Liebeswahn

  1. Ø 4
   2004
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Liebeswahn Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Ein romantisches Picknick mit seiner Freundin Claire endet in einem Trauma, als Joe mit drei anderen Männern bei dem Versuch scheitert, einen Heißluftballon auf der Erde zu halten. Ein Mann stirbt dabei. Dann stellt ihm einer der beteiligten Männer, Jed, nach. Der behauptet ihn über alles zu lieben und ihn zu Gott führen zu wollen. Joe fühlt sich verfolgt und reagiert zunehmend aggressiv – auch seiner Freundin und ihren gemeinsamen Freunden gegenüber. Claire hält ihn für paranoid und verlässt ihn.

Nach dem tödlich mißglückten Versuch, einen Heißluftballon auf der Erde zu halten, stellt einer der Beteiligten einem anderen nach. Psychodrama mit Thriller-Spannung und hochkarätiger Besetzung.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Roger Michell, einst für Federleichtes wie „Notting Hill“ verantwortlich, aber seit einem Herzinfarkt vor einigen Jahren von einer neuen kreativen Energie beseelt, aus der bereits „Spurwechsel“ und „Die Mutter“ hervorgingen, bleibt dem eingeschlagenen Weg treu. Bestechend auf Digitalvideo gedreht und mit Daniel Craig („Road to Perdition“), Samantha Morton („Minority Report“) und „Notting Hill“-Schlamper Rhys Ifans schlagkräftig besetzt, ist seine Verfilmung einer Kurzgeschichte von Ian McEwan („Der Trost von Fremden“) über einen Ballon-Unfall, der eine Gruppe von Fremden zusammenbringt, eine ebenso hypnotische wie rätselhafte Meditation über die merkwürdigen Wege der Liebe und ihre erschreckenden Auswüchse.

    Der Film beginnt mit einem Paukenschlag, der einem erst einmal den Atem raubt. Ein ganz normales Paar, der Lehrer und Poet Joe und die Künstlerin Claire, gespielt von Michells „Die Mutter“-Star Daniel Craig und der stets elektrisierenden Samantha Morton, hat sich gerade auf einer unberührten Wiese in der Landgegend um Cambridge niedergelassen und ist im Begriff, eine Flasche Champagner zu köpfen, als das Schicksal zuschlägt – oder besser: neben ihnen einschlägt. Wie aus heiterem Himmel knallt ein außer Kontrolle geratener knallroter Heißluftballon auf den Boden, ein grauhaariger Mann stürzt aus dem Korb und versucht verzweifelt, den wieder abhebenden Ballon in seine Gewalt zu bringen: An Bord befindet sich noch immer ein Junge, sein Enkel. Joe reagiert sofort und eilt zur Hilfe, wie auch weitere Männer, die den Unfall beobachtet haben. Gerade noch haben sie den Ballon an den Boden gepinnt, als ein Windstoß ihn und die Retter wieder in die Höhe reißt. Fast gleichzeitig lassen die Männer los und geben den Ballon frei – nur einer klammert sich weiter verzweifelt fest, bis ihn die Kräfte verlassen. Entsetzt müssen die anderen mit ansehen, wie er wie ein Stein auf die Erde stürzt und auf einer Kuhweide zerschmettert liegen bleibt.

    Wie in Peter Weirs unterschätztem Meisterwerk „Fearless – Jenseits der Angst“ ist ein Unglück Dreh- und Angelpunkt, eine traumatische Überlebenserfahrung von religiöser Intensität, die ganz normale Menschen aus ihrem Alltag und Leben reißt und allein schon deshalb zusammenführt, weil sie den Weg in ihre Realität nicht wieder zurückfinden. Wie der ganze Film befindet sich auch Joe danach in einem Schwebezustand, der ihn von seiner Claire immer weiter entfernt, weil ihn die Ereignisse unentwegt verfolgen und die Schuldgefühle regelrecht den Verstand rauben. Der Unfall wird seine Obsession: Er will seine Hintergründe erforschen und sucht die Witwe des Verunglückten auf, von der er erfährt, dass ihr Ehemann offenkundig just an diesem Tag eine Affäre hatte. Als wolle er Abbitte leisten, forscht Joe weiter – und merkt dabei nicht, dass sich nicht nur sein Leben auflöst, sondern auch eine ganz andere Kraft zu wirken beginnt. Ohne dass man es als Zuschauer selbst ahnt, entwickelt sich „Enduring Love“ nämlich weg vom existenziellen Selbstfindungsdrama hin zum erschütternden Stalker-Thriller, weil Joe nämlich für einen der anderen Retter des Unglücks zur fixen Idee wird: Zunächst ist der offenkundig verwirrte und zerzauste Jed, der immer wieder zu unpassenden Gelegenheiten auftaucht und Joe nicht mehr von der Seite weichen will, nämlich nur eine Belästigung. Doch dann wandelt er sich – als Spiegel von Joes Seele – zu einer regelrechten Bedrohung und schließlich, in einer Abfolge schockierender Szenen, zu seiner Nemesis.

    Lange hält Michell sich bedeckt, wohin sein Film mit seinen expressiven, immer aufregenden Bildern will. Als er seine Absichten schließlich aufdeckt, ist man ebenso vor den Kopf geschlagen wie sein zweifelnder Held. Als prallte einer der von Selbstzweifeln geplagte Bergman-Filme der späten 60er Jahre auf „Eine verhängnisvolle Affäre“, entwickelt dieser packende Essay über missverstandene und fehlgeleitete Liebe eine Wucht, die nur Filme entwickeln, die sich etwas trauen, auch wenn sie damit in Kauf nehmen, nicht mit „Spider-Man“ und Co. konkurrieren zu können. Allein wegen der mutigen Struktur und dem unwiderstehlichen Daniel Craig, der sich nicht nur körperlich keine Blöße gibt, ist dieser messerscharfe Experimentalthriller unbedingt sehenswert. ts.

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