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Musik für Hochzeiten und Begräbnisse

Kinostart: 13.05.2004

Filmhandlung und Hintergrund

Atmosphärisch dichtes Drama aus Norwegen um eine Schriftstellerin, die ihr Haus an einen Musiker vermietet und daraufhin ihren Ex-Mann erschossen vorfindet.

Traumatisiert von Scheidung und Verlust des einzigen Kindes lebt Schriftstellerin Sara (Lena Endre) zurückgezogen in einem sterilen, weitläufigen Haus, das einst ihr Mann, der untreue Stararchitekt, für beide baute. Mit dem literarischen Erfolg ihrer bitteren Autobiographie kehren die Lebensgeister zurück, und Sara vermietet ihr Kellergeschoss dem charmanten serbischen Musiker Bogdan (Goran Bregovic) und seiner trinkfesten Zigeunerband. Als eines Tages ihr Mann wieder auf der Matte steht, überstürzen sich die Ereignisse.

Starke DarstellerInnen und eigenwillige Bilder prägen die mitunter märchenhafte Atmosphäre im vierten abendfüllenden Spielfilm der norwegischen Regisseurin und Wahlitalienerin Unni Straume.

Schriftstellerin Sara lebt einsam in der sterilen Umgebung einer Villa, die ihr Ex-Mann, ein erfolgreicher Architekt, gebaut hat. Hier versucht sie, ihre Scheidung und den Tod ihres Kindes zu verarbeiten. Der Erfolg ihres neuen, autobiographischen Romans gibt ihr neue Kraft und führt zu der spontanen Entscheidung, ihr Hauses an den charmanten Musiker Bogdan und seine trinkfeste Band unterzuvermieten. Doch dann taucht Saras Ex-Mann auf - und liegt kurz darauf erschossen im Keller.

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Kritikerrezensionen

  • Musik für Hochzeiten und Begräbnisse: Atmosphärisch dichtes Drama aus Norwegen um eine Schriftstellerin, die ihr Haus an einen Musiker vermietet und daraufhin ihren Ex-Mann erschossen vorfindet.

    Der Titel „Musik für Hochzeiten und Begräbnisse“ führt in die Irre. Es gibt zwar eine Beerdigung, aber keine Hochzeiten. Das Drama handelt weniger von der Musik des Goran Bregovic, der als Schauspieler debütiert, sondern vor allem davon, wie man den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten, wie mit Trauer umgehen, mit dem Verlust (über)leben kann. Die Nacht singt ihre Lieder hier hart und unerbittlich, aber auch Hoffnung keimt.

    Die Schriftstellerin Sara hat die Erfahrung ihrer Scheidung und den Tod des einzigen Kindes in einem autobiographischen Bestseller niedergeschrieben. Ein Befreiungsschlag für die Autorin, mit dem Erfolg kehrt auch die Lust auf Leben zurück. Um die Einsamkeit aufzubrechen, vermietet sie den Keller ihre pompösen Villa an den serbischen Musiker Bogdan. Eines Abends schneit der Ex-Gatte herein und nach einem leichten Geplänkel über die Veränderungen an der von ihm entworfenen Trutzburg aus Beton, Stahl und Glas, kommen nach und nach schmerzhafte Erinnerungen an die verdrängte Vergangenheit wieder hoch, an die abgestorbene Liebe, an ihr totes Kind. Der überraschende Selbstmord des Mannes und die Begegnung mit dessen schwangerer Lebensgefährtin und einer Geliebten führen zur Katharsis, zu einem möglichen Neuanfang ohne Altlasten.

    Geschickt baut die Norwegerin Unni Straume zwei gegensätzliche Welten auf: auf der einen die genormte in dem an ein modernes Mausoleum erinnernden Haus, in dessen Nüchternheit die Form das Menschliche erstickt und kein Staubkörnchen die morbide Ordnung stören darf, auf der anderen das Chaos der Gefühle, die emotionale Orientierungslosigkeit, der Charme der Improvisation - verkörpert durch Bogdan und seine Roma-Band, eine vitale Truppe, die hemmungslos säuft, kotzt, tanzt und kräftig in die Instrumente greift. Vielschichtig und spannend gestaltet sich die Beziehung zwischen den drei Frauen, die sich das Objekt der Begierde teilten und durch seinen Tod reifen und unabhängiger werden. Und wenn Bogdan am Ende unbekümmert in die Mauer des sakrosankten Gesamtkunstwerkes eine Öffnung schlägt und damit den befreienden Blick nach draußen erlaubt, bedeutet das mehr als nur Symbolik. Auch Sara ist endlich bereit, sich zu öffnen und aus der Wohnwüste auszubrechen, das Eis um ihre Seele schmelzen zu lassen.

    Nicht die Leichtigkeit, sondern die Ernsthaftigkeit des Seins ist Unni Straumes Sache. Trotz aller Erdenschwere, zieht die dramatische Geschichte aber nicht zu Boden - schon allein wegen der drei Schauspielerinnen Lena Endre, Rebecka Hemse und Petronella Barker. Etwas zu kurz kommen Goran Bregovic und seine Musik. Der Komponist von Filmmusiken wie zu Emir Kusturicas „Zeit der Zigeuner“ und „Arizona Dream“, Patrice Chéreaus „Die Bartholomäusnacht“ und Veit Helmers „Tuvalu“ wird hier etwas unter Wert verkauft und darf nur in den letzten 20 Minuten so richtig auftrumpfen. mk.

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