Nowhere Boy

  1. Ø 4
   2009

Nowhere Boy: Biografisches Drama über die komplizierten familiären Wurzeln und musikalische Entwicklung des jungen John Lennon.

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Filmhandlung und Hintergrund

Nowhere Boy: Biografisches Drama über die komplizierten familiären Wurzeln und musikalische Entwicklung des jungen John Lennon.

John Lennon ist 14, als 1955 sein Onkel stirbt und aus dem charmanten Rebellen ein zorniger wird. Plötzlich beginnt er die Mutterrolle seiner Tante Mimi, bei der er aufwuchs, zu hinterfragen und sucht die Nähe von Mimis jüngerer Schwester, seiner leiblichen Mutter. Sie kauft ihm die erste Gitarre und erlebt, wie ihr Sohn eine Skiffleband gründet und mit Paul McCartney einen Jungen kennenlernt, mit dem zusammen er die Welt erobern wird. Doch das ist die Zukunft, vor der noch die Aussöhnung seiner Familie steht.

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Kritikerrezensionen

  • „Marie, Engelsgesicht, zeig deine Titten!“ – „Hau ab, Lennon. Oder Schwanz raus!“ Und John Lennon lässt die Hose runter: ja, so war er, der Lümmel in der Liverpooler Schule, frech, aufsässig, rebellisch; zudem egomanisch und bemüht cool und auch noch weinerlich. Im Ganzen: sehr verwirrt. Wie es eben ist in der Pubertät, nur dass Lennon sich für etwas Besseres hält und deshalb nicht unbedingt der Meinung ist, sich zurückhalten zu müssen. Später mal, in einem Park, fingert er Marie, und sie bläst ihm einen.

    Die Künstlerin und Fotografin Sam Taylor-Wood porträtiert in ihrem Regiedebüt John Lennon als junger Mann, untere Mittelklasse in Liverpool, in schwierigen Familienverhältnissen: Lennon vor den Beatles. Und das immerhin ist eine Geschichte, die nicht so bekannt ist, die Story vor dem Erfolg, vor dem stardom. Lennon wächst bei seiner Tante Mimi auf, seit seinem fünften Lebensjahr; mit 17 lernt er seine Mutter Julia, Mimis Schwester, neu kennen, und ist zerrissen zwischen zwei Welten, zwischen zwei Frauen: Die harsche, harte, gefühlsbeherrschte Mimi und die lebenslustige, musikbegeisterte, schöne Julia. Johns und Julias erster gemeinsamer Nachmittag, ein Ausflug in einen Vergnügungspark, hat eine durchaus erotische Komponente, ihre Sinnenfreude überwältigt den steife, kalte Verhältnisse gewöhnten John. Sie klärt ihn auch darüber auf, dass der Slang-Ausdruck „Rock’n’Roll“ Sex bedeutet und führt ihn in die Musik ein. Lehrt ihn erste Banjo- und Gitarrenakkorde – und unterschwellig ist auch John klar, dass Julia psychisch labil ist, manische Depression wird angedeutet; ebenso nagt an ihm weiter die Frage, warum er als Kind von seiner Mutter weggerissen wurde. Als er wieder zurückkehrt zu Mimi, weiß er als Ausweg aus dem Familiendilemma: Ich gründe eine Rock’n’Roll-Band. Lederjacke, Gitarre und drei Akkorde reichen: Die Quarrymen sind geboren.

    Taylor-Wood konzentriert sich freilich vor allem auf die Familienkiste; die Bekanntschaft mit Paul und später George läuft eher nebenher. Wobei: Als normale Geschichte eines normalen Teenagers schiene die Handlung entweder zu überzogen oder zu banal. Diese miese Jugend in angespannten Verhältnissen, das Hin und Her zwischen Tante und Mutter, das Nicht-Wissen über die wahren Zusammenhänge dieser Konstellation, um die Umstände seiner Kindheit: Das ist eigentlich nur interessant, weil es sich hier um John Lennon handelt. Und weil es sich hier um John Lennon handelt, würde man gerne auch etwas mehr erfahren über sein künstlerisches Werden – es ist unplausibel bis hanebüchen, wie der Film versucht, aus diesem Leben auf die Musik zu schließen. Was Lennon und die Quarrymen spielen ist einfacher Rock’n’Roll, ganz das übliche; und auch zur späteren Weltkarriere der Beatles lassen sich keine biographisch-kausalen Verbindungen ausmachen.

    Zwar sieht man Lennon mal was in sein Schulheft kritzeln, Comic-Karikaturen und ein Gedicht über ein Walross, gegen Ende verlässt John ein Gebäude, das die Kunstakademie sein soll, in der er studiert. Auch fährt er mal an einem Straßenschild „Strawberry Field“ vorbei, und eine Zeitraffersequenz im Spiegelkabinett nimmt die späteren Richard-Lester-Kabinettstückchen der Beatles-Filme vorweg. Das war’s aber auch, im großen Ganzen.

    So dass der Film zwar Lennons emotional-traumatische Kindheitsbeziehungen gerecht werden kann – im Sinn von emotionaler Verstörung zumindest gute Argumente bringt –, dies aber kaum in Verbindung zu setzen vermag zur Welt des englischen Arbeitermilieus Ende der 50er, Anfang der 60er, oder zur späteren Weltkarriere. Trotz guter Schauspieler, trotz sichtlich penibler Ausstattung, die der Film zum Leben erweckt, bleibt – von Taylor Wood sicher ungewollt – der Eindruck eines jungen Typen, der nicht weiß, was er will, der mit Frauen – ob Mitschülerin oder Tante/Mutter – egomanisch-machohaft umspringt, der nicht Gitarre spielen kann und was Pop- und Rockmusik angeht ein Spätzünder ist.

    Kurz: Der Film verkürzt den künstlerischen Weg so sehr, dass Johns eigener Anteil an allem eher gering ausfällt, dass es scheint, als zögen Paul und George John mit, aus Mitleid vielleicht: nach Hamburg, zum Start der Beatlemania.

    Fazit: Ein Biopic über John Lennons frühe Jahre ist – zumal in diesem Lennon-Jahr mit seinem 70. Geburtstag und dem 30. Todestag – sicherlich überfällig. Aber leider kann der Film nicht richtig überzeugen.
  • Der Junge, der es vermeintlich zu nichts bringen sollte, aber als John Lennon die Welt eroberte, steht im Fokus eines glänzend gespielten Familiendramas.

    In den Fünfzigerjahren, in denen der Rock’n’Roll und auch Lennon erwachsen wurden, ist diese britisch-kanadische Produktion angesiedelt. An der Autobiografie von Lennons Halbschwester Julia orientiert, aber nicht sklavisch faktentreu erzählt das Drehbuch von Matt Greenhalgh („Control“) recht konventionell von den familiär und auch musikalisch prägenden frühen Jahren Lennons. Am Anfang (1955) und am Ende (1958) vom Tod wichtiger Bezugspersonen flankiert, entfaltet sich über einen Zeitraum von wenigen Jahren ein Leben, für das es vermeintlich wenig Perspektive gab. „I’m a wild one“ tönt Jerry Lee Lewis deskriptiv im Soundtrack – und natürlich lässt Teenager John Taten folgen. Sein Direktor sieht den Weltuntergang kommen, weil John alten Damen Pornohefte zeigt, im Park Sex mit einer Mitschülerin hat und auf dem Dach eines Doppeldeckers die Stadt durchquert. Nach dem Tod seines geliebten Onkels wird aus dem charmanten Rebellen ein zorniger. Fortan beginnt er seine Tante Mimi (Kristin Scott Thomas), bei der er aufwuchs, als Mutterfigur zu hinterfragen und sucht die Nähe von Mimis jüngerer Schwester (Anne-Marie Duff), seiner leiblichen Mutter. Das Geheimnis, das diese ungewöhnliche Familienkonstellation erklärt, ist dramaturgisch der Motor des Films und viele Jahre später in Lennons Hit „Mother“ thematisiert – der einzige Song aus dem Umfeld der „Beatles“, der hier original, den Abspann begleitend, eingesetzt wird. Parallel zur familiären Entwicklung verfolgt der Film Lennons musikalische. Sie beginnt mit der ersten Gitarre, die ihm seine Mutter schenkt, führt über seine erste Skiffleband zur Freundschaft mit Paul McCartney und schließlich zu ersten Auftritten mit George Harrison, bis sich mit der Reise nach Hamburg eine neue Ära ankündigt. Auch wenn Aaron Johnson und die anderen Darsteller der Bandmitglieder einige der frühen Songs selbst einspielten und der Musik eine wesentliche Rolle zufällt, ist „Nowhere Boy“ vorrangig ein psychologisches Familiendrama, das Lennons prägende Einflüsse als Mensch erklärt. Johnson gibt wie schon in „Kick-Ass“ in der Titelrolle eine gute Figur ab und sorgte für Schlagzeilen, als er und die 23 ältere Regisseurin des Films, Sam Taylor-Wood, Juli 2010 Eltern einer Tochter wurden. Auch wenn die bekannte Fotografin und Videokünstlerin damit zum dritten Mal Mutter wurde, steht sie trotzdem im Schatten von Kristin Scott Thomas und Anne-Marie Duff, die als Johnsons Filmmütter beeindruckende Darstellungen liefern. kob.

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