Filmhandlung und Hintergrund

Jugendliebesdrama um ein Mädchen, das sich als Junge ausgibt und damit für Gefühlswirbel und Geschlechtsverwechslungen sorgt.

Die 22-jährige Melanie (Anjorka Strechel) ist burschikos, trägt gern Männerkleidung und hat noch keinen Freund. Als die 14-jährige Anhalterin Jenny (Lucie Hollmann) sie für einen Jungen hält, gibt sie sich als Miguel aus dem portugiesischen Faro aus. Jenny verliebt sich in den vermeintlichen Mann und Mel ist ihrem tristen Leben endlich entkommen. Nur ihrer Familie muss sie einen Freund vorlügen. Ein Arbeitskollege übernimmt den Part.

Die Sehnsucht nach einer neuen Identität führt zu einem wackligen Lügengebäude, das wie ein Kartenhaus zum Einsturz verdammt ist - eine gewitzte, doppelte Verwechslungskomödie, die Nana Neul als heiter-melancholischen Aufbruch ins Erwachsenenalter veranstaltet.

Die 22-jährige Melanie sieht burschikos aus und hat eine tiefe Stimme. Nachts wird sie von der 14-jährigen Jenny für einen Jungen gehalten. Da ergreift Melanie die Gelegenheit, sich - inspiriert von ihrem neuen Arbeitskollegen - als Miguel aus dem portugiesischen Faro auszugeben und Jenny näher kennenzulernen. Melanie muss indes dem großen Bruder und ihrem Vater einen Freund präsentieren. Der besagte Arbeitskollege übernimmt gegen Bares diesen Part.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Mel beginnt ein doppeltes Doppelspiel: ihrer Familie setzt sie einen fingierten Freund vor, Miguel aus dem portugiesischen Faro, eine Rolle, die sich ihr Arbeitskollege gut bezahlen lässt. Und gegenüber Jennifer, in die sie sich verliebt hat, spielt sie selbst einen Jungen, nämlich Miguel aus dem portugiesischen Faro. Ein Lügengebilde, aus dem kaum mehr zu entkommen ist ohne Krach mit der Familie und den Verlust der Liebe.

      Das Zwei-Fronten-Doppelspiel ist Ausdruck des Doppellebens, das Mel schon lange führt, ohne es zu merken. Schon lange wurde die 22jährige von Vater, vor allem vom Bruder aufgezogen, weil noch immer kein Freund in Sicht ist. Und erst als sie sich nach einem nächtlichen Beinahe-Autounfall in Jennifer verliebt, nach einem Abend in der Disco und einer Nacht unter freiem Himmel mit Sternen und Flugzeugen über sich, kann sie sich eingestehen, dass Männer ihr vielleicht nicht liegen, weil sie lieber mit Mädchen auf dem Autodach liegt.

      Das scheint ein Topos des schwullesbischen Kinos zu sein, das Spiel der Geschlechter, das Verkleiden und Täuschen, das sich dann im Coming Out auflöst. Eine Vertauschung der Geschlechtsidentität: das hat der Film mit dem Schwank, mit dem Lustspiel à la Charlys Tante gemein, doch natürlich verfällt er nicht in Zoten oder oberflächliche Gags, zeigt das Verwechslungs- und Täuschungsspiel als ernste Sache, als Dilemma. Das hier freilich nie pathetisch oder prätentiös wird, wie es etwa in Angelina Maccarones „Fremde Haut“ der Fall war. Nana Neul geht ganz einfach vor, dramatisiert die Probleme nicht über, unterschätzt sie auch nicht. Direkt, ohne Finessen, freilich auch ohne große Raffinesse geht sie in ihrer Coming-Out-Geschichte vor.

      Das Schöne ist, dass die unglaubliche Verstrickung in Lüge und Täuschung nach zwei Seiten ganz selbstverständlich daherkommt. Und sie lässt daneben eine zarte kleine Liebesgeschichte entstehen, zwischen Mel, die zum ersten Mal einer Frau nahe kommt, und Jenny, die in ihr einen Jungen sieht und ebenfalls die erste Liebe entdeckt. Eine unmögliche Liebe zur 14jährigen, die Mel für 16 hält, in das Girlie mit blondiertem Haar, rosa Mädchenzimmer, in überbetont aufreizend-weiblicher Kleidung, wie sie nur Teenager im Ausprobier-Stadium erlaubt ist. Da ist es egal, dass die Grundvoraussetzung konstruiert ist – Mels Körper ist zu weiblich, ihre Stimme zu hoch, als dass sie wirklich als junger Mann durchgehen würde.

      Doch hier setzt das andere Thema des Films ein, das die Vorurteile und Borniertheiten von Mels Umwelt verhandelt: So wie sich die junge Jenny von Mels männlicher Kleidung und ihrem männlichen Verhalten täuschen lässt und von vornherein davon ausgeht, es mit einem Mann zu tun zu haben, so verstockt bleiben den ganzen Film über Mels Vater und Bruder, die ihr Anderssein verdrängen und sie stets in das konventionelle Schema drängen wollen, ebenso wie Jennys Mutter und ihre Freunde, die schließlich gar eine Menschenjagd gegen die Lesbe, die „Mösenleckerin“ veranstalten.

      Eine allzu starke Entwicklung dieses Handlungsstranges ist das, der die Leichtigkeit, die ansonsten im Film vorherrscht, etwas überstrapaziert. Doch vielleicht ist das die Erfahrung, die viele Andersliebende machen in einer Gesellschaft, die ihnen – gerade von Seiten der Menschen, die am nächsten stehen – Intoleranz entgegenbringt.

      Fazit: Der Debütfilm erzählt charmant eine Coming-Out-Geschichte, indem er die Protagonistin sich in ein doppeltes Lügengebilde verstricken lässt. Nur in der Zeichnung der intoleranten Umwelt etwas übertrieben.
    2. Mein Freund aus Faro: Jugendliebesdrama um ein Mädchen, das sich als Junge ausgibt und damit für Gefühlswirbel und Geschlechtsverwechslungen sorgt.

      Mit dem Max-Ophüls-Preis gekröntes deutsches Jugendliebesdrama um ein Mädchen, das sich als Junge ausgibt und damit für Gefühlswirbel und Geschlechtsverwechslungen sorgt.

      In ihrem beachtlichen Debüt erzählt Nana Neul die Story von „Boys Don’t Cry“ in der Ästhetik von „XXY“ - und lehrt mit unprätentiöser Art so einiges über Genderzuschreibungen und die soziale Konstruktion von Wirklichkeit. Eine doppelte Verwechslung ist das Zentrum, aber kein Hollywood-High-Concept, das eine Beziehungskomödie anstiften würde, auch wenn manche Szene ordentlich Humor birgt.

      Vielmehr kann man Melanie (stark: Theateraktrice Anjorka Strechel) dabei beobachten, wie sie versucht, unter realistischen Provinzbedingungen ihre eigene Identität zu finden. Die 22-Jährige ist burschikos, mit breitem Kreuz, starken Armen, tiefer Stimme und kurzen Haaren. Da ist es kein Wunder, dass die sehr weibliche 14-jährige Jenny sie nachts für einen Jungen hält. Einen, der zuhören kann und einfach mal nett ist. Auch wenn Freundin Bianca „ihn“ komisch findet. Also ergreift Melanie, genannt Mel, die Gelegenheit, sich - inspiriert von ihrem neuen Arbeitskollegen - als Miguel aus dem portugiesischen Faro auszugeben und Jenny in einer poetischen Nacht näher zu kommen. Sehr zum Ärger von Jennys Proleten-Freund, womit der beginnenden Love-Story noch mehr Probleme als ohnehin schon aufgebürdet werden. Dem eigenen großen Bruder und alternden Vater muss Mel hingegen einen Freund vorspielen - besagter portugiesischer Arbeitskollege Nuno (Manuel Cortez) übernimmt gegen Bares diesen Part. Das führt zu zahlreichen Missinterpretationen: Eine Lüge bedingt die nächste, was in einer Kleinstadt unweigerlich schief geht.

      Das Skript bemüht ein gefühltes Dutzend Mal den Zufall, was die Jury des Max Ophüls Preises nicht davon abhielt, den Drehbuchpreis zu vergeben - obwohl die akzentuierte Regie ihn viel eher verdient hätte: Ohne jede Schwere inszeniert Neul von dem Schmetterlingsgefühl der ersten Liebe eines Mädchens, ihrem Ringen nach Selbstbestimmung und Anerkennung in einem familiären Umfeld, das sie kaum als eigenständige Person wahrnimmt. Gender, Geschlecht und Gefühle wirbelt Neul damit genüsslich durcheinander und erlaubt sich eine vielsagende Beziehungskonstellation, in der alles möglich ist; vor allem viel Eifersucht. Vielleicht ist ihre stark gespielte und verwicklungsreiche Coming-of-Age-Story auch ein Versuch über die Macht der Lüge in einer Welt, der man nicht anders beikommen kann. tk.

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