen spanischen Gemeinschaft schaut. Suzanne Joubert, gespielt von Sandrine Kiberlain, fesselt mit ihrem Schwanken zwischen Reserviertheit und impulsiven Gefühlsanwandlungen. Maria, gespielt von Natalia Verbeke, gibt sich ihren Arbeitgebern gegenüber vorsichtig-zurückhaltend und strahlt einen natürlichen Stolz aus. Dass Jean-Louis Joubert in Gesellschaft der spanischen Bonnes aufblüht, mag allzu versöhnlich und auch realitätsfern erscheinen. Aber dank der guten Schauspieler und der humorvoll-heiteren Atmosphäre ist der Film ein unbeschwertes Vergnügen.

    Fazit: Leichte, gut gespielte Ensemblekomödie aus Frankreich über einen Börsenmakler, der Bekanntschaft mit spanischen Haushälterinnen schließt.
  • Zärtliche Komödie über den Zusammenprall von französischer Bourgeoisie und spanischem Dienstmädchenalltag im Paris der 1960er Jahre.

    Molière und Marivaux brachten das schier unerschöpfliche Thema schon mit scharfer Zunge auf der Bühne, jetzt hat sich Philippe Le Guay des Verhältnisses zwischen Dienstboten und „Herrschaft“ im standesbewussten Frankreich angenommen und lässt sich dabei von Erzählungen inspirieren. Die charmante Komödie führt in die 1960er Jahre. Spanische Dienstmädchen hausen im berühmt-berüchtigten „6. Stock“, den „chambres de bonnes“, winzigen Kammern. Wasserhähne gab es nur auf dem Flur und die Domestiken müssen sogar einen extra Eingang „Nur für Personal“ benutzen. Zwischen denen da „oben“, die für die da „unten“ in ihren Luxuswohnungen putzen, liegen Welten – bis die hübsche Maria bei den Jouberts (er erfolgreicher Börsenmakler, sie beschäftigte Hausfrau) als Haushaltshilfe anheuert. Monsieur finde Gefallen nicht nur an ihren perfekt gekochten Eiern, sondern auch an ihrer Natürlichkeit und ihrem Temperament und freundet sich bald mit den sechs Spanierinnen unterschiedlichen Alters im sechsten Stock an, sorgt für eine saubere Toilette und die lukrative Anlage des Gesparten, begleitet die fröhliche Kohorte in die Kirche und beim Festschmaus, schwingt auch schon mal das Tanzbein zu südlichen Klängen. Als es zwischen Monsieur und konventioneller Madame kriselt, packt er seine Siebensachen und zieht auch unters Dach.

    Natürlich ist die Fraternisierung zwischen den Schichten reine Utopie, ein nettes, modernes Märchen, was vor allem von seiner Menschlichkeit und seinen auf den Punkt spielenden Darstellern lebt, Fabrice Luchini als biederer Bourgeois mit Gattin Sandrine Kiberlain, Natalia Verbeke als frisch-fromme Maria und die weibliche Armada angeführt von Carmen Maura. Bis ins Detail stimmt alles bei dieser nuancenreichen Milieustudie – die ständig maulende Concierge, die heruntergekommene Dienstbotentreppe, die sich langweilende feine Gesellschaft mit ihren Rissen und Brüchen, die zusammen geschweißte Solidargemeinschaft der Spanierinnen. Dieu merci verirrt sich Le Guay nicht in sozialer Larmoyanz oder Theorien, sondern mixt Kitsch, Klischee und Komik zu einer französisch-leichten Melange, in der Lebenslust über Lebensfrust triumphiert. mk.

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