Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal

Filmhandlung und Hintergrund

Die Geschichte ist alles anderes als komisch, zumal sie auf wahren Ereignissen beruht: Weil eine französische Firma Implantate mit preiswertem, aber vermutlich krebserregendem Industriesilikon in Umlauf gebracht hat, trugen 400.000 Frauen nach der Brustvergrößerung „tickende Zeitbomben“ mit sich herum, wie es in „Nicht mit uns!“ heißt; einige der eingesetzten Kissen sind sogar geplatzt. Das klingt nicht nach einem...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Geschichte ist alles anderes als komisch, zumal sie auf wahren Ereignissen beruht: Weil eine französische Firma Implantate mit preiswertem, aber vermutlich krebserregendem Industriesilikon in Umlauf gebracht hat, trugen 400.000 Frauen nach der Brustvergrößerung „tickende Zeitbomben“ mit sich herum, wie es in „Nicht mit uns!“ heißt; einige der eingesetzten Kissen sind sogar geplatzt.

    Das klingt nicht nach einem Stoff, aus dem man unbedingt eine Komödie machen müsste, und der Sat.1-Film ist in der Tat nicht komisch; umso seltsamer, dass der Sender ihn trotzdem als „Dramedy“ einstuft. Das Drehbuch von Regisseur Holger Haase basiert auf einer Idee von Hannes Jaenicke, der sich gleich auch eine passende Rolle ausgedacht hat: Axel Schwenn ist ein Anwalt, der als junger Mann die Welt verändern wollte, aber irgendwann sind ihm nicht nur seine Ideale, sondern auch der Glaube an die Liebe abhanden gekommen. Heute ist Schwenn ein Playboy, der sein Talent an windige Mandate verschwendet. Weil er seine Prozesse trotzdem zu gewinnen pflegt, wäre er eigentlich genau der richtige für die drei Frauen, die gerade ihren Implantatsprozess gegen einen großen Pharmakonzern verloren haben. Als Schwenn hört, dass sie ihn nicht bezahlen können, ist die Sache für ihn erledigt; bis er erfährt, wer die Gegenseite vertritt.

    Haase erzählt also zwei Geschichten: hier das bedauernswerte und empörende Schicksal der drei Frauen, dort die Läuterung des Hedonisten, der endlich wieder zur einstigen Haltung zurückfindet. Dieser doppelte Handlungsansatz wäre allerdings noch interessanter, wenn die Figuren mehr Tiefe hätten. Gerade die drei Frauen werden im Wesentlichen auf die Motive ihrer Brustvergrößerung reduziert: Polizistin Jenny (Susanne Bormann) hatte viele Jahre lang Minderwertigkeitskomplexe wegen ihrer kleinen Brüste, Konstanze (Muriel Baumeister) hat drei Kinder gestillt und wollte wieder einen schönen Busen, und bei Porno-Darstellerin Micki (Stephanie Krogmann) erübrigen sich weitere Erklärungen. Die Rolle des Juristen vielschichtiger zu nennen, wäre zwar übertrieben, zumal Jaenicke diesen Schwenn exakt so verkörpert, wie er seine Sat.-1-Rollen immer spielt: ein grober Klotz, aber trotzdem sympathisch; zumindest macht Schwenn jedoch eine gewisse Entwicklung durch. Anfangs wirft der Anwalt mit frauenfeindlichen Sprüchen nur so um sich, was Jennys Kampfgeist provoziert, und schließlich verliebt sie sich in ihn; bis sie zufällig auf ein Video stößt, das Schwenn vermeintlich beim Sex mit Micki zeigt.

    Vermutlich sollten diese Nebenschauplätze dem Film eine gewisse Lockerheit geben, aber sie sorgen bloß dafür, dass er uneinheitlich wirkt. Haase hat für Sat.1 mit „Die Ungehorsame“ (2015) ein richtig gutes Drama über Gewalt in der Ehe gedreht. Umso merkwürdiger, dass er „Nicht mit uns!“ als verkappte Komödie konzipiert hat; zum Schicksal der drei Frauen und ihrer berechtigten Angst vor Krebs passen die flapsigen Sprüche und vor allem die diversen Schlüpfrigkeiten überhaupt nicht. Außerdem verschenkt Haase seltsamerweise ein großes Potenzial: Der Anwalt und die Vertreterin des Konzerns kennen sich nicht nur seit vielen Jahren, sie waren sogar miteinander verlobt, aber Katharina Vogt hat damals ein mieses Spiel mit ihm getrieben; deshalb ist aus dem romantischen Kämpfer für Gerechtigkeit ein Zyniker geworden. Weil Mimi Fiedler die wie Schwenn mit allen Abwassern gewaschene Kontrahentin maliziös lächelnd als schöne Märchenhexe verkörpert, ist die Frau eine ausgesprochen reizvolle Gegenspielerin; leider haben Jaenicke und Fiedler viel zu wenige gemeinsame Szenen. tpg.

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