Manderlay

  1. Ø 3
   2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Manderlay: Zweiter Teil von Lars Von Triers Amerika-Trilogie, in der Grace aus "Dogville" Demokratie in eine Plantage bringen will.

Amerika in den 30er Jahren. Grace Margaret Mulligan (Bryce Dallas Howard in der Nachfolge von Nicole Kidman) lässt Dogville hinter sich und entdeckt auf der Reise durchs Land in Begleitung der Gangsterbande ihres Vaters (Willem Dafoe für James Caan) die sonderbare Farm Manderley, wo es zugeht wie vor dem Bürgerkrieg und Sklaven für weiße Herren schuften. Grace aber dürstet nach Gerechtigkeit, und so veranlasst sie ihren Vater, den Unterdrückten die Freiheit mit Gewalt zu verschaffen. Letztere scheinen jedoch auf Demokratie wenig erpicht.

Im Nachfolger von „Dogville“ besetzt Lars von Trier zentrale Rollen neu bzw. lässt gewohnte Darsteller neue Rollen spielen und zelebriert ansonsten mit den üblichen minimalistischen Mitteln ein recht unsubtiles Gleichnis auf Amerikas Irak-Feldzug.

Gerade eben dem Martyrium in Dogville entkommen, stößt Grace im amerikanischen Süden der 30er Jahre auf die Plantage Manderlay, in der die Schwarzen immer noch wie Sklaven gehalten werden. Gerade ist ihre Herrin gestorben, also beschließt Grace, die Demokratie nach Manderlay zu bringen – notfalls mit Waffengewalt der von ihrem Vater zu ihrer Hilfe abgestellten Gangster. Der Prozess erweist sich als schwierig, zumal Grace einem der Schwarzen verfällt. Und schließlich wartet eine faustdicke Überraschung auf die Retterin.

Nachdem Grace das niedergebrannte Dogville hinter sich gelassen hat, kommt ihre Flucht im Alabama der 30er Jahre auf der Plantage Manderlay zum Halt. Dort wird die junge Frau Zeugin der Auspeitschung eines jungen Farbigen. Empört schreitet sie ein. Demokratie will sie nach Manderlay bringen, notfalls auch mit Waffengewalt. Doch der Prozess erweist sich als schwierig, da Grace dem Wortführer der Sklaven verfällt und darüber ihr Urteilsvermögen verliert. Und dann wartet da noch eine faustdicke Überraschung auf die Retterin.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Grace ist zurück. Nach Dogville in Colorado kommt sie in Manderlay in Alabama an, doch es ist eine andere Grace. Nicht mehr Nicole Kidman, sondern die Newcomerin Bryce Dallas Howard, sie ist jünger, idealistischer, aktiver. Lars von Trier hat seine „Manderlay“-Grace – trotz geringeren Alters – reifen lassen an dem Trauma von Dogville, sie ist nicht mehr die langmütige Dulderin, die das Opfer dörflicher Bigotterie und bürgerlicher Grausamkeit wurde. Grace, die weiß, was Ausbeutung bedeutet, macht sich in Manderlay daran, Schwarze zu befreien, die von der alten Gutsherrin Mam unter strengem Gesetz in absoluter Unfreiheit gehalten werden, 70 Jahre nach der Sklavenbefreiung. Und sie muss feststellen, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse um einiges komplizierter sind, als sie es gedacht hätte.

    Der Film handelt von Rassismus, doch das ist nur die Oberfläche. Er handelt von Amerika – es ist der zweite Teil der Amerika-Trilogie von Lars von Trier –, doch auch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Von Trier weiß auch in „Manderlay“ vielfältige Bedeutungs- und Deutungsschichten zu überlagern, die nicht leicht auf einen bestimmten Brennpunkt der Kritik zu fokussieren sind. Die Unfreiheit der Sklaven ist eine Ungerechtigkeit, doch ihre Freiheit wird zum Chaos, der Aktionismus von Grace ist gut gemeint und steht auf den festen Füßen des Humanismus, doch vielleicht ist Humanismus nicht für alle Menschen das Maß aller Dinge. Im Grunde zynisch stellt von Trier die Alternativen gegenüber: Freiheit und Chaos gegen Sicherheit und Sklaventum – Grace ist der Geist, der nur das Gute will und stets das Schlechte schafft, die Dialektik des guten Willens.

    „Manderlay“ erreicht nicht die beklemmende Intensität von „Dogville“. Das mag daran liegen, dass „Dogville“ mit seiner befremdenden Bühnenhaftigkeit einen Rausch der Innovation mit sich führt, der bei „Manderlay“, das diesen Mitteln nichts hinzufügen will, fehlt. Vielleicht mangelt es der – sehr guten – Darstellerin der Grace auch (noch) an der Erfahrung einer Nicole Kidman, die es gelernt hat, ihre charismatische Ausstrahlung zu vermitteln. Vor allem aber ist Grace hier nicht Opfer, sondern Täterin: Sie selbst ist es, die mit ihrem idealistischen Gutmenschentum den Sklaven vor allem ihre eigene Einstellung zum Leben aufdrängt, und in der Arroganz des Großzügigen den Menschen, denen sie helfen will, keine eigene Meinung zugestehen will.

    Von Trier gibt die emotionale Identifikation mit Grace auf zugunsten einer distanzierteren, nüchterneren Betrachtung ihrer Handlungen: Auf die eine Seite stellt er das Unrechtssystem, das in Manderlay geherrscht hat, auf der anderen Seite laufen die unzulänglichen Aktionen von Grace völlig ins Leere. Der Verfremdungseffekt bleibt dabei erhalten, alles spielt auf einer Bühne mit spärlichen Requisiten, Hauswände sind auf den Boden eingezeichnet, und mit einem Gottesblick wird das Geschehen von einem allwissenden – und ironisch distanzierten – Erzähler kommentiert. Dabei kreuzt von Trier die „Dogville“- mit der Dogma-Ästhetik, die Handkamera geht unmittelbar und ganz direkt nah an die Handlung heran, homemovie-ähnliche Zooms, Jumpcuts, Reißschwenks erzeugen einen Eindruck von Authentizität, der mit der Künstlichkeit des Bühnenbildes kollidiert.

    Von Trier erzählt eine Fabel, der die positive Moral am Ende fehlt. Ohne Zweifel trifft er mit seiner Darstellung einer Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit sehr genau auf allgemeinmenschliche Verhaltensweisen, nicht nur bezüglich Rassismus, nicht nur, ganz aktuell, bezüglich neokolonialistischer US-Politik im Irak, wo ja auch mit Waffengewalt nach Kräften das Beste für die Iraker gewollt wird, ohne es erreichen zu können. Die tieferliegende Bedeutung des zu Zeiten durchaus satirischen Diskurses liegt in der Darstellung machtvoller Gönnerhaftigkeit, oder anders: Diskriminierung ist auch der Versuch, anderen ungefragt zu helfen.

    Subtil erzählt der Film auch von Gewalt, die sich vom Starken zum Schwachen fortsetzt, von der rabiaten Frau über den Ehemann hinunter bis zur schwachen Nachbarstochter. Und Grace kann ihre Ideen nur mit den Maschinenpistolen der Gangster, die sie begleiten, durchsetzen. Der Film erzählt auch vom Paradoxon der Demokratie, die sich per Mehrheitsentschluss selbst abschaffen kann: „Aufklärung“, schreibt Immanuel Kant, „ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“, und von Trier zeigt hier Menschen, denen die Aufklärung und ihre gutgemeinten Auswüchse nichts bedeuten, die in ihrer Unmündigkeit freiwillig verharren wollen – wie unfrei ist ein freiwilliger Sklave?

    Grace, auch darum geht es im Film, ist in all ihrer ausgestellten Wut gegen die Unfreiheit tief in ihrem Inneren geprägt von Rassismus. In ihrem Blick spiegelt sich stetig die Verwunderung darüber, dass die Sklaven, die doch nun frei sind, ja sogar besser gestellt als ihre früheren Herren, nicht dankbarer sind: das Unverständnis gegenüber denen, die man für schwächer hält. Sich und ihr Maß der Dinge zwingt sie den Negersklaven auf, ohne wirklich auf sie einzugehen, und tief in ihrem Inneren bohren erotische Träume weiblichen Chauvinismus’, von kräftigen Negern mit gewaltigen Gemächten...

    Fazit: Lars von Triers vielschichtige Fabel handelt nicht nur von Rassismus, sondern von den Grenzen des Humanismus.
  • In „Manderlay“, dem zweiten Teil seiner Amerika-Trilogie, erzählt Lars von Trier in acht Kapiteln am Beispiel der Sklaverei, wie der gut gemeinte Wille zum Helfen ins Gegenteil umschlagen kann. Nach Nicole Kidman in „Dogville“ überzeugt Bryce Dallas Howard als Heldin Grace.

    Die Handlung spielt im Alabama der 30er Jahre auf einer Baumwollplantage mit Sklaven. Nach der Zerstörung von „Dogville“ ist Grace mit ihrem Vater auf der Flucht und landet rein zufällig in diesem Hort der Unterdrückung, wie sie meint. Als sie sieht, wie ein junger Schwarzer ausgepeitscht wird, fühlt sie sich berufen, die Rolle der Freiheitsgöttin zu übernehmen, zumal durch den Tod der alten Besitzerin (Lauren Bacall) ein Machtvakuum entstanden ist – glaubt sie jedenfalls. Die unbedarfte Heldin setzt es sich zum Ziel, die Sklaven zu befreien und an die Demokratie heranzuführen. Nach anfänglichen Erfolgen stößt sie auf Widerstand. Die Farbigen verstehen nicht, was ihnen die Freiheit in einem Land der Rassentrennung bringen soll und wenden sich am Ende gegen ihre selbst ernannte Befreierin. Lars von Trier macht sich über blinden Idealismus lustig, zeigt, wie sich Farbige untereinander betrügen und wenig mit dem Begriff Gemeinsinn anfangen können. Dem gegenüber steht die naive Grace, die aus dem Schuldgefühl einer Weißen heraus ein übertriebenes Helfersyndrom entwickelt und dabei alles falsch macht. Ihr sexuelles Faible für den „stolzen Schwarzen“ und Wortführer der Gemeinschaft (Isaach de Bankole) unterminiert zusätzlich ihre schwache Position. Der Dogma-Erfinder greift vor allem die Geisteshaltung an, für andere zu handeln und alles besser zu wissen. Eine Verbindung zum Irak-Krieg und dem Projekt des „Nation-Building“ der Supermacht USA ist offensichtlich. Von Trier ließ sich vom dänischen Fotografen Jacob Holt inspirieren und Jean Paulhams Vorwort zur „Die Geschichte der O“ über eine Rebellion im Barbados des 19. Jahrhunderts, nach der die durch ein Gesetz befreiten Sklaven willentlich schnell in ihr altes und unfreies Leben zurückkehrten. Mag sich der intellektuelle Zugang geändert haben, die ästhetische Herangehensweise ist geblieben. Wie im ersten Teil „Dogville“ sind Form und Struktur dem epischen Theater ähnlich, agieren die Figuren auch hier auf einer großen Bühne mit Kulissenfragmenten. Auf dem Boden sind die Namen der Straßen mit weisser Kreide gezeichnet, die verschiedenen Orte der Plantage, die Räumlichkeiten der handelnden Personen. Es gibt nur wenig reale Gegenstände wie eine Mauer, ein zersplittertes Fenster, einige Holztische, einige Betten – die Vorstellung der Landschaft bleibt der Fantasie überlassen. Die Stimme des Erzählers (John Hurt) wirkt in ihrem unüberhörbaren Sarkasmus sehr britisch. Der Film endet mit David Bowies „Young Americans“ und einer Fotomontage über das böse und rassistische Amerika – vom Ku-Klux-Klan über Rodney King, Martin Luther King als Freiheits-Ikone und George Bush als bigotten Beter bis hin zu GIs im Vietnam- und Golfkrieg. Da wird die anfänglich feine Parabel zum platten Pamphlet. mk.

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