Matthiesens Töchter

  1. Ø 4.7
   2015
Matthiesens Töchter Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Matthiesens Töchter: Moderne norddeutsche Westernkomödie.

Drei Frauen kehren nach dem Scheitern ihrer Lebenspläne auf das heruntergekommene und völlig überschuldete Gestüt ihres Vaters irgendwo in Vorpommern zurück. Der alte Matthiesen hat sich dem Suff ergeben, seit ihn vor Jahrzehnten seine Frau verlassen hat; sein Freund Gernot ist der einzige Mensch, auf den er noch zählen kann. Gemeinsam versuchen die Töchter, den Hof zu retten.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Viele Filme lassen sich in einem Satz zusammenfassen, aber manchmal ist dieser Satz nur die halbe Wahrheit. Drei Frauen kehren nach dem Scheitern ihrer Lebenspläne auf den Hof des trinkfreudigen Vaters zurück. Das ist im Grunde die ganze Geschichte dieser wunderbaren Komödie, die eigentlich ein Drama ist.

    Dass das ehemalige Gestüt schon längst bankrott ist und der Direktor der örtlichen Bank nur darauf wartet, den Betrieb zu übernehmen, macht die Angelegenheit kaum origineller. Und trotzdem ist das Drehbuch von Sathyan Ramesh von einem verblüffenden Handlungsreichtum, weil sich immer wieder unerwartete Entwicklungen ergeben. Endgültig zu einem besonderen Werk wird „Matthiesens Töchter“ durch die Umsetzung: Titus Selge hat sich für seine Inszenierung freimütig beim Western bedient.

    Trotzdem ist der Film keine Parodie, selbst wenn manche Anleihen offenkundig sind, etwa der musikalische Auftakt, der Elmer Bernsteins berühmtem Motiv aus John Sturges‘ Western-Klassiker „Die glorreichen Sieben“ nachempfunden ist (eine weitere Verbeugung: die Dorfkneipe heißt „alter Sturges“). Auch die Bildgestaltung (Martin Langer) bedient sich immer wieder subtiler Western-Elemente. Dazu passen natürlich die Aufnahmen vom alten Matthiesen (Matthias Habich), der mit einem Repetiergewehr im Winchester-Stil auf der Veranda sitzt. Vor Jahrzehnten hat ihn seine Frau verlassen; seither widmet er sein Dasein der Schnapsvernichtung. Angesichts der zunehmenden Trostlosigkeit haben sich auch die drei Töchter Esther (Julia Jäger), Rahel (Ulrike C. Tscharre) und Thirza (Anja Antonowicz) nach und nach vom heruntergekommenen Hof gemacht. Allerdings ist es ihnen in der Fremde nur unwesentlich besser ergangen, weshalb sie nun zufällig alle drei am selben Tag nach Vorpommern zurückkehren.

    Natürlich ist die existenzielle Bedrohung des brachliegenden Betriebs das treibende Motiv der Handlung, aber Ramesh konzentriert sich vor allem auf die Entwicklung des familiären Gefüges: während die Schwestern umgehend wieder ein Herz und eine Seele sind, bleibt ihr Vater schroff, abweisend, einsilbig und trinkfreudig. Eine besondere Rolle spielt die Beziehung zwischen Rahel und Esthers Sohn, der sich über beide Ohren in seine attraktive Tante verliebt. Tatsächlich hat Rouven David Israel in der Szene, als der Junge seinem Glück greifbar nahe ist, knallrote Ohren. Es gibt eine Menge solcher Details, die für sich genommen nebensächlich sind, aber viel dazu beitragen, dass „Matthiesens Töchter“ eine äußerst sympathische Komödie ist, die viel Lebensfreude vermittelt. Für Habich ist die Rolle des verschmitzten Griesgrams, dessen Dialoge trotz gelegentlicher geistiger Aussetzer vor Sarkasmus geradezu triefen, ohnehin wie geschaffen. Auch seine drei Töchter sind klug besetzt, weil sie nicht nur gut zu ihren Rollen passen, sondern auch ein stimmiges Ensemble ergeben. Völlig ungeeignet ist „Matthiesens Töchter“ allerdings für Abstinenzler: Es wird unglaublich viel gesoffen in diesem Film. tpg.

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