Filmhandlung und Hintergrund

Martin Brambach krönt eine sehenswerte Komödie über einen Bauunternehmer im freien sozialen Fall.

Stefan hat sich verspekuliert. Die Firma ist pleite, der Besitz wird versteigert, die Familie muss ihr Heim über Nacht verlassen. Als Dach über dem Kopf dient nun ein Wohnmobil, mit dem die Familie zwischen lauter liebenswerten Aussteigern auf dem Campingplatz „Paradies“ strandet. Nach einer Phase der Lethargie überzeugt Stefan die neuen Nachbarn mit der Vision einer Freizeitoase. Was er nicht ahnt: Die Stadt wartet nur auf eine Gelegenheit, um die lästigen Dauercamper loszuwerden.

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Kritikerrezensionen

  • Neue Adresse Paradies: Martin Brambach krönt eine sehenswerte Komödie über einen Bauunternehmer im freien sozialen Fall.

    Martin Brambach ist einer jener Schauspieler, die mit Vorliebe als Nebendarsteller besetzt werden: weil sie in der Lage sind, einer Figur schon mit dem ersten Auftritt ein bestimmtes Profil zu verleihen. Im ZDF-Film „Neue Adresse Paradies“ hat Brambach Gelegenheit zu beweisen, warum er viel zu selten Hauptrollen bekommt.

    Womöglich hatten die Verantwortlichen den FKK-Film „Barfuß bis zum Hals“ vor Augen, als sie ihn besetzten, schließlich spielen beide Filme größtenteils auf einem Campingplatz: Bauunternehmer Stefan hat sich verspekuliert und muss samt Gattin Jenny (Dana Golombek) und Stieftochter Natascha (Leonie Tepe) quasi über Nacht sein Eigenheim verlassen. Geblieben ist der Familie bloß ein Wohnmobil, mit dem das Trio schließlich auf einem Campingplatz am malerischen oberbayrischen Pilsensee landet. Das Gelände trägt zwar den idyllischen Namen Paradies, hat sich im Lauf der Jahre aber zu einem Refugium für allerlei gesellschaftliches Strandgut entwickelt. Nachdem sich Stefan eine Weile seinem Selbstmitleid hingegeben hat, erwacht der alte Kampfgeist wieder. Voller Enthusiasmus begeistert er die Dauercamper von seiner Idee, den Campingplatz zu einer Freizeitoase auszubauen, nicht ahnend, dass man im Rathaus nur auf den richtigen Moment wartet, um die Aussteiger loszuwerden.

    Die Rolle bietet Brambach viele Gelegenheiten, seine große Stärke auszuspielen: Nur wenige Schauspieler sind hierzulande in der Lage, skrupellose Schurken und sensible Raubeine gleichermaßen glaubwürdig zu verkörpern. Der Killerblick ist in dieser Geschichte naturgemäß nicht gefragt, aber dafür darf Brambach das ganze Spektrum zwischen Depression und Euphorie ausleben. Die von Regisseur Peter Stauch ohnehin eher beiläufig inszenierten komödiantischen Momente bilden dabei bloß den Rahmen; die Leistung des Schauspielers ist eher anrührend als erheiternd. In der darstellerischen Disziplin der Zerknirschtheit ist Brambach ohnehin unerreicht; und kaum jemand stolpert so überzeugend in Fettnäpfchen wie er. Dana Golombeks Rolle ist nicht ganz so vielschichtig, aber sie spielt weit mehr als bloß die Gattin an seiner Seite. Die Überraschung des Films ist jedoch Leonie Tepe. Selbst wenn die junge Schauspielerin nicht zuletzt dank der Trilogie „Vorstadtkrokodile“ bereits über eine gewisse Erfahrung verfügt: Sie findet genau den richtigen Ton für die halbwüchsige, zwischen der Solidarität mit ihrer Mutter und dem peinlichen sozialen Abstieg hin- und hergerissen Tochter Natascha; sie fungiert als Erzählerin und verknüpft auf diese Weise die verschiedenen Handlungsebenen.

    Rund um das zentrale Trio gruppiert das Drehbuch (Marlene Schwedler) eine ganze Reihe verkrachter, aber liebenswerter Existenzen, allen voran den Campingplatzpächter, den Michael Tregor mit einer Mischung aus Skurrilität, Pedanterie und Sympathie verkörpert. Auch die weiteren Rollen sind ausgesprochen treffend und markant besetzt. Mit Ausnahme von Steffen Wink (als Jennys Jugendliebe) und Eisi Gulp (als polnischer Leergutsammler) sind die Nebendarsteller praktisch unbekannt, machen ihre Sache aber ausgezeichnet. tpg.

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