Mammut

Kinostart: 10.06.2010
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Filmhandlung und Hintergrund

Komplexes und bewegendes Drama über eine wohlhabende New Yorker Familie, deren Leben bei einem Thailand-Urlaub auf den Kopf gestellt wird.

Dem New Yorker Ehepaar Leo und Ellen fehlt es an nichts, seitdem er mit seiner Website zu Geld gekommen ist. Ellen kann in Ruhe ihrer Beschäftigung als Chirurgin nachgehen, während Leo die Welt bereist, um neue Deals an Land zu ziehen. Ihre achtjährige Tochter befindet sich in der Obhut des philippinischen Kindermädchens Gloria, das in ständigem Kontakt mit ihrer Familie in ihrer alten Heimat ist. Bei einer erneuten Reise nach Thailand beschließt Leo, sein Leben von Grund auf zu ändern, was unmittelbare Auswirkungen auf das Leben aller Beteiligten hat.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Lukas Moodysson erzählt an drei Orten, in New York, in Bangkok und auf den Philippinen – aber was eigentlich?

      In New York entfremdet sich Ellen, vielbeschäftigte Chirurgin, mehr und mehr von ihrer achtjährigen Tochter, die sich zum philippinischen Kindermädchen hin orientiert. Mit ihr verbringt sie ihre Freizeit, lernt gar philippinisches Essen und die dortige Sprache Tagalog kennen; während Ellen sich allein zurückgelassen fühlt.

      Ihr Mann Leo, reicher Inhaber einer Games-Webseite, ist in Thailand, um einen Vertrag mit Investoren zu unterzeichnen. Und langweilt sich. Lenkt sich ab mit Urlaub am Strand. Lernt eine junge Schönheit, ein Freudenmädchen, kennen.

      Während die Söhne des Kindermädchens seiner Tochter auf den Philippinen die Mama vermissen. Die in New York arbeitet, damit in ferner Zukunft alles besser wird.

      Das ist im Grunde der Tenor des Films: dass es reiche und arme Länder gibt. Dass überall Eltern ihre Kinder et vice versa lieben und vermissen, wenn sie getrennt sind. Dass man ganz schnell einsam wird. Dass wir uns alle ein bisschen lieb haben sollen. Oder so ähnlich. Was halt an derlei dummen Banalitäten (oder banalen Dummheiten) so gang und gäbe ist.

      Damit hat Moodyssons Film einiges mit Alejandro González Iñárritus „Babel“ von 2006 gemeinsam: den Darsteller Gael García Bernal als personelle Verbindung, die episodische Erzählweise, nicht zuletzt die recht banale Botschaft – bei Iñárritu so was wie: Vielfalt der Sprachen und Ausdrucksweisen, fehllaufende interkulturelle Kommunikation und so. Der Unterschied ist: „Babel“ wurde von den Kritikern hochgelobt, Moodyssons „Mammut“ dafür heftigst verrissen. Vielleicht, weil Iñarritu mit mexikanischem Bonus punkten konnte; eigentlich aber halten sich beide Filme die Waage.

      Tatsache ist, dass Moodysson sein Gespür für Figuren und Situationen nicht verloren hat; dramaturgisch ist die episodische Verschachtelung nicht ungeschickt gelungen, darstellerisch kann man nicht klagen. An der inszenatorischen Oberfläche macht er also einiges richtig, alles ist schön gefilmt und auch mit guten Dialogsätzen aufgefüllt; sichtlich hatte Moodysson in dieser seiner ersten englischsprachigen Produktion einiges Geld zur Verfügung. Und doch: Dass der Film nicht merkt, dass er eine grundsätzliche Nicht-Botschaft transportiert, das gibt ihm den Makel der Vagheit und Beliebigkeit ein. Unter dem Glanz eines veritablen starbesetzten Dramas bröckelt der Untergrund des Films heftig ab.

      Wie auch die Mammut-Metapher alles und nichts heißen kann: Vom Aussterben über die Ewigkeit oder auch das Überleben (unter der sibirischen Eisdecke) bis zum Luxus: der Stift, mit dem Leo den Vertrag unterzeichnen soll, ist mit echtem Mammut-Elfenbein besetzt.

      Fazit: Gut gemacht, aber leider nicht so gut gemeint. Weil hinter einer Meinung auch eine gewisse Substanz stecken muss.
    2. Mammut: Komplexes und bewegendes Drama über eine wohlhabende New Yorker Familie, deren Leben bei einem Thailand-Urlaub auf den Kopf gestellt wird.

      Bewegendes Drama über eine wohlhabende New Yorker Familie, deren Leben bei einem Thailand-Aufenthalt des Familienoberhaupts auf den Kopf gestellt wird.

      Von dem ansteckenden Enthusiasmus seiner frühen Arbeiten ist nichts mehr übrig geblieben. Aber immerhin kehrt der Schwede Lukas Moodysson, einer der talentiertesten europäischen Filmemacher, nach zwei radikalen Ausflügen in den experimentellen Film mit „Ein Loch im Herzen“ und „Container“ mit seiner sechsten Arbeit wieder zum Erzählkino zurück, das Vergleiche mit dem aktuellen Weltkino eines Olivier Assayas oder Alejandro González Iñárritu förmlich herausfordert - nicht nur weil er den beiden handwerklich in nichts nachsteht, sondern auch weil er deren Vision von der modernen Welt als weit verzweigtes, aber eng miteinander verstricktes Dorf teilt. Dem coolen Pragmatismus von Assayas und der Spiritualität von Iñárritu setzt Moodysson eine gewisse Naivität entgegen, die in „Mammut“ lange Zeit für ihn arbeitet, ihn aber auch in entscheidenden Momenten erzählerische Entscheidungen treffen lässt, die letztlich dazu führten, dass dem Film bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale auch so mancher Buh-Ruf entgegenbrandete: Seine Botschaft, dass wir alle Verantwortung tragen, weil wir alle irgendwo Eltern oder Kinder haben, ist doch etwas dick aufgetragen und vielleicht auch etwas heuchlerisch, angesichts der Tatsache, dass er sich als Hauptfigur einen Selfmade-Multimillionär der Generation Web 2.0 ausgesucht hat, der in eine tiefe Sinnkrise gestürzt wird. Andererseits verstellt die Kritik den Blick vor einem Film, der großartig aussieht, toll gespielt wird und sich bestenfalls den Fehler gestattet, das Herz auf dem rechten Fleck zu tragen, aber beim Formulieren seiner Aussage übers Ziel hinauszuschießen. „Mammut“ ist einfach kein Film, der Antworten bereithält, sondern Fragen stellt, der ausprobiert und auf Suche geht in einer Welt, die so klein geworden ist, dass sie einem den Atem rauben und den Blick aufs Wesentliche verstellen kann. Vor allem Vergleiche mit „Babel“ drängen sich auf, wenn man in dem in Thailand, New York, Schweden und auf den Philippinen gedrehten Film dem Helden Leo, gespielt von Iñárritu-Regular Gael García Bernal, bei der Flucht vor dem perfekten Leben zusieht: Er lebt in New York, sieht toll aus, hat eine Wahnsinnswohnung in Soho und Geld wie Heu, ist verheiratet mit der hinreißenden Ellen, die erfolgreich als Chirurgin arbeitet, gespielt von Michelle Williams in einer Rolle, die wie ein Vorspiel für ihren tollen Part in „Blue Valentine“ wirkt, und er hat eine bezaubernde, von einem Kindermädchen liebevoll umhegte achtjährige Tochter, die ihn liebt, auch wenn sie ihn wegen seiner Geschäftsreisen nur selten sieht. Und obwohl ihm ein bevorstehender Multimillionendeal in Asien, für den er sich nicht einmal verbiegen oder anstrengen muss, für den Rest des Lebens Unabhängigkeit und Freiheit verspricht, bricht bei ihm Panik aus: Was soll danach noch kommen? Unvermittelt nimmt Leo Reißaus und lässt sich durch Thailand treiben, was nicht nur unmittelbaren Einfluss auf sein Leben, sondern auch auf die Existenz all der Menschen hat, die ihm nahe stehen.

      Hätte sich Moodysson im letzten Akt nicht für überzogene Melodramatik entschieden, die er dann wieder im Handstreich wegfegt, um Leo und Kate ein Happyend zu gönnen, „Mammut“ hätte das Zeug zu einem definitiven Film seiner Zeit, ein überzeugendes Statement wider das Hamsterrad. Aber dann gönnen sich die Habenden ein Glück auf dem Rücken derer, die nichts besitzen - und Moodysson zeigt das ohne Brechung. Das darf man ihm als Zynismus auslegen. Vielleicht ist es aber auch nur Resignation: So funktioniert die Welt nun mal - und Leo, der sich für ein Teil der Lösung hält, ist nicht einmal klar, dass Menschen wie er das wahre Problem sind. ts.

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