Filmhandlung und Hintergrund

Rührende Bestsellerverfilmung über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem13-jährigen Juden und einem älteren Araber.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts betreibt der alte Monsieur Ibrahim (Omar Sharif) in der Rue Bleue seinen kleinen Kramladen und wird zum Anlaufpunkt und Sorgenonkel für den heftig pubertierenden, von seinen Eltern vernachlässigten Moise (Pierre Boulanger), seines Zeichens Mitglied der jüdischen Gemeinde von Paris. Wundersam unbeeinträchtigt von politischen und religiösen Grabenkämpfen entwickelt sich ein reiches Vertrauensverhältnis zwischen Alt und Jung.

Eine Toleranzbotschaft im Sinne Lessings, verkörpert von einem jungen und einem alten Schauspieler der Extraklasse. Regisseur Francois Dupeyron setzte die einfache, aber überzeugende Story nach dem gleichnamigen Bestseller in Szene.

Monsieur Ibrahim betreibt ein kleines Geschäft in der Pariser Rue Bleue, das tägliche Anlaufstelle für den jungen Moses geworden ist. Aus den wenigen Sätzen, die Ibrahim und Moses anfangs wechseln, werden bald tiefsinnige Gespräche, in denen sich der Ältere als Experte für alle Fragen des Lebens erweist. Mit Hilfe seiner Weisheiten, die er dem Leben und dem Koran entnimmt, eröffnet er dem Jungen eine neue Welt.

Der junge Jude Momo lebt Ende der 50erJahre mit seinem depressiven Vater im jüdischen Viertel von Paris. Weil die Mutter sie verlassen hat, besorgt der ernste Momo den Haushalt und gönnt sich mit Besuchen bei den Prostituierten seines Viertels den einzigen Ausbruch aus dem Alltagstrott. Nur Monsieur Ibrahim, der türkische Lebensmittelhändler, interessiert sich für den Jungen und lässt ihn an seiner Weisheit teilhaben. Als Momos Vater Selbstmord begeht, nimmt sich Ibrahim des Teenagers an und eröffnet ihm völlig neue Perspektiven…

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Kritikerrezensionen

  • Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran: Rührende Bestsellerverfilmung über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem13-jährigen Juden und einem älteren Araber.

    Auf den Filmfestspielen in Venedig wurde Omar Sharif der Ehrenlöwe für sein Lebenswerk verliehen. Aus diesem Anlass wurde sein jüngster Film „Monsieur Ibrahim“ gezeigt, in dem der Star aus „Lawrence von Arabien“ und „Doktor Schiwago“ nach einigen eher unbedeutenden Leinwandauftritten wieder zur Höchstform aufläuft. Die Rolle des Monsieur Ibrahim ist wie geschaffen für ein Comeback des ägyptischen Schauspielers, der dem Kino eigentlich für immer den Rücken kehren wollte. Auch mit Anfang Siebzig verfügt er noch über eine charismatische Leinwandpräsenz, von der viele seiner jungen Kollegen nur träumen können.

    Paris in den frühen Sechziger Jahren: Moses ist 13 und lebt mit seinem Vater in der Rue Bleue, in einem jüdischen Viertel der Stadt. Der Junge führt ein tristes Dasein: Moses‘ Mutter hat die Familie vor Jahren verlassen, sein unter Depressionen leidender Vater erstickt jedes Fünkchen von Moses‘ Lebensfreude im Keim. Eine faszinierende Abwechslung bieten für Moses die Prostituierten in der Nachbarschaft, für die er sein Sparschwein schlachtet. Nach der Schule muss sich Moses um den Haushalt kümmern. Die Einkäufe erledigt er in einem kleinen Lebensmittelgeschäft um die Ecke, das von Monsieur Ibrahim geführt wird. Ibrahim ist eigentlich Türke, aber alle im Viertel nennen ihn nur den Araber. Auch Monsieur Ibrahims Leben ist von Monotonie und Einsamkeit gezeichnet. Trost spendet ihm allein die Lektüre des Korans. Eines Tages kommen die beiden Außenseiter ins Gespräch. Der Junge stellt fest, dass ihm Monsieur Ibrahim wertvolle Tipps geben kann und beispielsweise ein Lächeln das Leben ungemein erleichtert. Die wohldosierten philosophischen Lebensweisheiten und die Wärme des alten Mannes öffnen Moses die Augen für die kleinen Freuden des Alltags. Ibrahim wird für ihn immer stärker zur Vaterfigur. Als der leibliche Vater des Jungen sich das Leben nimmt, adoptiert Ibrahim Moses. Schließlich unternehmen die beiden eine Reise an den Bosporus – denn Ibrahim will vor seinem Tod noch einmal seine Heimat besuchen.

    Regisseur François Dupeyron hat sich bislang eher mit schweren Stoffen einen Namen gemacht; in Deutschland liefen der Horrorthriller „Die Maschine“ (1994) und das Drama „Nächtliche Sehnsucht“ (1988) im Kino. Mit der Verfilmung des Bestsellers von Eric-Emmanuel Schmitt ist ihm nun ein leichtes und warmherziges Plädoyer für Freundschaft und Toleranz gelungen. Angenehm ist, dass Dupeyron die Botschaft der Völkerverständigung nicht überstrapaziert, im Vordergrund stehen die Charaktere und die zwischenmenschlichen Töne. Der Film lebt von seiner exzellenten Besetzung: Omar Sharif als Monsieur Ibrahim ist ein wahrer Prinz im Krämerladen. Leinwandneuling Pierre Boulanger als Moses ist ihm ein würdiger Gegenspieler, sein spröder Charme verhindert, dass manche Szenen ins Kitschige abgleiten. Die Bilder in der Rue Bleue sind mit einer angenehmen Leichtigkeit inszeniert. Die Geschichte nähert sich behutsam den Figuren und gibt ihnen Zeit und Raum sich zu entwickeln. Ein Blick oder ein Lächeln wiegt oft stärker als der Dialog. Die Unbeschwertheit verliert sich mit der Reise der Protagonisten in die Türkei, die einen dramaturgischen Bruch darstellt. Der Film hebt dann stark ins Melodramatische und Märchenhafte ab, das Ende ist vorhersehbar. Besondere Sorgfalt legten der Regisseur und seine musikalischen Berater auf den Soundtrack, den Pop der frühen Sechziger Jahre. Ob in der Rue Bleue oder in Istanbul: Die Teenager tanzen den „Madison“, einen der berüchtigten Modetänze der Sixties, der sich über Kultur- und Sprachgrenzen hinwegsetzt. Lange vor MTV gab es offenbar schon dieses identitätsstiftende Moment in der Popmusik. Ein Film, der richtig platziert das Zeug dazu hat zum Liebling eines breiten Arthouse-Publikums zu werden. zim.

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