Filmhandlung und Hintergrund

Ruhiges, beklemmendes in grandiose Optik getauchtes Werk über Hitlers Geliebte, das Böse und die Erlösung davon.

1942: Eva Braun schaut von der Terrasse einer abgelegenen Hütte in den Berchtesgadener Alpen auf das umgebende Panorama. Sie erwartet ihren Geliebten Adolf Hitler, „Adi“ genannt, seine Vertrauten Martin Bormann, Joseph Goebbels und seine Frau Magda für ein gemütliches Wochenende, an dem man sich unterhält, die schöne Umgebung genießt.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Moloch: Ruhiges, beklemmendes in grandiose Optik getauchtes Werk über Hitlers Geliebte, das Böse und die Erlösung davon.

    Charlie Chaplin machte in „Der große Diktator“ Adolf Hitler zur in Neurosen verstrickten Karikatur. Auch Russlands Regie-Ikone Alexander Sokurow versucht eine Annäherung an „den Führer“ und will gleichzeitig dessen „Mythos“ entschlüsseln: In einer Art intimen Studie über 24 Stunden auf dem Obersalzberg, wo Hitler im Frühjahr 1942 mit Eva Braun und seiner Entourage Sottisen von sich gibt.

    In Cannes löste Alexander Sokurow 1999 Irritationen aus. Der Regisseur, dessen „Mutter und Sohn“ in über 25 Länder verkauft wurde, der als Vertreter eines „reinen und kompromisslosen Kinos“ gilt und dessen Filme fast zehn Jahre in der Sowjetunion nicht gezeigt werden durften, verschreckte mit einer extrem düsteren Betrachtung. In grün-grau-Tönen und mit viel Nebel beschreibt er einen Tag aus dem Leben von Adolf Hitler und Eva Braun, die sich auf dem Obersalzberg mit Parteigenossen treffen. Zu Beginn räkelt sich die wartende Geliebte als Nackedei auf den Zinnen und lauscht Marschmusik, tanzt lasziv unter den gierigen Blicken der Wachposten. Wenn „der Führer“ mit seiner Entourage - Martin Bormann, Joseph Goebbels und dessen Frau Magda - ankommt, schlägt die Stimmung ins Absurde um. „Adi“, wie Eva ihn nennt, zeigt sich als Hypochonder, plaudert Wirres über den Russlandkrieg, Stalin, Mussolini und vegetarisches Essen, läßt sich von seinen Hofschranzen, die um seine Gunst buhlen bei kargem Mahl feiern und behauptet, noch nie etwas von Auschwitz gehört zu haben. Aber der schwarze Humor erreicht nie die Schärfe von Chaplins beissender Slapstick-Satire. Basierend auf den protokollierten „Tischgesprächen“ entlarvt Sokurow die Reden als leeres Geschwätz und hohlen Pathos. Die Figuren bewegen sich somnambul wie auf einer Theaterbühne mit manchmal sehr künstlichen Dialogen. Nur Eva Braun wirkt menschlich in ihrer Zuneigung zu dem bei Sokurow mutterfixierten Hitler („Ein Genie zu lieben. Ich kann es nicht erklären - es ist wie der Versuch, die Sonne oder den Mond zu lieben“). Der Monumentalismus und die Düsternis der Bilder faszinieren und stoßen gleichzeitig ab, die formale Schönheit lässt kalt, nur selten spürt man die ungeheure Diskrepanz zwischen Machtfülle bzw. Machtwahn und dem fatalen Männlein, das weniger an einen Tyrannen erinnert als an eine Comic-Figur. Mag das Feuilleton auch jubeln, die Hermetik dieses

    makabren Porträts macht es dem Zuschauer schwer, einen Zugang zu dieser Form von Geschichte(n) zu finden. mk.

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