Nachbarinnen Poster
Alle Bilder und Videos zu Nachbarinnen

Filmhandlung und Hintergrund

Nachbarinnen: Drama um eine vereinsamte Leipzigerin, die eine polnische Nachbarin bei sich aufnimmt, der wegen Mordverdacht die sofortige Abschiebung droht.

Paketbotin Dora (Dagmar Manzel) führt ein zurückgezogenes, einsames Leben in einem Leipziger Plattenbau und hält fremde Menschen lieber auf Distanz. Das ändert sich, als eines Tages die polnische Nachbarin Jola (Grazyna Szapolowska) Unterschlupf vor der Polizei sucht und Doras bis dato geordnetes Dasein gründlich durcheinander bringt. Jola fürchtet, einen Menschen getötet zu haben. Als Dora jedoch das Gegenteil erfährt, lässt sie Jola aus Angst vor neuer Einsamkeit in ihrem Glauben.

Starke Darstellerleistungen prägen und beleben die dramatische Psychostudie und Filmhochschul-Abschlussarbeit der Regisseurin Franziska Meletzky.

Die Paketbotin Dora lebt einsam und zurückgezogen in einem Leipziger Plattenbau. Eines Tages nimmt sie ihre polnische Nachbarin Jola bei sich auf, der wegen Mordverdacht die sofortige Abschiebung droht. Als sich die Vorwürfe zerschlagen, belügt Dora ihre Nachbarin, um sie weiterhin in ihrer Nähe zu behalten. Bis die verzweifelte Jola hinter die Lüge kommt.

Das Leben der Leipziger Paketbotin Dora verläuft ereignislos zwischen Plattenbau, Arbeit und Stammkneipe. Bis die unter Mordverdacht stehende, polnische Barfrau Jola völlig verstört vor ihrer Tür steht. Dora nimmt sie bei sich auf und versteckt sie vor der Polizei. Die beiden Frauen freunden sich zaghaft an und Dora verliebt sich gar in die geheimnisvolle Untermieterin. Da entkräften sich die Vorwürfe gegen Jola, doch um deren Weggang zu verhindern, täuscht Dora weiterhin vor, die Exekutive suche fieberhaft nach ihr.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Was passiert, wenn der in Routine geronnene Alltag durch ein unvorhergesehenes Ereignis Verwerfungen zeigt? Franziska Meletzky inszeniert in ihrem Diplomfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf genau diese Situation. Die alleinstehende Paketfahrerin Dora schaut dem Leben zu und verliert die Orientierung, als die polnische Nachbarin nächtens vor der Polizei Zuflucht bei ihr sucht und ihr nach und nach aus Liebe die Kontrolle entgleitet.

    Eine Plattenbauwohnung in Leipzig-Mockau gilt nicht gerade als idealer Ort zum Wohlfühlen, ist aber mit seinen niedrigen Decken und den schmalen Räumen richtig gewählt, um die fast klaustrophobische Atmosphäre des Films zu unterstreichen. Hier lebt zurückgezogen die Paketfahrerin Dora. Seitdem ihr Mann sie wegen einer Jüngeren verlassen hat, trägt die Seele Trauer, ist zubetoniert analog der Steinwüste um sie herum. Die wenigen Kontakte beschränken sich auf ihre jüngere Schwester und den sie heimlich verehrenden Nachbarn. In der schäbigen Kneipe im Haus arbeitet eine Polin, die sich den sexuellen Zudringlichkeiten des schmierigen Wirtes erwehren muss. Eines Nachts steht sie zitternd und verletzt vor Doras Tür und bittet, sich bis zum Morgen bei ihr verstecken zu dürfen, glaubt sie doch, den Mann bei einem Handgemenge versehentlich erschossen zu haben. Nur widerwillig nimmt die unfreiwillige Gastgeberin den lästigen Besuch auf – mit weitreichenden Folgen für ihre bis dato geordnete Existenz.

    Geschickt baut die junge Regisseurin die Spannung zwischen den beiden Frauen auf, die Annäherung entwickelt sich bei der Deutschen zu einer obsessiven Zuneigung. Damit die andere bei ihr bleibt, tischt sie immer neue Lügen auf, statt Entwarnung zu geben (das “Opfer” liegt nur leicht verletzt im Krankenhaus und erhebt keinerlei Vorwürfe). Bei dieser Etude über Einsamkeit wirken die Figuren verloren, ihre Bemühungen um Nähe vergeblich. Die weibliche Hauptperson hat sich in ihrem emotionalen Vakuum eingerichtet, unerreichbar für Zeichen der Sympathie von außen. Erst durch die Spontaneität der Fremden wird der Panzer aufgebrochen, ein Stück Verwundbarkeit freigelegt. Die Distanz versinnbildlicht Kamerafrau Alexandra Czok durch den Kontrast von häuslicher Enge zu leergefegten Plätzen. Da erstreckt sich in der Wohngegend ein riesiger Parkplatz, auf dem sinnlos eine marode Imbissstube auf Kunden wartet. Spröde Dialoge beim Endringen in die Vergangenheit lassen die innere Unwirtlichkeit und Verwüstung eines zutiefst verunsicherten Menschen ahnen.

    “Nachbarinnen” richtet sich nicht an Mainstream-Zuschauer, verlangt genaues Zuhören und Geduld, was Längen und logische Ungereimtheiten nicht ausschließt. Nichts zu deuteln gibt es dagegen an den schauspielerischen Leistungen. Jörg Schüttauf überzeugt in seiner liebenswerten Offenheit wie auch eine souveräne Dagmar Manzel in ihrer Abgeschottetheit und Unsentimentalität. Da sitzt jede Geste, jeder Blick, jede Mimik. Angst essen Seele auf. mk.

Zuletzt angesehen und Empfehlungen

Kommentare