Mein alter Freund Fritz

  1. Ø 0
   2006
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Filmhandlung und Hintergrund

Mein alter Freund Fritz: Gesellschaftskritische TV-Komödie von Dieter Wedel um einen Mediziner, dem nach seinem Beinahe-Tod ein nur für ihn sichtbarer Begleiter folgt...

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinem filmischen Kommentar zum maroden Kliniksystem gelingt es Dieter Wedel, ein brisantes Thema als höchst unterhaltsames Märchen zu verpacken.

    Ein erfolgreicher Arzt, der offenbar Selbstgespräche führt, aber nicht etwa seinen Job verliert, sondern als Vorbild gefeiert wird: Das ist viel zu schön, um wahr zu sein. Und in der Tat hat der neue Film von Dieter Wedel märchenhafte Züge. Erzählt wird die Handlung zunächst aber als Doku-Drama: Zu Beginn erinnern sich Ärzte und Schwestern, wie alles begann, als der erfolgreiche Chirurg Harry Seidel (Ulrich Tukur) nach einem Autounfall wie verwandelt war, sich ständig mit einem unsichtbaren Begleiter stritt und seine Karriere aufs Spiel setzte. Für Wedelsche Verhältnisse ist „Mein alter Freund Fritz“ ein fast schon bescheidenes Werk. Nach episch inszenierten Mehrteilern („Der große Bellheim“, „Der König von St. Pauli“, „Die Affäre Semmeling“) war bereits „Papa und Mama“ im letzten Jahr eine deutliche Nummer kleiner. Dafür lieferte Wedel mit der Scheidungsgeschichte einen treffenden Kommentar zur grassierenden Krise der Kleinfamilie. Auch sein neues Werk hat eine unübersehbare Botschaft: Der Film bietet eine schonungslose Analyse unseres Gesundheitssystems, das Klinikärzte unter immer größeren Zeitdruck setzt; auf Kosten der Patienten natürlich. Man kann die Erscheinung des Studienfreunds Fritz (Maximilian Brückner) auch getrost als Inkarnation von Seidels schlechtem Gewissen deuten, schließlich gibt es noch eine offene Rechnung zwischen den beiden. Wedel präsentiert Fritz jedoch als Gesandten, der Seidel ins Jenseits geleiten soll. Der will aber noch nicht abtreten und zieht den vor gut zwanzig Jahren verstorbenen Freund ins Diesseits, wo nur er ihn sehen kann. Allerdings wird der Film nun nicht zur Klamotte. Wedel vermeidet sogar den Wandel zur Komödie im Stile von „Mein Freund Harvey“ und beschränkt sich auf humoristische Momente. Trotzdem bekommt die Geschichte ein völlig neues Gesicht: Die Einstellungen sind deutlich länger, die Kamerabewegungen (Edward Klosinski) sanfter, die Schnittfrequenz viel kleiner. Das passt, denn auch Harry Seidel wird ein anderer, widersetzt sich dank der Mahnungen seines himmlischen Begleiters der klinischen Hektik und kümmert sich in angemessener Muße um seine Patienten. Das mag in der Schilderung plakativ klingen, ist es in der Umsetzung aber gar nicht; und das liegt vor allem an Ulrich Tukurs Interpretation der Rolle. Sehr präsent und treffend besetzt ist auch Veronica Ferres als Frau Gemahlin, die ebenfalls von Fritz profitiert: Die Ehe war eigentlich am Ende. Selbst wenn der Geisterfreund einen gewissen Hang zur Bosheit hat und sich nicht mal dann diskret entfernt, wenn Herr und Frau Seidel ihre neu entdeckte Leidenschaft ausleben wollen: Seine Anwesenheit wirkt sich ohne Frage in jeder Hinsicht positiv aus. tpg.

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