Mysterious Skin

   Kinostart: 25.08.2006

Filmhandlung und Hintergrund

Gregg Araki, als Kinochronist amerikanischer Problemjugendkreise kaum weniger bedeutend als Larry Clark, spürt den Folgen von Kindesmissbrauch nach und interessiert sich dabei weniger für das Verbrechen (oder die Krankheit) an sich als vielmehr für die Weise der Betroffenen (Täter wie Opfer), mit den Erlebnissen umzugehen. Das jugendliche Personal, allen voran Brady Corbet, Joseph Gordon Levitt und Michelle Trachtenberg...

Im Herbst des Jahres 1981 machen der jeweils beste und schlechteste Spieler der Baseball-Schülermannschaft von Hutchinson, Kansas, dieselbe schaurige Erfahrung, die ihr Leben auf dramatische Weise beeinflusst. 10 Jahre später hat sich Brian zu einem asexuellen, aber netten Streber entwickelt, der glaubt, er sei einmal von UFOs entführt worden. Der gleichaltrige Stricher Neil dagegen weiß, dass sie beide Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Eine Wiedersehen wird zum klärenden Erlebnis.

Indie-Regiestar Gregg Araki seziert die Folgen von Kindesmissbrauch in einem hervorragend gespielten Teenagerdrama.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Anders als Brian ahnt der Zuschauer schon lange bevor ihm, dass die Schicksale der beiden Jungen miteinander verlinkt sind, und dass die Träume von Brian über seine Entführung durch Aliens nur sein Abwehrmechanismus ist, um größere Tragödien zu verdecken. Doch zunächst folgt der Film den zwei Charakteren separat, wobei beide Geschichten so unglaublich sind, dass sie auch getrennt einen gesamten Film hätten füllen können.

      Mysterious Skin fällt vor allem durch seine überlegene Charakterentwicklung auf. Sowohl Brian als auch Neil sind überwältigend klar gezeichnet, ohne jemals in Klischees zu verfallen, wo es nicht im Sinne des Filmes ist. An solchen Anforderungen wären andere Jungdarsteller zerbrochen, doch Araki hat hier zwei Ausnahmetalente verpflichtet. Gerade Joseph Gordon-Levitt liefert ein mehr als nur überzeugendes Bild ab, er wurde gerechtfertig immer wieder hervorgehoben wenn Mysterious Skin diskutiert wurde. Doch auch Brady Corbet hinterlässt ein bleibendes Bild.

      Im Kontrast du den zwei Protagonisten stehen die Nebencharaktere. Interessanterweise sind diese oft Klischees entsprungen, bieten aber dennoch Überraschungsmomente. Sei es Brians Mutter, die nach der Scheidung von ihrem Mann im Hinterhof auf Flaschen schießt, um kurz danach wieder mit ihrem Strickzeug vorm Fernseher Platz zu nehmen. Dies alles sind aber Dinge, die dem eigentlichen Kern des Filmes noch nicht gerecht werden.

      Denn Mysterious Skin ist ein Film über Kindesmissbrauch. Ungleich anderen Filmen verharrt er nicht in dem puren Entsetzen über die Tat in sich selbst. Um nicht missverständlich zu klingen: Mysterious Skin bietet keine Verherrlichung von Kindesmissbrauch an, der Film hat einen anderen Ansatz um das Unverständliche zu verstehen. Während The Woodsman noch die Seite des Täters analysierte, geht Mysterious Skin darauf ein, die Opfer zu verstehen. Dabei spielt vor allem Neils Verhältnis zum Coach eine zentrale Rolle. Kann es möglich sein, dass man sich in seinen Schänder verliebt?

      Neils Verhältnis zu dem Coach hinterlässt ebenso wie bei Brian eine bleibende Veränderung in ihm. Doch er ist keineswegs paralysiert wie Brian. Der Film stellt niemals in Frage, dass Neil schon vor seiner Begegnung mit dem Coach homosexuell war. Seine Aufgeschlossenheit und vor allem seine Frühreife machten ihn zum perfekten Ziel des älteren Mannes. Aber nichtsdestotrotz hat der Missbrauch eine bleibende Verhaltensstörung bei ihm hinterlassen. Er flüchtet sich immer wieder in kurze Abenteuer mit älteren Männern. Denn dank seines Aussehens ist es meistens nicht er, der sexuelle Dienste leisten muss. Im Gegenteil, Männer zahlen dafür, dass sie ihn anfassen dürfen. Kein Wunder, dass er sich mit der Zeit für gottgleich hält. Und dass Wendy, seine beste Freundin, Eric zu verstehen gibt „Where other people have a heart, Neil McCormick has a bottomless black hole.“

      Brian hingegen wird von Eric als merkwürdig "asexuell" bezeichnet. Da er nicht weiß, was mit ihm passiert ist, flüchtet er sich in andere Erklärungsmodelle. Er ist aber dennoch offensichtlich nicht in der Lage sexuelle Erfahrungen zu machen. Als Avalyn entsprechende Versuche macht, weist er sie brüsk zurück.

      Die beiden jungen Männer müssen erst zusammen finden, um beide eine Katharsis zu erfahren. Allerdings ist dies im Gegenzug noch nicht der Ausweg. Der Film scheint sagen zu wollen, dass es für die Opfer niemals eine ultimative Heilung geben wird, sie bleiben stets gebrandmarkt. So ist weder die Ignoranz ein Weg noch die Glorifizierung, sondern nur die Erkenntnis, dass etwas passiert ist und dass es das Leben zweier junger Männer zerstört hat. Damit erhebt sich der Film von der ‚Kindesmissbrauch ist böse’ Version, die in vielen Filmen präsentiert wird.

      Mysterious Skin ist nur als Ausnahmeerscheinung zu verstehen, mit der leisen Hoffnung, dass es mehr Filme geben würde, die seinem Pfad folgen. Denn dieser Film will nicht nur Unterhaltung bieten, sondern er will Dinge begreifen. So lädt er den Zuschauer auf eine unglaubliche Reise ein, an dessen Ende nicht nur die Katharsis der Protagonisten steht, sondern auch die des Zuschauers. Das macht den Film zu einem unvergesslichen Erlebnis.

      Fazit: Ein Film, der unter die Haut geht, sich im Hirn festsetzt und den man lange nicht vergessen kann und auch nicht sollte.
    2. Gregg Araki, als Kinochronist amerikanischer Problemjugendkreise kaum weniger bedeutend als Larry Clark, spürt den Folgen von Kindesmissbrauch nach und interessiert sich dabei weniger für das Verbrechen (oder die Krankheit) an sich als vielmehr für die Weise der Betroffenen (Täter wie Opfer), mit den Erlebnissen umzugehen. Das jugendliche Personal, allen voran Brady Corbet, Joseph Gordon Levitt und Michelle Trachtenberg, leistet Großes, Freunde des anspruchsvollen Gegenwarts- und Teenagerdramas werden nicht enttäuscht.

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