London Nights (2009)

Originaltitel: Unmade Beds
London Nights Poster

Videos und Bilder

Filmhandlung und Hintergrund

London Nights: Europäische, musikgetriebene Coming-of-Age-Variante um junge Leute in Ost-London, die sich treiben lassen.

Drei junge Menschen im Großstadtdschungel. Ein lockenköpfiger Spanier, eine bildhübsche Belgierin und ein geheimnisvoller Fremder suchen in der vibrierenden Szene Ost-Londons nach dem Vater, dem schönsten Liebeslied, dem Mann bzw. der Frau fürs Leben. Vera ist an die Themse gekommen, um ihre letzte Liebe zu vergessen, Axl will den Papa zur Rede stellen. Beide finden in einem Haus voller ausgelassener Künstler Unterschlupf, wo Musik den Alltag bestimmt und verrückte Partys gefeiert werden.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Der argentinische Regisseur Alexis Dos Santos hat nach „Glue“ seinen zweiten Film vorgelegt, in welchem er dem jugendlichen Lebensgefühl und dem Londoner East End mit seiner Musikszene gleichermaßen ein Denkmal setzt. Es geht um zwei junge Leute aus Spanien und Belgien, die in London ins Nachtleben eintauchen und sich gleichzeitig mit ihrem emotionalen Gepäck auseinandersetzen. Sie lernen neue Leute kennen und fühlen sich trotzdem oft allein, sie suchen Anregungen und finden Halt, wo sie ihn am wenigsten erwarten. Der Film mit seinen impressionistischen, subjektiven Bildern und viel Musik schafft es, das Lebensgefühl junger Erwachsener mitreißend und mit dokumentarischer Akribie einzufangen.

    Viel passiert nicht in diesem Langfilm, manchmal stehen die Hauptpersonen einfach nur rum und versuchen, sich trotz reichlich Alkoholgenuss und abgelenkt von Tagträumen, weiter in ihrer jeweiligen Umgebung zu orientieren. Doch gegen Ende der Geschichte werden der Spanier Axl und die Belgierin Vera eine Entwicklung durchgemacht haben, die einen berührt und gleichzeitig an die Einmaligkeit dieser späten Jugendzeit erinnert, in der ein Lebensweg noch nicht gefunden ist und sich alles so intensiv anfühlt, von der Freiheit bis zur Einsamkeit.

    Axl stellt sich in seiner Muttersprache Spanisch vor, er redet im Off über seine Kindheit, während ihn die Kamera in London begleitet. Parallel wird Veras Geschichte erzählt, sie spricht über sich auf Französisch. Der spanische Schauspieler Fernando Tielve stellt Axl dar, den Jungen mit dem traurigen Gesicht, der auf seinen Streifzügen durch Londoner Betten und Kneipen mit seiner freundlichen Offenheit viele Kontakte knüpft. Dieser Axl ist hin- und hergerissen zwischen Trauer um seine vaterlose Kindheit und der Sehnsucht, in der Gemeinschaft Gleichaltriger eine neue Perspektive zu finden.

    Axl lernt seinen Vater, einen Wohnungsmakler, tatsächlich kennen, sagt ihm aber nicht, wer er ist. Während er sich von dem Mann im Anzug zu Mietwohnungen fahren lässt, für die er sich angeblich interessiert, erfährt Axl vieles über den Vater, genießt die Momente der Nähe und leidet trotzdem tierisch. Zu den schönsten Szenen des Films gehört der Abschied dieser beiden Personen, bei dem der Vater irgendwie spürt, dass Axl kein gewöhnlicher Kunde war. Axl findet bei dem Londoner Mike einen Platz in dessen Künstler-WG und menschliche Anteilnahme.

    Vera, gespielt von der Belgierin Déborah Francois, ist ein wesentlich pragmatischerer, direkterer Mensch als Axl. Die bewusst halbanonyme Bekanntschaft mit einem jungen Mann hilft ihr allmählich, eine unglückliche Liebe zu vergessen. Vera und Axl begegnen sich auch einmal und führen eines dieser speziellen Gespräche, die unerwartet Türen aufstoßen. Dazwischen gibt es auch Begegnungen mit namenlosen Frauen, Erinnerungen und Träume, die auf Super 8 unscharf und verwackelt die Musik bebildern, spontane menschliche Nähe in Mikes WG-Alltag. In diesem Film ohne ausgefeilte Geschichte steckt mehr Authentizität als in vielen zielstrebig durchkonstruierten Werken.

    Fazit: Zwei junge Fremde suchen in Londons Musik- und Kneipenszene das Lebensgefühl ihrer Generation und finden neue Orientierung.
  • Weder Komödie noch Tragödie und schon gar kein Liebesfilm – und doch genau darum geht’s bei Alexis Dos Santos musikgetriebener Coming-of-Age-Variante.

    Wie Flipperkugeln trudeln sie durchs Leben, die Helden von “London Nights”, der im Original treffender “Unmade Beds”, “ungemachte Betten”, heißt. Denn primär ist Chaos angesagt, innerlich wie äußerlich. Späte Teens und frühe Twens bevölkern bei Alexis Dos Santos die Leinwand, es herrscht ein babylonisches Sprachgewirr und auch eine klare Erzählstruktur bzw. einen stringenten Spannungsbogen sucht man vergebens.

    Was System besitzt, will der Film doch ein Lebensgefühl vermitteln, vom coming of age erzählen. Im Mittelpunkt der Handlung steht Axl (naiv-sympathisch: Fernando Tielve), ein wuschelköpfiger Spanier, der in der Metropole nach seinem Vater sucht. Abends steht er in Musikkneipen herum, trinkt ein Pint nach dem anderen und morgens wacht er in irgendwelchen Betten auf – mal zu zweit, mal zu dritt. “Wie viele Leute wohnen eigentlich hier?” fragt er einen seiner Gastgeber. “Ich weiß nicht. Das wechselt”, antwortet der.

    (Ost-)London, das genauso Barcelona, New York oder Tel Aviv sein könnte, swingt wieder. Niemand scheint einer festen Beschäftigung nachzugehen. Man dreht in der eigenen Wohnung Musikvideos, träumt davon, am Fallschirm der Erde entgegen zu sausen, oder ist wie die attraktive Belgierin Vera (somnambul: Déborah Francois) auf der Flucht vor einer alten Beziehung. Das hindert sie nicht, rotweinumnebelt mit dem “Röntgen-Mann” im Hotel zu landen. Bedingung: Keine Telefonnummern sollen ausgetauscht werden, Verabredungen geschehen von Date zu Date. Aber so einfach ist das mit der Liebe bekanntlich nicht.

    Autor und Regisseur Dos Santos (“Glue”) hat sein Generationenporträt mit unglaublicher Beiläufigkeit in Szene gesetzt. Die Dialoge wirken über weite Strecken improvisiert, die nervöse (Hand-)Kamera (HD & Super 8) des “Dogmatikers” Jakob Ihre (“Eine Familie”) ist hautnah dran am Geschehen. Gibt es im Film eine Konstante, eine treibende Kraft, dann ist das die Musik – Electro Pop ((Wer Are) Performance), Electric Blues (Connan Mockasins) oder Gesang und Gitarre (Plaster of Paris), meist live und laut in diversen Clubs dargeboten.

    “Die Musik gefällt mir” betont Axl stets, ansonsten lautet der am häufigsten geäußerte Satz: “Ich weiß nicht”. Von durchorganisierten Bachelor- und Master-Studenten ist hier wohltuend wenig zu sehen, eine gewisse Perspektivlosigkeit herrscht, aber der Lust am Leben tut dies keinen Abbruch – denn auch sich und alles andere dem Zufall zu überlassen, kann eine Entscheidung sein. Wie auch die von Axl, sich dem Vater nicht zu erkennen zu geben. Der, schlipstragender Makler, verheiratet, zwei Töchter, würde ihn wahrscheinlich ohnehin nicht verstehen. Und schreiend aus dem Flugzeug springen, würde er schon gar nicht. geh.

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