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La classe de neige

Filmhandlung und Hintergrund

Mit seinem zehnten Film „La Classe de Neige“ betrat Claude Miller erstmals als Regisseur eines Wettbewerbsbeitrages die berühmten „Marches“ des Festivalpalais. Sein sensibles Drama über einen unglücklichen Jungen, der sich in eine Traumwelt flüchtet, teilte sich mit Thomas Vinterberg „Festen“ den „Spezialpreis der Jury“. Nach dem gleichnamigen, mit dem „Prix Femina“ 1995 ausgezeichnete Roman von Emmanuel Carrère...

Nicolas wird von seinem Vater zur Klassenfahrt in ein Skigebiet mit dem Auto chauffiert. Nicht der einzige Grund, weswegen der Kleine, der sich am liebsten in eine Traumwelt flüchtet und lieber für krank erklärt im Zimmer bleibt, als mit den anderen Kindern im Schnee zu toben, von der Gemeinschaft ausgeschlossen bleibt. Seine Betreuer versuchen Zugang zu dem verstörten Kind, auf dem ein dunkles Geheimnis lastet, zu finden.

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Kritikerrezensionen

  • Mit seinem zehnten Film „La Classe de Neige“ betrat Claude Miller erstmals als Regisseur eines Wettbewerbsbeitrages die berühmten „Marches“ des Festivalpalais. Sein sensibles Drama über einen unglücklichen Jungen, der sich in eine Traumwelt flüchtet, teilte sich mit Thomas Vinterberg „Festen“ den „Spezialpreis der Jury“.

    Nach dem gleichnamigen, mit dem „Prix Femina“ 1995 ausgezeichnete Roman von Emmanuel Carrère, der auch als Co-Autor fungierte, erzählt Claude Miller von den Nöten eines Kindes und von Menschen am Rande der Normalität. Nicolas, der in einem Ferienlager in den verschneiten Alpen von Erinnerungen an dunkle familiäre Erlebnisses gequält wird und sich in abstruse Tag- und Alpträume flüchtet, ist noch Bettnässer. Er kapselt sich von seinen Schulkameraden ab und begegnet nur dem Gruppenleiter mit etwas Vertrauen. Der overprotecting Vater bringt seinen Sohn mit dem Autor ins Ferienlager und vergißt, ihm den Koffer zu geben. Dies ist der Ausgangspunkt der Freundschaft zwischen dem verletzlichen und nicht sehr integrationsfähigen Nicolas und dem robusten Hodkann. (Clement van den Bergh, Lokman Nalcakan), der ihm großzügig den Schlafanzug leiht. Einfühlsam zeichnet Miller, der sich schon in „Die kleine Diebin“ und „Das freche Mädchen“ mit dem Thema Kindheit und Adoleszenz auseinandersetzte, kindliche Ängste, problematisiert sexuellen Mißbrauch durch den Vater und die Entdeckung der eigenen Sexualität, schaut hinter die Fassade der nur vordergründig heilen Familienwelt. Dabei ahnt der Zuschauer allerdings sehr schnell die abgrundtiefe Schlechtigkeit des Erzeugers, der nicht nur als Pädophiler, sonder am Ende auch noch als Mörder geoutet wird. Etwas irritierend auch die zahlreichen Rückblenden und sich zu oft wiederholende Flucht in bizarre Phantasien und Metaphern. Trotz dieser Schwäche wirkt das Psycho-Drama als Ganzes gelungen, ist die Einsamkeit und Verlorenheit des von Traumata geschädigten Jungen hautnah zu spüren, seine Sehnsucht nach Liebe und gleichzeitig die Furcht vor Zurückweisung. Mit Fingerspitzengefühl setzt der Regisseur, der sich wohl von François Truffaut inspirieren ließ, die delikate Geschichte in eindrucksvolle Kinobilder um. Eine wichtig Rolle als Verbindungsglied zwischen Realität und Traumsequenzen übernimmt die Musik von Henri Texier. Wenn bei einem imaginären Massaker unter den Schülern das „Agnus Dei“ erklingt, will Miller damit an Grausamkeiten erinnern, die Kinder weltweit - von Bosnien bis Algerien - erleiden. Das schwierige Sujet mag einem auf leichte Unterhaltung fixierten Publikum schwer zu vermitteln sein, dennoch sollte der Film in Arthouse-Kinos auf Resonanz stoßen. Die von Warner zu 20 % mitfinanzierte Produktion wurde u. a. schon in Länder wie Kanada, Japan, Taiwan und Deutschland verkauft. mk.

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