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My Sweet Pepper Land

   Kinostart: 27.03.2014

My Sweet Pepper Land: Liebesgeschichte im Kurdengebiet in der Grenzregion zwischen Iran, Irak und Türkei.

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Filmhandlung und Hintergrund

Liebesgeschichte im Kurdengebiet in der Grenzregion zwischen Iran, Irak und Türkei.

Der nach der Staatsgründung unbeschäftigte Unabhängigkeitskämpfer Baran sucht nach einem Intermezzo in seiner Heimatstadt die Herausforderung - und er soll sie bekommen: Im Bradost-Gebirge, einer gottverlassenen Grenzregion zwischen Iran und Türkei, nimmt er den Posten des Polizei-Chefs an. Dort steht er mit der idealistischen Junglehrerin Govend auf verlassenem Posten dem Dorfpaten Aziz gegenüber, der mit Kalaschnikow und Korruption im Schmuggler-Mekka regiert. Der knallharte Kriminelle und seine Mannen denken gar nicht daran, sich Recht und Gesetz zu beugen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Mit "My Sweet Pepper Land“, benannt nach einer eher unwirtlichen Dorfkneipe, schuf Hiner Saleem einen ruhigen kurdischen Western zwischen trockener Komik, einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und einem kritischen Kurdistan-Porträt nach der Saddam-Ära. Bereits mit Filmen wie "Wodka Lemon“ und "Dol – Tal der Trommeln“ bewies Saleem seine Vorliebe für Melancholie und bissigem Humor. Wo sein zweiter Film "Wodka Lemon“ noch stärker vom skurrilen Witz im Stile Aki Kauriskmäkis geprägt war, standen in späteren Arbeiten die gewaltige Imposanz von fast ausgestorbenen Landschaften einer Atmosphäre aus Verlorenheit und Einsamkeit gegenüber.

      Während Hiner Saalem seine Filme stets mit Hilfe europäischer Finanziers produzieren konnte, drehte er zwischenzeitig ganz in Frankreich. Nach dem Fall Saddam Husseins kehrte er mit "My Sweet Pepper Land“ aus dem Exil zurück, wobei ihn seine Heimat mittlerweile an die Zustände im Wilden Westens erinnern. Ganz so satirisch wie der makabere Prolog über eine schwierige Hinrichtung mit Seitenhieben auf Bürokratie und Vergangenheitsbewältigung fällt der restliche Film zwar nicht aus. Doch seinen Sinn für die Absurditäten des Alltags verliert Saleem in dieser sozialen, poetischen Bestandsaufnahme in Folge nicht.

      Im Fokus stehen zwei starke Charaktere, die sich gegen alle Widerstände zur Wehr setzen. Nicht unterkriegen lässt sich Dorfsheriff Baran in einem Schwarzmarkt- und Schmuggler-Mekka, da er Zwänge verabscheut und nach eigenen Worten keine Selbstbeherrschung besitzt. Sein Musikgeschmack pendelt zwischen Klassik und Elvis Presley, was Regisseur Saleem Gelegenheit gibt, die traditionellen Perkussions- und Westernklänge des Soundtracks mit Elvis-Klassikern zu kontrastieren.

      Einmal mehr verkörpert Golshifteh Farahani ("Stein der Geduld“), ebenfalls eine Pariser Exilantin, eine starke Frau, ausgestattet mit Selbstbewusstsein und eigenen Vorstellungen. Daher verwundert es nicht, dass Govend in einer patriarchalischen Welt sowohl bei ihrer Familie als auch innerhalb der Dorfgemeinschaft auf Gegenwehr stößt. Wissen und Kultur stehen zwischen Korruption und Kapitalismus auf verlorenem Posten. In diesem Niemandsland bieten besonders die Frauen der männlichen Macht Paroli. Die Rebellengruppe besteht ausschließlich aus jungen Frauen, die mit Gewalt gegen die herrschenden Zwänge vorgehen. Laut Regisseur Saleem stellen sie ein Tribut an eigene Bekannte dar, die einst in entlegenen Gegenden unter schwierigen Bedingungen arbeiten mussten.

      Dabei bediente er sich bewährter Western-Standards mit Ingredienzien wie den ermordeten Amtsvorgänger als böses Omen, einem "Mexican Standoff“ oder dem per Parallelmontage voran getriebenen Showdown. Ein wenig löst Saleem den Konflikt schließlich mit dem Holzhammer, doch sein bissig erzählter Appell für ein neues Kurdistan besitzt einen erfrischenden Ansatz und baut letztlich auf die Macht der Jugend.

      Fazit: Zwischen langsamem Spätwestern, politischer Utopie und ironischen Humor appelliert "My Sweet Pepper Land“ für ein autonomes Kurdistan und der Abkehr von überkommenen Riten.
    2. My Sweet Pepper Land: Liebesgeschichte im Kurdengebiet in der Grenzregion zwischen Iran, Irak und Türkei.

      Moderner Grenzlandwestern aus dem wilden Kurdistan, wo neben dem Duell von Recht und Korruption ein stilles Melodram keimt.

      Seit dem zweiten Irakkrieg 2003 hat sich Kurdistan zur autonomen Region entwickelt und der Freiheitskämpfer Baran will seinen Beruf an den Nagel hängen. Er flieht jedoch vor den Verkupplungsversuchen seiner Mutter ins Grenzgebiet zwischen Irak, Iran und der Türkei, wo ihn die erhoffte Herausforderung als neuer Polizeichef des inmitten dauernebliger Berge gelegenen Ödlanddorfes erwartet. In dem zivilsationsfernen Schmuggler-Mekka, wo das Pferd noch einziges Fortbewegungsmittel ist, regiert der Pate Aziz. Der will seine Macht nicht mit dem Vertreter der Staatsgewalt teilen und intrigiert deshalb gegen den neuen Sheriff und die ebenso idealistische Junglehrerin Govend, lässt dabei notfalls auch mit der Kalaschnikow nachhelfen. Den daraus entspringenden Konflikt zwischen modernem Rechtsstaat und dem tradiert-religiösen Patriarchat gleicht der Situation, als in Amerika der Wilde Westen gezähmt und einsame Gesetzeshüter das staatliche Gewaltmonopol durchsetzten. Das verleiht der in der Gegenwart verorteten Geschichte etwas Anachronistisches, aber Saleem bildet dokumentarisch nah die karge Lebensrealität ab.

      „12 Uhr mittags“ und „Stadt in Angst“ sind nicht nur Vorbilder. Der in Kurdistan geborene Hiner Saleem („Wodka Lemon“) hat den (Spät-)Western-Touch in seinem wechselhaften Stil versenkt, der zwischen Kintopp und Arthaus eigene Wege geht. Pechschwarze Komik lässt erahnen, wie mitleidlos das Duell verlaufen wird, während die in tiefe Melancholie getauchten, oft dunklen Bilder dem Ringen von Moderne und Tradition eine moralische Dimension von Gut gegen Böse verleihen. Zwischen den beiden Idealisten, die Korruption und Opportunisten trotzen, keimt eine sehr elegische Liebesgeschichte, die in der archetypischen, minimalistischen Handlung gleichwohl nur andeutungsweise stattfindet. Spannung und Leidenschaften bleiben jedenfalls unter Verschluss, größere Gewaltausbrüche ebenfalls, wodurch im gemächlichen Rhythmus die heran dämmernde Zivilgesellschaft, Friedensordnung - und immer wieder: Frauenrechte - gegen das finstere Chaos männlicher Übergriffe und Ehrenmorde den vordersten Platz einnehmen, in der Verteidigung moderner Werte. tk.

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