Filmhandlung und Hintergrund

Es ist mal wieder der Tango, der das in Routine erstickte Leben eines Langweilers durchwirbelt und der Seele eine erotische Frischzellenkur verpasst.

Der verknöcherte Gerichtsvollzieher schaute oft sehnsuchtsvoll in die gegenüberliegende Tanzschule bis er sich einen Ruck gibt und Tangostunden nimmt. Den diskreten Flirtversuchen der jungen Françoise steht er erst stocksteif gegenüber. Doch ihr Charme erweicht ihn - bis er erfährt, dass das Objekt der Begierde kurz vor der Hochzeit steht.

Der Gerichtsvollzieher Jean-Claude hat sich aus dem gesellschaftlichen Leben schon weitgehend verabschiedet, als ihm sein Arzt zu mehr Bewegung rät. Er entscheidet sich für die Teilnahme an einem Tangokurs in der Tanzschule gegenüber seiner Wohnung. Die Musik und vor allem die Bekanntschaft mit der charmanten Francoise geben ihm neuen Schwung, Jean-Claude beginnt regelrecht aufzublühen. Bis er erfährt, dass Francoise kurz vor der Hochzeit mit einem schnöseligen Schriftsteller steht.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Tango, der Tanz um Berührung und Verführung, um Annäherung und Widerstand, wirkt in diesem Film als Metapher für ein neues, wahres, selbstbestimmtes, befreites Leben. Auf ärztlichen Rat hin nimmt Jean-Claude Tanzstunden, begegnet dort Françoise und lässt sich verzaubern. Einen dicken, undurchdringlichen emotionalen Panzer hat sich Jean-Claude in seinem Leben angelegt, er ist Gerichtsvollzieher und daran gewohnt, nicht geliebt zu werden. Er befindet sich auf dem besten Wege, ein ähnlich griesgrämiger und verbitterter alter Mann wie sein Vater zu werden, der im Altenheim sitzt und seinen Sohn fertig macht, wenn der ihn besucht. Jean-Claude ist ein Verwaltungsakt auf zwei Beinen, der niemandem emotional nahe steht und niemanden nahe lässt.

      Françoise dagegen ist lebendig, trägt einen roten Pullover, ist freundlich – und steckt ebenfalls in den Zwängen des Lebens fest. Die Hochzeit mit Thiery ist fest geplant, nur dass der sich mehr und mehr in einen Roman vergräbt, den er schreiben will. Und dass ihre Mutter ihr das Brautkleid und die Tischordnung vorschreiben, die Schwester den Umgang mit Jean-Claude, das Tanzen überhaupt verbieten will. Sie befürchtet Schlimmes, nämlich, dass Françoises Gefühle durch Empfindungen für Jean-Claude in Verwirrung geraten könnten.

      Stéphane Brizés Liebesgeschichte bleibt stets im Bereich des Erwartbaren, auch der dramaturgische Kniff mit dem Deus ex Machina aus dem Vorzimmer von Jean-Claudes Kanzlei ist ganz der Konsequenz des Filmmärchens verhaftet. Und manchmal ist der Film zu warmherzig: Unschwer kann der Zuschauer hinter der Tyrannei von Jean-Claudes Vater ein unbeholfenes Flehen nach Liebe erkennen. Etwas zu sehr will Brizé es all seinen Figuren recht machen, so dass sein Film manchmal allzu sanft daherkommt: Man soll ihn eben doch lieben, den Film und seine Charaktere, die sich, ohne dass sich daraus Überraschungen ergäben, dem Leben, der Liebe, dem Glück öffnen.

      Fazit: Liebesgeschichte, die sich beim Tangolernen entfaltet.
    2. Man muss mich nicht lieben: Es ist mal wieder der Tango, der das in Routine erstickte Leben eines Langweilers durchwirbelt und der Seele eine erotische Frischzellenkur verpasst.

      Es ist mal wieder der Tango, der das in Routine erstickte Leben eines Langweilers durchwirbelt und der Seele eine erotische Frischzellenkur verpasst.

      Erst kürzlich erlag Richard Gere den Lockungen des Tangos im Remake des japanischen „Shall We Dance?“. Auch der Mittfünfziger Jean-Claude gerät in den Bann der melancholischen Musik, aber erst nachdem ihm der Arzt zu mehr Bewegung rät. Der verknöcherte Gerichtsvollzieher, der von seinem Fenster aus schon oft sehnsuchtsvoll in die gegenüberliegende Tanzschule schaute, gibt sich einen Ruck und rauscht schon bald über das Parkett. Den diskreten Flirtversuchen der jungen Françoise, bei der seine Mutter Babysitterin war, steht er stocksteif gegenüber. Mit ihrem Charme bringt sie eine längst vergessene Seite in ihm zum Klingen. Der schüchterne Eisklotz spürt plötzlich lang verschüttete Gefühle und schmilzt dahin, funktioniert nicht mehr akkurat wie eine Maschine, sondern entdeckt eigene Bedürfnisse, lässt sich nicht mehr von seinem launischen Vater bei Besuchen im Altersheim herumkommandieren und schnauzt sogar unsensible Polizisten bei einer Zwangsräumung zusammen. In einem Moment offener Zuneigung ermuntert er seinen mit ihm arbeitenden und unter seiner Autorität leidenden Sohn, sein Leben zu genießen und nicht wie er zu verschwenden. Das Unmögliche scheint möglich, bis er erfährt, dass das Objekt der Begierde kurz vor der Hochzeit mit einem Möchtegern-Schriftsteller steht. Die Leichtigkeit des Seins fällt abrupt von ihm ab, seine Züge werden noch etwas härter, seine Augen noch etwas trauriger, der Schnauzbart hängt noch etwas schiefer. Eine Enttäuschung mehr für den an Einsamkeit Gewöhnten.

      Anrührend spielt Patrick Chesnais, vom „Le Figaro“ zum französischen Bill Murray stilisiert, den ambivalenten und zutiefst verunsicherten Charakter der heimlich zu Hause Tangoschritte übt, sich mit einem zarten Kuss aus der lebenslänglichen Deckung wagt, und vor der eigenen Courage Angst bekommt, der sich durch den vermeintlichen Vertrauensbruch verletzt in seine vier Wände verkriecht. Stephane Brizé gelingt mit seinem Spielfilmdebüt ein kleines Wunder und große Kinokunst. Er zelebriert den Reiz des Schweigens, die Symbolik von Gesten, die Bedeutung von Blicken und serviert kein plattes Hollywood-Ending, sondern ein fantasievolles und offenes Ende. Man muss diesen sperrigen Menschen nicht lieben. Aber man tut es. Aus ganzem Herzen. mk.

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