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Müde Weggefährten

Kinostart: 27.02.1997

Filmhandlung und Hintergrund

Stilistisch ansprechender Episodenfilm um eine Gruppe Bürgerkriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien.

Dzimi schafft es, ohne Paß in den Zug nach Budapest zu kommen. Von einem Schlepper werden er und eine Reihe anderer zahlender Flüchtlinge in Deutschland abgesetzt. In Berlin landen sie in einem trostlosen Heim, wo Moslems mit Orthodoxen, Serben mit Bosniern konfrontiert werden. Mit unerfüllten Hoffnungen kehrt ein Teil von ihnen zurück.

Stilistisch ansprechender Episodenfilm um eine Gruppe Bürgerkriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien.

Darsteller und Crew

  • Martin Hagemann
    Martin Hagemann
    Infos zum Star
  • Dario Suk
    Dario Suk
  • Sabrina Hodzic
    Sabrina Hodzic
  • Suada Karisik
    Suada Karisik
  • Emir Joldic
    Emir Joldic
  • Gordana Zeitz
    Gordana Zeitz
  • Boro Stjepanovic
    Boro Stjepanovic
  • Dragan Maksimovic
    Dragan Maksimovic
  • Ivan Gosevski
    Ivan Gosevski
  • Nevres Memic
    Nevres Memic
  • Zoran Solomun
    Zoran Solomun
  • Roland Schmidt
    Roland Schmidt
  • Radoslav Vladic
    Radoslav Vladic
  • Ingeborg Fülepp
    Ingeborg Fülepp
  • Milimir Draskovic
    Milimir Draskovic

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Müde Weggefährten: Stilistisch ansprechender Episodenfilm um eine Gruppe Bürgerkriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien.

    „Fünf Geschichten aus dem Krieg“ erzählt der Dokumentarfilmer Zoran Solomun in „Müde Weggefährten“, seinem zweiten Spielfilm, der sich gerade frisch den Max-Ophüls-Preis verdient hat und in der Deutschen Reihe der Berlinale vorgestellt wird. Seinen dokumentarischen Wurzeln folgend ist Solomun ein authentischer, gleichzeitig auch stilisierter fragmentarischer Blick auf das Schicksal einer handvoll Bürgerkriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien gelungen.

    Der kroatische Filmemacher, der schon vor dem Krieg 1990 nach Berlin gekommen ist, schöpfte sein Material aus Erzählungen bekannter Flüchtlinge, Dialogfetzen, aus Zeitungsartikeln und literarischen Zitaten. Und ein Großteil seines Schauspieler-Ensembles teilte die Erfahrungen ihrer Figuren, die sich aus Bosniern, Serben, orthodoxen Christen und Muslimen zusammenwürfeln. In der ersten Episode versucht Dzimi/Jimmy (Dario Suk), ein Wehrdienstverweigerer an der serbisch-ungarischen Grenze in den Zug nach Budapest zu kommen. Er klettert durchs Fenster, von vielen hilfsbereiten Händen unterstützt und übersteht ohne Paß, in der hintersten Ecke des Abteils versteckt, die Paßkontrolle. Die am Rande stehende Dzimi/Jimmy-Figur ist das Bindeglied zwischen den sonst nur lose zusammenhängenden fünf Episoden, die überdies durch Zwischentitel, die an Fassbinder-Filme erinnern, getrennt sind. Die Zwischentitel, bestehend aus Orts- und Zeitmarken und einem Zitat aus dem Munde einer der Figuren, skizzieren ironisch die Situation: „Und wenn schon alles Lüge ist - das Schießpulver bleibt trocken“ und vor der letzten Episode, in der Muhameds Familie den Sarg des sich aus Verzweiflung erhängten Familienvaters nach Bosnien überführen: „Wir haben einen Toten, aber mit ordentlichen Papieren.“

    Die authentisch wirkenden Szenen werden durch die extrem raffende Erzählweise, Diskussionen über Religions-, Kulturzugehörigkeit, Sinn und Unsinn des Krieges, die sofort auf den Punkt kommen, und die ironisch pointierten Dialoge stilisiert. Solomuns Figuren leiden nicht nur unter dem materiellen und sozialen Verlust, den der Krieg verursacht hat, sondern v.a. am Verlust ihrer Identität. Neben den E-Gitarrenklängen von Milimir Draskovic, die wie bei „Dead Man“ die Handlung fast kontinuierlich begleiten, und die zum Teil sehr ausgewählten, symbolträchtigen Bilder tun das ihrige, um den Dokumentarstil der einfach gehaltenen, ruhigen Kameraarbeit von Radoslav Vladic zu brechen: In der dritten Episode spielen Kinder im Hinterhof eines Asylantenheim Tischtennis und mit einer aus dem Müll geholten toten Amsel. Das Abschlußbild der Szene zeigt Ball und Amsel nebeneinander in Großaufnahme. Ein schöner kleiner Film, vom ZDF und zerofilm produziert, der unter seiner rohen, dokumentarischen Schale einen Perlenglanz entfaltet, der jedes Programmkino schmückt. hai.

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